„Color The Night“: Auf Spotify bereits Klick-Millionäre. Paris Zinner, einst Chef der Indie-Band Sco, greift mit „Color The Night“ nach den Charts: erste Hits & neue Hoffnungen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 08. Oktober 2020 (05:11)
Mit modernem Sound zurück in die 80er: Die Band „Color The Night“ mit Sänger Paris Zinner aus Wultschau (Dritter von links) und dem Niederschremser Bassisten Lukas Märkl (Zweiter von rechts) schielt mit der neuen Single „Freak“ in Richtung deutscher und österreichischer Indie-Hitparaden.
Teresa Marenzi

Mit der Indierock-Band „Sco“ machten sie 2014 erstmals auf sich aufmerksam, dann drifteten Sänger/Gitarrist Paris Zinner aus Wultschau und Bassist Lukas Märkl aus Niederschrems mit ihrer neuen Band „Color The Night“ ein Stück mehr in Richtung Synthesizer & Disco-Beats – und durchbrachen mit ihrer Single „Take Me Home Boy“ prompt die Schallmauer von einer Million Online-Klicks. Am 9. Oktober wird die neue Single „Freak“ präsentiert, die den Anfang einer neuen EP bilden soll.

„Funkiger Disco-Indie-Ansatz, der Spaß macht.“ Paris Zinner

Das Projekt des Duos gemeinsam mit vier Oberösterreichern habe sich zufällig ergeben, sagt Zinner, der sich nach Auflösung von „Sco“ kurzzeitig auch im Singer-/Songwriter-Pop versucht hatte: Im Zuge eines Auftritts in Steyr hatte sich sein Kontakt zum Gitarristen Michael Buchegger ergeben.

„Die Vorstellungen hatten zunächst überhaupt nicht zusammengepasst, aber dann haben wir einen gemeinsamen, funkigen Disco-Indie-Ansatz gefunden, der Spaß macht“, blickt Zinner zurück. Daraus entwickelte sich bis 2018 eine Band, mit Buchegger als musikalischem Mastermind und dem Waldviertler als Sänger & Texter. Auch Märkl holte er dazu. „Dass wir am richtigen Weg waren, zeigte das überwältigende Feedback bei ersten Live-Auftritten.“

Fans und Radiostationen im Sturm erobert

Noch 2018 wurden zwei Singles veröffentlicht, die auch auf deutschen Radiostationen regelmäßig gespielt wurden und mehr als 500.000 Online-„Streams“ erreichten. 2019 kam über das englische Indie-Label „Absent Mind“ die dritte Single „Take Me Home Boy“, die bei Spotify in die größte deutsche Indie-Playliste aufgenommen wurde und es mittlerweile auf mehr als eine Million Zugriffe brachte.

Mehrere österreichische und deutsche Radiostationen nahmen den Song ins Programm, in den deutschen „Uni Radio Charts“ kletterte er bis auf die achte Position hoch.

Verflixtes Coronajahr – und die musikalische Antwort

 2020 war wie so vieles durch Covid-19 beeinflusst. Für die bei „Hinterhof Records“ erschienene erste EP „Road“ mit gleichnamiger Single-Auskopplung und der zweiten Single „Be My Girl“ mussten die Release-Party und geplante Tour durch Österreich und Deutschland – mit einem Headliner-Auftritt beim Festival Übergänge/ Přechody im Waldviertel – coronabedingt abgesagt werden.

„Vor allem für unsere sehr tanzbare Musik ist der Live-Faktor das Um und Auf, sie lebt einfach von der Live-Atmosphäre“, legt Zinner die Stirn in Falten: „Wir haben versucht, umso stärker durch unsere Musik zu sprechen.“

Das Sextett reagierte mit einem Studio-Liveauftritt, der als Mitschnitt bei Youtube auf 900 Zuseher kam – und legt nun die nächste EP vor: „Freak“ ist die fetzig-vergnügte erste Single daraus, das dazugehörige Video wurde in einem Guss am Wiener Donaukanal aufgenommen und endet mit dem Sprung ins kühle Nass.

Ein Praktikum, das Türen öffnete

Der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser ist das Bandprojekt für keines der sechs Mitglieder. „Alle fünf Kollegen sind Musikstudenten und angehende Profimusiker, die ihren Weg gehen werden“, sagt Paris Zinner, der als Einziger schon einem Brotberuf nachgeht: Er hatte im Zuge eines Praktikums für das Studium im Medienmanagement bei Sony-Music in München schnuppern dürfen. Hier hatte er auch gleich hauptberuflich Fuß fassen können, ehe es ihn in die Abteilung für internationales Marketing bei Sony Deutschland nach Berlin verschlug.

Dort stehen große Musiker aus allen Teilen der Welt unter Vertrag, weil: Deutschland ist nach den USA und Japan der drittgrößte Musikmarkt der Welt, und darin ist Sony-Music – mit etlichen eingegliederten Labels wie Columbia oder Epic – einer der großen Akteure.

Zinner ist für Promotion und Marketing auch für die diversen Labels bei weltweiten Sony-Partnern zuständig. „Ich liebe das Reisen, Kultur und die Musik. Das alles in meinem Beruf verbinden zu können, war immer mein Traum“, sagt er, und betont zugleich: „Ich vermische Job und Privates nicht. Aber natürlich ist mein Know-how für das Bandprojekt nützlich.“

Leben in Berlin, proben in Linz oder Wien

Im Waldviertel ist Paris Zinner heute nur noch sporadisch. Der Lebensmittelpunkt ist seit eineinhalb Jahren Berlin, geprobt wird mit „Color The Night“ in Linz oder Wien, wo der Rest der Gruppe studiert. „Wenn ich hier bin, dann wird im Regelfall drei Tage lang fast durchgehend geprobt. Das funktioniert sehr gut“, freut er sich.

Einfacher wäre es dennoch, wenn die Musik komplett zum Brotberuf werden könnte. – Eine Utopie? „In dreieinhalb Jahren in der Musik-Industrie bin ich Realist geworden, die bisherigen Einnahmen aus dem Streaming wurden direkt reinvestiert. Die Vision lebt trotzdem noch.“