Jetzt wichtig für Firmen: Finanzbedarf genau kennen. WWV rät Firmen, für nach der Krise vorzubauen – und Finanzbedarf mit kostenlosem Tool zu errechnen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 17. März 2020 (17:52)
Symbolbild

Leopold Kaufmann-Grümeyer: Allerhand Arbeit durch Covid-19.
privat

Gebündelt schlug die Wucht der Entwicklungen um Covid-19 der WWV-Group in Gmünd entgegen: In der mit zwei Dutzend Beschäftigten größten eigenständigen Steuer- und Unternehmensberatungs-Kanzlei im Waldviertel laufen die Telefone heiß. Bereits am 16. März, dem Tag des Inkrafttretens der verschärften Maßnahmen gegen das Virus, wurden bis zu 60 Mitarbeiter einzelner Klienten beim Frühwarnsystem des AMS angemeldet.

Rezepte für Gastro & Tourismus

Gerade in dieser Situation blasen die Geschäftsführer Harald Buchhöcker und Leopold Kaufmann-Grümeyer aber zur Offensive. Die derzeit am schlimmsten getroffenen Branchen Tourismus und Gastronomie müssten jetzt bereits massiv auf ein Marketing für die Zeit nach der Krise fokussieren, rät Kaufmann: „Es muss zum Beispiel gelingen, jene, die dann Urlaub machen möchten, im Land zu behalten.“

4 Milliarden Euro als Risikokapital bewerten.

Einen offensiven, unbürokratischen Zugang fordert er auch von der öffentlichen Hand ein – nämlich dann, wenn es um das angekündigte 4-Milliarden-Euro-Paket für Betriebe geht. „Natürlich muss Sorge getragen werden, dass nicht zuvor schon im Sterben gelegene Betriebe gefördert werden“, sagt Kaufmann zur NÖN, aber: „Durch die Situation gefährdete Betriebe müssen liquide bleiben und weitermachen können, ihr Absturz könnte auch andere mitziehen. Daher erwarte ich mir, dass die vier Milliarden Euro als Risikokapital bewertet werden – nicht jeder Betrieb wird zurückzahlen können.“

Wie viel Unterstützung brauchen Betriebe?

Die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit ist die zentrale Hürde der kommenden Wochen. Um den Förderbedarf abschätzen zu können, bietet die WWV-Group auf www.w-wv.at seit 17. März ein kostenloses Kalkulations-Programm an, das Kaufmann speziell für die aktuelle Situation entwickelt hat.

Dieses Arbeitsblatt stellt monatliche Umsätze im Vorjahr den erwartbaren Umsatzrückgängen für die nächsten Monate gegenüber, stellt diese in einen Zusammenhang mit zugekauften Kosten für Waren, Personal, Leasing, Kreditraten, Lieferanten-Verbindlichkeiten, Mieten, Versicherungen oder Werbung (jeweils samt Feldern für Einsparungs- bzw. Stundungs-Optionen). Das Ergebnis wird in Relation zum Kreditrahmen gestellt.

„Hier kann jeder ohne Hinzuziehen eines Steuer- oder Unternehmensberaters errechnen, welche Finanzmittel er für die nächsten Monate zur Überbrückung benötigt – und was Änderungen von Positionen insgesamt bewirken“, betont Kaufmann. Mit diesen Unterlagen könnten auch Unternehmer, die bisher nie einen „Crashtest“ absolviert hatten und den eigenen Liquiditätsbedarf gar nicht kennen, bei Förderstellen konkret die Dimension des Unterstützungs-Bedarfes aufzeigen.

Die WWV-Group sehe sich in der Verantwortung, am Erhalt von Betrieben und Arbeitsplätzen mitzuwirken, sagt Kaufmann – ihm geht es etwa um maßgeschneiderte Lösungen für jeden einzelnen von der Kanzlei abgerechneten Beschäftigen in jedem Bundesland.

Bereits Folgeschäden

Er spricht auch von Folgeschäden, die bereits durch die Coronavirus-Krise ausgelöst wurden: etwa von der um 700.000 Euro angeschafften Maschine eines Klienten, die nicht in Betrieb gehen kann, weil die Monteure aus Italien wohl monatelang nicht kommen können; oder von dem zurückgezogenen Kauf einer fast 700.000 Euro teuren Produktionshalle, weil der Zulieferer aus Italien ohne Aussicht auf Besserung nicht liefern könne. Beides zieht im Umfeld massive Einschränkungen nach sich…