Haager HLW-Direktor: „Verlieren die sozial Schwächeren“. HLW-Direktor Reinhold Meyer über die Einschnitte durch die Coronakrise und die Nachteile eines „Schichtbetriebes“.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:21)
Der Haager HLW-Direktor Reinhold Meyer
privat

In der HLW Haag musste man wie an vielen anderen Bildungseinrichtungen zu Beginn der Pandemie schnell das System des Homeschoolings hochfahren.

„Homeschooling bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Vorteile sind etwa besonders das konzentrierte Arbeiten der Schüler, es wird sehr übersichtlich und strukturiert gearbeitet, es gibt eine Zeitersparnis beim Schulweg und es gibt die schnelle Möglichkeit der Abhaltung von Konferenzen“, berichtet Direktor Reinhold Meyer.

„Es fehlt der Wert der gemeinsamen Begegnung, die viel positive Energie erzeugt“

Ein Nachteil sei auf der Gegenseite, dass die persönliche Begegnung zwischen Schülern und Lehrern nicht ersetzbar sei. Darunter würden insbesondere Gegenstände leiden, bei denen die emotionalen Reaktionen eine große Rolle spielen. Wie etwa Sport und Bewegung, Bildernische Erziehung oder die Musikerziehung. „Es fehlt der Wert der gemeinsamen Begegnung, die viel positive Energie erzeugt“, ist Meyer sicher.

Ein weiterer Aspekt, der von vielen Schüler beklagt wird, sind die Absagen von Sportwochen oder von Sprachwochen, vom Schulball oder allen Kultur- und Sportveranstaltungen. Wie Meyer berichtet, wünschen sich viele eine möglichst rasche Annäherung hin zur Normalität.

„Was uns besonders auffällt, ist das Abbröckeln der sozial Schwächeren, die verlieren wir“, sagt der Schulleiter. Die Lehrer seien immer noch hoch motiviert, obwohl bei vielen jetzt schön langsam „die Luft ausgeht“. „Auch bei den Schülern tritt Erschöpfung ein, sie wünschen sich möglichst bald persönliche Begegnungen, möchten wieder etwas gemeinsam unternehmen, möchten emotional reagieren“, unterstreicht der Schulleiter.

Wunsch: Verstärkung der Schulautonomie

Einen großen Aufschwung hat es auch an der HLW Haag im Bereich der Digitalisierung gegeben. Direktor Reinhold Meyer sieht die Coronakrise hier als gravierenden Einschnitt. „Am Ende dieser Pandemie werden wir uns alle fragen müssen, was durch diese Krise an Licht gekommen ist und was wir ändern müssen.

So gebe es prekäre soziale Verhältnisse. Wertschätzung und Unterstützung seien dringend notwendig, wenn wir das ‚Schulleben‘ in seiner Vielfalt weiterhin bewerkstelligen wollen.“

Besonders traurig findet er, dass heuer keine Schnuppertage durchgeführt werden dürfen, es dürfen auch keine potenziellen Interessenten durch die Schule geführt werden, obwohl alle derzeitigen Auflagen erfüllt werden können. „ Es gibt viele Interessenten, die die Schule von ‚innen‘ kennenlernen wollen, sie wollen sich die Schule mit all ihren Einrichtungen anschauen“, ist Reinhold Meyer überzeugt.

Für die Zukunft wünscht er sich eine Verstärkung der Schulautonomie. Der vor Kurzem ja noch angedachte Schichtbetrieb sei übrigens als besonders schlimm empfunden worden. „Neben einer aufwendigen Administration ist es in manchen Gegenständen gar nicht möglich, weil übergreifend gearbeitet wird und hier ein Riss durch die Klasse geht. Es ist klar, vor einer solchen Vorgangsweise zu warnen.“

Besonders aufmerksam solle man auch darauf sein, dass nicht mehr wegbricht, als man wiederaufbauen kann. „Jede Schule lebt in vielerlei Hinsicht von ihrem Leitbild. Dieses ist nicht nur ein wichtiger Standortfaktor, sondern es ist auch vor allem eines: Es ist Ausdruck einer Schulgemeinschaft“, schließt Meyer. Um auf die neueren Herausforderungen zu reagieren, hat man für Herbst 2021 mit ‚Kommunikations- und Mediendesign‘ übrigens ein neues Schulangebot geschaffen.

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