WK-Bezirkschef: „Konzerne wachsen, Kleine gehen unter“. Peter Weißenböck ist Wirtschaftskammerobmann für den Bezirk Gmünd und Inhaber eines Transportunternehmens. Im NÖN-Interview mit Karin Pollak spricht er Klartext zur aktuellen Lage im Umgang mit dem Coronavirus.

Von Karin Pollak. Erstellt am 24. März 2020 (16:26)
Gmünds WK-Bezirksobmann Peter Weißenböck
Markus Lohninger

NÖN: Derzeit hat die Wirtschaft mit extremen Problemen zu kämpfen. Wie schaut es im Bezirk Gmünd aus?

Peter Weißenböck: Man bekommt von außen sehr viel mit, aber wie die Situation wirklich ausschaut, lässt sich momentan nur schwer einschätzen. Wichtig ist, dass alle durchhalten und die von der Regierung gesetzten Maßnahmen bald greifen. Dann können die Räder wieder ins Laufen kommen.

Was macht Ihnen zur Zeit am meisten zu schaffen?

Weißenböck: Wir sitzen alle im selben Boot, alle Branchen sind betroffen. Aber: Große Ketten werden bevorzugt behandelt. Da wird zum Beispiel Blumenerde oder Spielzeug verkauft. Kleine Unternehmen dürfen das nicht, diesen steht das Wasser bis über den Hals. Die Großkonzerne werden noch größer, die kleineren gehen unter.

Wie schaut es in der Transportbranche aus?

Weißenböck: In meinem Unternehmen ist ein Auftragsrückgang von 50 Prozent zu bemerken. Das Bau- und Baunebengewerbe steht, viele Firmen haben geschlossen. Es gibt auch weniger Aufträge von den Entsorgungsfirmen. Alle Transportunternehmen haben das gleiche Problem: Die Eigenkosten steigen, denn es gibt kaum mehr Retourladungen. Das System dafür, das sich jeder aufgebaut hat, bricht zusammen. Man muss trotzdem für jeden Autobahnkilometer 40 Cent bezahlen.

Worunter haben die Frächter am meisten zu leiden?

Weißenböck: Die fehlende Infrastruktur macht den Mitarbeitern sehr zu schaffen. Es gibt etwa keine Möglichkeit für sie, eine Toilette oder eine Dusche zu benutzen. Die Gasthäuser und Autobahnraststätten haben zu. In den Firmen, die angefahren werden, dürfen sie auch nicht die Toiletten benutzen. Wo sollen sie hingehen? Da muss dringend eine Änderung her!

Was halten Sie von einer „grünen Spur“ für den Warenverkehr?

Weißenböck: Ich verstehe nicht, warum diese noch nicht eingeführt ist. Es gibt eigene Lkw-Spuren an den Grenzen. Auf Autobahnen wäre das auch ganz leicht einzuführen. Jetzt ist einfach wichtig, die Waren laufen zu lassen. Natürlich muss der Gesundheitscheck bei den Lkw-Fahrern sein.

Worauf muss sich die Wirtschaft noch einstellen?

Weißenböck: Es wird massive Anlaufschwierigkeiten nach der Krise geben. Keiner hat Geld, egal ob es einem Unternehmen gut oder schlecht geht. Leistungen werden sicherlich erbracht, nur mit der Bezahlung wird es daher dauern. Das ist ein Problem, mit dem die Wirtschaft kämpfen wird müssen.