Quartier A: Masterplan ist fast fertig. Stadt will mit Remise und dem Areal rund um den Bahnhof neue Konzepte für Wohnen, Arbeit und Zusammenleben entwickeln.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 01. Mai 2018 (05:00)
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Präsentierten in der Remise ihre Vorstellungen von der digitalen Zukunft und des Quartiers A beim Bahnhof in Amstetten: Laurentius Palmetzhofer, Reinhard Novak, Klaus Lehner, Michaela Hinterholzer, Ursula Puchebner und Klaus Sterlike.

In der Remise hat am Freitagnachmittag die Zukunft bereits begonnen. Junge IT-Talente aus dem Mostviertel traten beim renommierten Catalysts Coding Contest gegen Konkurrenten an 50 Standorten auf der ganzen Welt an – von New Orleans bis Teheran.

Die insgesamt etwa 3.000 Teilnehmer bekamen eine Aufgabe, die im weitesten Sinne mit der Weltraumforschung zu tun hat. Vier Stunden hatten die Einzelkämpfer oder auch Teams Zeit, eine Lösung zu erarbeiten.

Der Contest mit Standort Amstetten, war übrigens der 28. seiner Art. „Unser Ziel ist es, Jugendliche möglichst früh für die IT zu begeistern und sie von passiven Konsumenten zu aktiven Problemlösern zu machen. Die österreichischen Unternehmen brauchen Fachkräfte-Nachwuchs in diesem Bereich“, sagt Veranstalter Klaus Lehner, Geschäftsführer von Catalysts.

Für die Sieger gibt es Sachpreise, bei herausragenden Leistungen regenet es aber oft auch gleich zahlreiche Jobangebote.

Die Firma Catalysts Coding wurde 2005 in Linz gegründet, inzwischen hat sie bereits 250 Mitarbeiter in zahlreichen Ländern. „Wir erarbeiten individuelle Software-Lösungen für verschiedenste Unternehmen von VW, über das Justizministerium bis hin zur Doka“, berichtet Lehner. Dass der Coding Contest nach Amstetten kam, ist vor allem auch dem Engagement von Laurentius Palmetzhofer zu verdanken, Vorstandsmitglied der Zukunftsakademie (ZAM). „Wir bemühen uns bewusst, mit unseren Aktivitäten und Sommercamps bereits Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Denn sie sind die Fachkräfte der Zukunft!“

Größte Herausforderung der letzten 150 Jahre

Für Palmetshofer ist die Digitalisierung die größte Herausforderung der letzten 150 Jahre. „Das ist ein richtiger Quantensprung und in der ZAM übernehmen die Leitbetriebe der Region da auch eine Vorreiterrolle in Sachen Ausbildung.“

Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer sieht in der Digitalisierung nicht nur Chancen für die großen Betriebe, sondern auch für ganz kleine. „Im Vorjahr wurden 500 Firmen im Bezirk gegründet, darunter viele Ein-Mann-Unternehmen die in der digitalen Szene unterwegs sind.“ Natürlich, so Hinterholzer, werde die Entwicklung auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. „Denn einfachere Tätigkeiten werden wegfallen und von Robotern erledigt werden, es werden aber auch neue Arbeitsfelder entstehen. Wir müssen mit der Ausbildung rechtzeitig darauf reagieren und dazu braucht es auch solche Veranstaltungen wie den Coding-Contest.“

Eine Schnittstelle wo große Unternehmen und kleine innovative Newcomer sich in Amstetten treffen sollen, wird der Future Hub in der Remise sein. Zwischen 1.000 und 1.500 Quadratmeter Fläche werden dafür genutzt werden. „Das Ziel ist, dass sich ein Netzwerk aus innovativen Unternehmen, Kreativen, Gründerinnen und Gründern sowie Bildungseinrichtungen formt, das sich den Zukunftsfragen stellt und Lösungen entwickelt“, sagt Projektleiter Günter Sterlike von den ÖBB.

Remise als Herzstück des Quartier A

Die Remise wird aber auch weiterhin als Veranstaltungsort dienen und soll insgesamt das Herzstück des Quartier A sein, der rund 100.000 Quadratmeter großen Fläche rund um den Bahnhof, das ÖBB und Stadt gemeinsam entwickeln.

Für Bürgermeisterin Ursula Puchebner wird auf diesem Areal die Zukunft vorweggenommen: „Wir wollen neue Wohnformen, modernes Arbeiten, Ausbildungsmöglichkeiten, aber auch intelligente Mobilität auf diesen Flächen vereinen. Amstetten wird ein Leuchtturmprojekt für zukunftsorientierte Stadt- und Regionsentwicklung sein. Das Motto lautet Triple A: Attraktiv, Aktiv, Amstetten!“

Die ÖBB, denen das Areal gehört, gehen mit dem Quartier A neue Wege der Flächenentwicklung. „Anstelle eines klassischen Immobilienmarketings setzen wir auf kreative strategische Lösungen und die Einbindung von Bevölkerung, künftigen Partnern, Bauträgern, Mietern und Bürgern. Am 23. Juni werden wir der Öffentlichkeit unseren Masterplan präsentieren. Für Sterlike ist das Quartier die Antwort auf vielerlei Fragen. „Es wird neue Wohnkonzepte für Studierende, Singles, Familien und Senioren bieten, ein umfassendes Gesundheitsangebot bereitstellen das Prävention Therapie und Betreuung beinhaltet und auch ein intelligentes Mobilitätssystem. „Künftig wird es nicht darum gehen, ein Fahrzeug zu besitzen, sondern es zur Verfügung zu haben, wenn man es braucht.“

Schon ab Mai bieten die ÖBB in Amstetten daher auch einen Rail&Drive-Service an. Sechs Fahrzeuge werden hier stationiert (darunter zwei E-Autos). Infos: www.railanddrive.at.

Viele Menschen haben auch Angst

Zur Sprache kamen an diesem Nachmittag auch die Schattenseiten der Digitalisierung.

Puchebner ist aber nicht nur mit den Chancen der Digitalisierung konfrontiert, sondern auch mit den Ängsten, die diese in den Menschen wachruft. „Es gibt viele, die fürchten mit der Digitalisierung nicht Schritt halten zu können. Arbeitnehmer, aber ebenso kleinere Unternehmer, die wir durch Fort- und Ausbildung unterstützen müssen.“ Catalysts-Chef Lehner mahnt einen sorgsamen Umgang mit Daten ein. „Ich bin in der Branche und sehe daher eher die Chancen, aber es kann auch schnell in die falsche Richtung gehen. Die Verantwortung ist groß.“

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