Erstellt am 30. September 2014, 09:15

von Markus Lohninger

Zu viel Gegenwind für die Windkraft. Gespräche im Raum Weitra ausgesetzt. Fragezeichen hinter dem im Gemeinderat abgesegneten Projekt in Amaliendorf.

Dieses Bild von der Wasserburg in Heidenreichstein mit Windkraftanlagen im Hintergrund wird nicht Realität werden. Das Projekt in Heidenreichstein und Amaliendorf-Aalfang erhält eine »Nachdenkpause«.  |  NOEN, ZVG

Im Bezirk hat sich der Wind für die vom Land NÖ als Windzonen festgelegten Bereiche gedreht: Im Raum Weitra/Großdietmanns/Unserfrau-Altweitra werden erste Vorgespräche mit der WEB Windenergie AG über einen Windpark vorerst nicht weiterverfolgt, in Amaliendorf-Aalfang spricht SP- Bürgermeister Karl Prohaska von einer „Nachdenkphase“.

Bei Infoabenden in den betroffenen Orten habe es einige kontroversielle Stimmen gegeben, betont der Großdietmannser Bürgermeister Johann Weissenbök (ÖVP): „Es fehlen für so große Windräder, wie sie hier geplant sind, Vergleichsbeispiele und Erfahrungen, eine Ungewissheit in der Bevölkerung ist daher verständlich.“ Solange die Fragen nicht restlos geklärt sind, werde in der Sache nichts mehr unternommen, ergänzt Weissenbök. Er spricht von einem Konsens aller drei betroffenen Gemeinden, die ihre Einwohner in den nächsten Tagen darüber informieren.

Den Rückzieher Amaliendorfs erklärt Bürgermeister Prohaska durch die verstrichene Zeit seit damals einstimmigen Gemeinderats-Beschlüssen in seiner Gemeinde und Heidenreichstein. „Der Informationsstand ist jetzt ein anderer. Es sind Dinge auf den Tisch gekommen, die man vorher nicht gewusst hatte, und die eine Unsicherheit brachten“, so Prohaska: „Es ist fair und richtig, Meinungen anzuhören.“ Die Nachdenkpause sei weder eine Entscheidung für noch eine gegen den Windpark.

Bürgerbefragung nicht mehr ausgeschlossen

Derzeit werden, so Prohaska weiter, Einsprüche sowie Gegenargumente zur Flächenwidmung von Fachleuten begutachtet und das Thema in der Gemeinde fraktionsübergreifend diskutiert. Er hält eine Bürgerbefragung für eine mögliche Option – aber nicht mehr vor der Gemeinderatswahl, die nach seinem Ausscheiden aus der Politik auf jeden Fall einen neuen Bürgermeister bringen wird.

WEB-Pressesprecher Gerald Simon blickt einer Befragung gelassen entgegen, „ich glaube, dass sie positiv ausgehen würde. Dennoch ist die Situation unerfreulich, verursacht Kosten und Verzögerungen.“ War doch nach einstimmigen Gemeinderats-Beschlüssen 2012 die Planung erfolgt und der Baustart für 2014 erwartet worden, ehe vom Land der Widmungsstopp samt neuer Zonierung kam.

2016 sollen neue Förderbestimmungen kommen. Dadurch wackelt das Thema Windkraft vor allem im Raum Weitra generell. „Es ist fraglich, ob das Projekt unter neuen Bedingungen überhaupt umzusetzen ist“, erklärt Simon: „Der Wind ist hier nicht so stark, die Waldviertler Projekte sind trotz neuer Technologien knapp kalkuliert.“
 

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