Sperling im Waldviertel auf Platz 1 am Futterhaus. Den Feld- und Haussperlingen hat es in den Gärten gefallen. Dafür ließen sich deutlich weniger Kohlmeisen blicken.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 06. Februar 2021 (03:16)
Nummer zwei im Waldviertel: Der Haussperling wurde heuer deutlich öfter gezählt.
Hans-Martin Berg

Die „Stunde der Wintervögel“ hat von 8. bis 10. Jänner wieder geschlagen. Bereits zum zwölften Mal bat die Vogelschutzorganisation „Bird life“ zur Beobachtung und Zählung der Vögel im eigenen Garten. Das Ergebnis: Auch im Waldviertel blieb vor allem die Vorjahressiegerin Kohlmeise den Futterhäusern fern. – Woran das liegt, und wie jeder Einzelne die heimischen Singvögel das ganze Jahr über unterstützen kann.

Kohlmeise nur mehr dritthäufigster Vogel

Der Feldsperling flog im Waldviertel an die Spitze der meist gezählten Vögel, dicht gefolgt vom Haussperling (Spatz). Die Kohlmeise landet nur auf Platz drei – insgesamt wurden bei ihr im Waldviertel heuer um über 1.000 Sichtungen weniger gezählt. „Das Ergebnis im Waldviertel ist identisch mit dem Trend in ganz Österreich“, sagt Gerhard Loupal vom Verein „Freenature“ mit Sitz in St. Martin (Bezirk Gmünd) und ehemaliger Präsident von Birdlife Österreich.

Die Kohlmeise sei trotz des Ergebnisses keine bedrohte Art. Denn: Nach einem guten Fruchtjahr von Bäumen wie der Buche, Tanne, Eiche oder Fichte gibt es abseits der Siedlungsgebiete genug Nahrungsangebot für die Körner- und Samenfresser. „Je weniger Futter sie im Freiland finden, umso eher kommen sie in die Siedlungen“, erklärt er.

Weniger Vögel, weniger Teilnehmer

Das starke Fruchtjahr der Bäume hat freilich nicht nur die Kohlmeise betroffen: Insgesamt wurden waldviertelweit heuer 16.902 Vögel gemeldet – im Vorjahr waren es 18.461. Österreichweit haben heuer deutlich mehr Personen bei der Aktion mitgemacht. Im Waldviertel war das anders: Die Teilnehmerzahl ist leicht gesunken.

Gäste aus dem Norden

Haussperling, Grünfink und Stieglitz wurden im Waldviertel heuer deutlich öfter als im Vorjahr beobachtet. Und auch beim Erlenzeisig gab es eine Zunahme. Gerhard Loupal: „Das resultiert auch daraus, dass nordische Vögel zugezogen sind. Wenn dort die Nahrung knapp wird, weichen sie in den Süden aus. Und das ist heuer passiert.“ Eine wesentliche Rolle spielt freilich auch der Bruterfolg einzelner Vogelarten im Vorjahr.

Allerdings gibt es auch Vögel, die aufgrund ihrer geringen Zahlen selten durch den Garten flattern: „Vor allem beim Grünfink ist der Bestand dramatisch zurückgegangen“, sagt Loupal. Ein Grund dafür sei eine Einzel erkrankung, die Entzündungen im Kropf des Grünlings verursacht. Weil sich Krankheiten nicht zuletzt auch über den Kot verbreiten, empfiehlt er, bei der Fütterung auf Futtersilos zurückzugreifen.

Veränderter Lebensraum

Dass Bestandsrückgänge nur aufs Futterangebot im Freiland und auf Krankheiten zurückzuführen sind, lässt Gerhard Loupal nicht ganz durchgehen: „Viel schlimmer für die Vögel ist die Veränderung des Lebensraumes.“ Eine Verschlechterung des Habitats wirke sich nicht von einem Jahr aufs andere aus, sei aber ein langfristiges Problem. Gleichzeitig bedeute das Insektensterben ein Versickern wichtiger Nahrungsquellen für Vögel: „Werden die Insekten weniger, werden auch die Vögel weniger.“

Wie kann man helfen?

„Im eigenen Garten kann jeder Einzelne viel für den Naturschutz tun. Je unordentlicher ein Garten ist, desto besser – es wäre ganz wichtig, dass hier ein Umdenken stattfindet“, sagt Loupal. Was für den Menschen Unordnung bedeutet, ist für Tiere vielfältiger Lebensraum. Deshalb rät er zumindest zu einer „wilden Ecke“ im Privatgarten. Am besten mit Steinhaufen, Totholz und heimischen Pflanzen. Die Ecke sollte nur einmal im Jahr – oder besser gar nicht – gemäht werden, kann als Überwinterungsort für Insekten auch über die kalte Jahreszeit so bleiben.

Die Fütterung sollte sich auf den Winter beschränken, erklärt Loupal: „Wenn man Vögel im Winter füttert, dann sollte man es durchgehend machen. Sie gewöhnen sich daran und kommen zur Futterstelle, wenn es im Freiland weniger gibt.“ Noch wichtiger als das Anbieten einer Futterquelle sei aber die naturnahe Gartengestaltung.