Trachtenkapelle Brand: Langwieriger Weg zum Kulturerbe. Trachtenkapelle Brand will mit „Südböhmischer Blasmusik in Brand-Nagelberg“ ins Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 22. Juni 2021 (03:43)
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Trachtenkapelle Brand-Obmann Jürgen Uitz mit einem Porträt von Adolf Zeller, der den musikalischen Austausch zwischen Brand-Nagelberg und Tschechien begonnen hat.
Marc Österreicher, Marc Österreicher

Manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis etwas gelingt. Die Trachtenkapelle Brand hat zur UNESCO-Bewerbung ihren zweiten gestartet: 2019 hat der Verein wie berichtet den ersten Versuch unternommen, um mit der „Südböhmischen Blasmusiktradition“ ins nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen zu werden. Die Bewerbung wurde damals mit Feedback zurückgestellt, die Trachtenkapelle hatte die Möglichkeit zur Überarbeitung – und diese auch genutzt. Für Obmann Jürgen Uitz war das – wie er nun zurückblickt – mit vielen Höhen und Tiefen verbunden.

Warum es beim ersten Mal nicht geklappt hat. Kurzer Rückblick: Die Vorarbeiten zur UNESCO-Bewerbung sind 2017 angelaufen. Beim ersten Anlauf 2019 wurde die Bewerbung nicht ganz abgelehnt, sondern zurückgestellt. „Feedback war, dass sich der Antrag zu sehr auf den Komponisten Ladislav Kubeš fixiert hat und zu wenig darauf, was ‚Südböhmische Blasmusik‘ für die Trachtenkapelle Brand so speziell macht“, erklärt Uitz.

Daraufhin hat er die Bewerbung überarbeitet, wollte sie Anfang vorigen Jahres erneut einreichen. Erstes Feedback war da wenig erfolgsversprechend – dann kam die Covid-Pandemie. Proben- und Veranstaltungsabsagen hatten einen Vorteil: Uitz konnte die Zeit nutzen und begann die Arbeit rund um die UNESCO-Bewerbung von vorne.

Neuer Titel, neue Chancen. Beim neuerlichen Versuch hat er sich auf die Trachtenkapelle Brand konzentriert, deren Gemeinschaft und Tätigkeit rund um „Südböhmische Blasmusik“ detailliert beschrieben. „Damit meinen wir nicht, dass wir besser sind als andere Kapellen. Aber es ist etwas, womit wir uns sehr stark identifizieren“, stellt er klar. Die Gemeinde hat es nun sogar in den Titel geschafft: „Südböhmische Blasmusik in Brand-Nagelberg.“

Vom Komponisten Ladislav Kubeš ist er dafür etwas weggerückt. Weil: „Das ist nur ein Baustein von vielen.“ In der UNESCO-Bewerbung gehe es schließlich um eine konkrete Gemeinschaft – Wie setzt sie die Tradition um? Was macht sie besonders? Wie bewahrt sie das kulturelle Erbe? Dass die „Südböhmische Blasmusik“ in der Trachtenkapelle Brand ein wichtiges Erbe ist, davon ist Jürgen Uitz überzeugt – sei es mit oder ohne UNESCO-Auszeichnung.

Blasmusiktradition aus Brand in 47,7 Gigabyte. Die Einreichung muss umfangreich dokumentiert, der kulturelle Wert profund belegt werden. Zwei Drittel der Unterlagen habe er von der ersten Bewerbung verwendet, der Rest sei neu dazugekommen. „Spannend war, alles noch einmal durchzusehen und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten“, sagt er. Drei Gutachten begleiten die Bewerbung: eines von August Schmidhofer vom Institut für Musikwissenschaft der Uni Wien, eines von Bernhard Gamsjäger (Volksliedwerk) und eines von Volksmusikforscher Ulrich Morgenstern.

Gemeinsam mit vielen engagierten Vereinsmitgliedern und helfenden Händen hat Uitz 5.212 Dateien in 116 digitalen Ordnern zusammengetragen. Das entspricht einem Speicherplatz von 47,7 Gigabyte. „Alle diese Dinge habe ich zumindest einmal gesichtet – manche davon wahrscheinlich bis zu hundert Mal, um einzelne Aspekte herauszuarbeiten“, erzählt er.

Das „Lebenswerk“ fast aufgegeben. Aus heutiger Sicht meint er, die Bewerbung 2019 vorschnell eingereicht zu haben. Hilfreich dürfte das Feedback trotzdem gewesen sein, die erneute Aufarbeitung aber deswegen kein Honiglecken. „Vor Corona habe ich überlegt, das alles stehen zu lassen“, sagt Uitz über persönlich herausfordernde Momente. Dazu kam es nicht – schließlich bezeichnet er die UNESCO-Bewerbung und die damit verbundene Dokumentationsarbeit als sein „Lebenswerk“.

Egal, wie die Bewerbung ausgeht, er sieht darin einen Beitrag, Jugendlichen über die Musik eine Identität zu geben und die Leidenschaft der Musiker der Trachtenkapelle für „Südböhmische Blasmusik“ zu dokumentieren. Wenn der 38-Jährige über seine Beweggründe zur Einreichung spricht, dann ist einer ganz besonders deutlich herauszuhören: die Tradition weiterzugeben. „Wenn wir in das Verzeichnis aufgenommen werden, haben wir eine gewisse Verpflichtung, das Ganze zu hegen und zu pflegen. Das ist natürlich eine Herausforderung.“

Welche Chancen hat die Bewerbung nun? Das einzuschätzen, fällt Uitz nicht leicht: „Ich traue es mir nach all den Gesprächen, Hochs und Tiefs nicht zu sagen. Mein Gefühl ist leicht positiv: Ich wüsste nicht, wo ich noch was finden kann, das ich einarbeiten könnte, und ich wüsste auch nicht, was ich noch schreiben könnte.“ Eine Entscheidung wird für Herbst erwartet – möge der zweite Anlauf gelingen.