30-Meter-Mast: Haager Bürger gehen auf die Barrikaden. ÖBB planen Ausbau des Funknetzes und die Errichtung eines Funkmasts in Nähe zu Kletterturm, Parkbad und Kindergarten. Bürgerinitiative macht nun dagegen mobil.

Von Sabine Hummer. Erstellt am 18. September 2018 (06:14)
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Nein zum Handymast sagen die Initiatoren der Bürgerinitiative, die sich rund um Hans Forstmayr (3.v.r.) formiert hat. Bürgermeister Lukas Michlmayr (r.) will mit den ÖBB das Gespräch suchen.

ÖBB
So könnte auch der Funkmast in Haag aussehen.

Die Wogen gehen derzeit hoch in Haag. „Handymast – nein danke“, sind sich die Mitglieder der neu gegründete Bürgerinitiative „HaagGegenMast“ einig und haben zum Protest aufgerufen. Der Grund: Die ÖBB wollen einen 30 Meter hohen Funkmast errichten – in unmittelbarer Nähe zum Freizeitzentrum mit Kletterturm, Skaterplatz, Tennisplatz und Parkbad sowie Kindergarten und Seniorenzentrum. Das Fundament für die Anlage ist bereits betoniert.

„Ich bin durch Zufall draufgekommen“, sagt Hans Forstmayr, der nur 20 Meter vom geplanten Standort der Funksendeanlage einen Biobauernhof mit Urlaub am Bauernhof betreibt. Er bemerkte geschäftiges Treiben an der Bahnanlage und fragte nach: „Da kommt ein Handymast her, hat man mir erzählt. Ich war natürlich vor den Kopf gestoßen, denn eine Information im Vorfeld gab es nicht. Dabei bin ich direkter Anrainer.“

Auch am Stadtgemeindeamt waren bis dahin keine Informationen eingetroffen, weshalb Bürgermeister Lukas Michlmayr bei den ÖBB Erkundigungen anstellte.

In einem Schreiben teilte die ÖBB daraufhin die Pläne für den groß angelegten Ausbau des Funknetzes mit:

ÖBB baut Mobilfunk auf 1.500 Kilometern aus

1.500 Kilometer Bahnstrecke werden demnach im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie und in Kooperation mit den österreichischen Mobilfunkbetreibern im Rahmen des Programms Mobilfunk mit Sendern ausgestattet. „In ländlichen Regionen und auf Überlandstrecken der Bahn werden die Netze der Betreiber lückenhaft. Der Ausbau garantiert höchste Sicherheit in der Betriebsführung des Eisenbahnwesens und stellt modernste Kommunikation an den Bahnstrecken sicher“, heißt es seitens der ÖBB. Die Umsetzung der Sendestationen erfolge vorrangig auf vorhandener Infrastruktur der ÖBB. „Die Entscheidung über den Standort der Mobilfunksendeanlagen wird nach technischer Notwendigkeit, funktechnischer Ausrichtung, Erschließungsmöglichkeiten und den naturschutzrechtlichen Gegebenheiten getroffen“, betonen die ÖBB.

„Kein strahlendes Wahrzeichen“

Diese Richtlinien sieht die Haager Bürgerinitiative jedoch nicht eingehalten. Neben optischen Gründen wird vor allem eine zusätzliche Strahlenbelastung befürchtet. „Wir wollen kein ‚strahlendes Wahrzeichen‘! Die Befürchtung der Strahlenbelastung gilt meist nicht als Argument und wird nicht ernst genommen. Mobilfunkwellen haben Einfluss auf die menschliche Biologie. Vor allem auf das Blut, das Nervensystem, die Hormone und die Zellteilung. Dies ist bereits wissenschaftlich erwiesen“, haben sich die Initiatoren schlaugemacht. Speziell die Sensibelsten – Kinder, Tiere und Kranke – seien den Strahlen schutzlos ausgeliefert. Außerdem werde bezweifelt, ob der Ausbau des Funknetzes an der Nebenstrecke überhaupt notwendig sei.

Dass die ÖBB den Mast ohne Bauverhandlung aufstellen dürfen, stößt ebenfalls sauer auf. Die Stadtgemeinde als Baubehörde erster Instanz kann hier nicht eingreifen. Das sogenannte Eisenbahnschienengesetz ermöglicht es den Bundesbahnen, auf ihrem eigenen Grund und Boden Masten aufzustellen und zu bedienen. „Als ich mein Hackschnitzellager gebaut habe, musste ich alle Abstände einhalten, die ÖBB darf ganz zur Grundgrenze bauen“, befürchtet Hans Forstmayr aber auch geschäftsschädigende Auswirkungen auf seinen Biobetrieb.

1.100 Unterschriften sind bereits eingelangt

Die Bürgerinitiative hat unterdessen in den letzten beiden Wochen mobil gemacht und eine Unterschriftenliste gegen das Funkmast-Vorhaben der ÖBB gestartet. „Am Sonntag haben wir einmal durchgezählt. Mehr als 1.100 Haager und Haagerinnen haben bereits unterschrieben“, erzählt Forstmayr. Es seien aber noch mehrere Listen im Umlauf.

Die Sorgen der Bürger nimmt auch Bürgermeister Lukas Michlmayr ernst: „Ich versuche in der Kommunikation gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern vermittelnd zwischen ÖBB und der Initiative tätig zu sein“, verspricht der Stadtchef und hat die ÖBB zu einem aufklärenden Gespräch eingeladen.

Dass der Zug in dieser Causa bereits abgefahren sein könnte, wollen die Haager nicht hinnehmen. „Vielleicht gibt es ja einen Alternativstandort, der nicht im Ortszentrum liegt“, hoffen sie.