55 Stufen zum Bahnsteig: Kampf um Barrierefreiheit. Für Bewohner der Lebenshilfe-Wohnhäuser ist der Bahnhof Aschbach unerreichbar. ÖBB signalisierte gegenüber der Gemeinde nun erstmals Bereitschaft, das Thema aufzugreifen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 15. November 2020 (06:13)
Mario Thunshirn kämpft unermüdlich für einen barrierefreien Zugang zum Bahnhof.
privat/Archiv

Mario Thunshirn, Bewohner eines Lebenshilfe-Wohnhauses in Aschbach, wandte sich mit einem altbekannten Problem an die NÖN. „Es gibt in Aschbach zwar einen Bahnhof, aber der ist leider nicht rollstuhlgerecht“, klagt er.

Gerade für die Klienten der Lebenshilfe, aber auch für Menschen im Betreuten Wohnen, sei es wichtig, öffentliche Verkehrsmittel in ihrer Nähe barrierefrei nutzen zu können.

„Zuerst muss man hinunter und dann wieder hinauf“

„Ich versuche da ja schon seit einigen Jahren, etwas zu erreichen. Es kann doch nicht sein, dass ÖBB, Land und Gemeinde nicht gemeinsam etwas zustande bringen, aber sie schieben die Verantwortung dafür zwischen sich hin und her. Der Bahnhof muss dringend so umgebaut werden, dass ihn Menschen mit besonderen Bedürfnissen auch nutzen können“, fordert Thunshirn.

Derzeit müsse man insgesamt 55 Stufen überwinden, um den Bahnsteig zu erreichen. „Zuerst muss man hinunter und dann wieder hinauf. Es braucht also einen Lift. Allein bei der Lebenshilfe gibt es etwa 70 Personen mit besonderen Bedürfnissen, die den Zug derzeit nicht nutzen können“, berichtet Thurnshirn.

Er selbst strandete im Jahr 2017 sogar am Bahnhof. Damals war er mit dem Zug gekommen, um sich das Lebenshilfe-Wohnhaus anzusehen – doch er musste unverrichteter Dinge wieder abreisen, weil er mit seinem Rollstuhl den Bahnhof nicht verlassen konnte.

Gemeinde lässt Bedarf in Aschbach erheben

Bürgermeister Martin Schlögl- hofer hat für das Anliegen Thunshirns durchaus offene Ohren, wobei die Zuständigkeit aus seiner Sicht aber klar bei der ÖBB liegt. Und von dort kommen, nachdem die Bahn jahrelang immer darauf hingewiesen hat, dass die barrierefreien Bahnhöfe in Amstetten und St. Peter ausreichend seien, nun erste Signale eines Einlenkens.

Bürgermeister Martin Schlöglhofer hofft nach den jüngsten Gesprächen mit den ÖBB, dass deren Gremien grünes Licht für eine barrierefreie Gestaltung des Aschbacher Bahnhofs geben.
Hudler

„Wir haben vor zwei Wochen erneut ein Gespräch mit ÖBB-Vertretern geführt und es scheint, als würde nun doch Bewegung in die Sache kommen“, berichtet Schlöglhofer.

Die ÖBB-Leute hätten sich bei einem Lokalaugenschein ein Bild von der Situation gemacht und ihm dann in einem nachfolgenden Treffen versprochen, das Anliegen, den Bahnhof barrierefrei zu gestalten, in den zuständigen ÖBB-Gremien einzubringen, berichtet der Bürgermeister.

Um ihr Anliegen zu untermauern, führt die Gemeinde eine Erhebung durch, wie viele Menschen dringend einen barrierefreien Zugang zum Bahnhof benötigen würden. „Dazu gehören natürlich die Bewohner der Lebenshilfe, aber auch ältere Menschen und Familien, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind. Ich hoffe sehr, dass der Bahnhof barrierefrei wird“, sagt der Bürgermeister.