Jungbauern wollen Betriebe nachhaltiger machen

Erstellt am 28. Juli 2022 | 04:05
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8422652_hsv30bez_ortner.jpg
Florian Ortner betreibt mit seinen Eltern einen Schweinemastbetrieb in Strengberg. Der Stall mit eingestreuter Liegefläche verfügt auch über Auslauf.
Foto: Foto privat
Drei Jungbauern aus dem Bezirk Amstetten erzählen, wie sie ihre landwirtschaftlichen Betriebe nachhaltiger machen wollen.
Werbung
Anzeige

Die jüngsten Zahlen der Agrarstrukturerhebung belegen, dass von 2010 bis 2020 etwa elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich aufgegeben haben.

440_0008_8422653_hsv30bez_stoeckler_.jpg
Martin Stöckler aus Haag setzt auf die Putenmast.
Foto: privat

Gleichzeitig steigen die Produktionskosten, wodurch die landwirtschaftlichen Betriebe nun die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und die wirtschaftliche Souveränität miteinander in Einklang bringen müssen. In Zeiten wie diesen, in denen die Energiewende eine große Rolle spielt, stellen sich drei beispielhafte Betriebe aus dem Mostviertel vor, die ihre landwirtschaftlichen Betriebe künftig nachhaltiger machen wollen.

Florian Ortner (23) aus Strengberg führt gemeinsam mit seinen Eltern einen Schweinemastbetrieb mit 400 Schweinen. „Gemeinsam mit der Fleischerei Höllerschmid vertreiben wir die Marke „Ötscherblick-Schwein. Das Fleisch wird vor allem in der Gastronomie vertrieben“, erklärt er. Martin Stöckler (25) führt ebenso gemeinsam mit seinen Eltern einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Haag.

„Wir sind stolz auf unsere EU-weit einzigartigen hohen Standards in der Putenmast. Dennoch ist es mir wichtig, den Fokus noch mehr auf die Kommunikation mit unseren Kunden zu setzen. Das Vertrauen zu seinem Produzenten und dessen Produkt sind Garant für eine gute Kundenbeziehung, was uns als Mäster wie auch als Direktvermarkter wichtig ist“, betont der Jungbauer. Die Tiere werden auf Stroh gehalten und haben Zugang zu einem Wintergarten, also einem sonnen- und windgeschützten Auslauf. Der dritte im Bunde ist Michael Pfaffenbichler (26) aus St. Michael am Bruckbach. In seinem Familienbetrieb hält er 40 Milchkühe, die frei zwischen Laufstall, Auslauf und Weide wählen können. „Seit etwa vier Jahren verarbeiten wir einen Teil der Milch zu Käse und vermarkten ihn am Bauernmarkt und in Selbstbedienungsläden.“

Photovoltaik und Holz aus den eigenen Wäldern

Eine Gemeinsamkeit der drei Jungbauern ist das Thema Nachhaltigkeit. Alle drei denken zukunftsorientiert. Daher finden sich auf den Dächern von allen drei Betrieben Photovoltaikanlagen. Ebenso betreiben alle drei Familienbetriebe Hackschnitzelheizungen, die sie teilweise mit Holz aus den eigenen Wäldern versorgen können. Florian Ortner, Martin Stöckler und Michael Pfaffenbichler sind sich aber auch einig, dass nachhaltiges Denken noch weitergeht und ständige Verbesserungen und neue Ideen dabei eine wichtige Rolle spielen. Daher berichtet Michael Pfaffenbichler von seinen Verbesserungsideen für seinen Betrieb: „Wir brauchen noch einen Stromspeicher für die Photovoltaikanlage und die Anlage gehört auch noch ausgebaut, um die Spitzen in der Früh und am Abend beim Melken gänzlich selbst abzudecken.“

440_0008_8422655_hsv30bez_pfaffenbichler_.jpg
40 Milchkühe haben am Hof von Michael Pfaffenbichler in St. Michael am Bruckbach viel Auslauf auf der Weide.
Foto: privat

Auch Martin Stöckler hat einige Visionen für die Zukunft: „Neben der Abdeckung des benötigten Stroms wollen wir unsere Heizungsanlage so gestalten, dass wir noch mehr Bereiche des Betriebes mit Holz aus den eigenen Wäldern wärmen können.“ Florian Ortner sieht Möglichkeiten zur Verbesserung noch im eigenen Sojaanbau. „Wir würden gerne selbst mehr Soja anbauen, wodurch auch eine Reduktion des Düngemittels einhergehen könnte“, berichtet der Strengberger.

Die drei Jungbauern sind sich jedenfalls einig, dass die Krise gezeigt habe, wie wichtig die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln ist. „Daher sollten Lebensmittel generell mehr wertgeschätzt werden. Dadurch, dass heimische Produkte gekauft werden, können österreichische Landwirtschaftsbetriebe überleben, der Konsument erhält Produkte von hoher Qualität und ebenso werden durch die heimische Produktion lange Transportwege eingespart“, appellieren sie an die Bevölkerung, auf heimische Produkte zu setzen.

Werbung