„Natur pur“ in Weistrachs Gärten. Viele Private erhielten 2019 Plaketten von „Natur im Garten“. Michaela Litschl hat sie schon seit 15 Jahren..

Von Hermann Knapp. Erstellt am 15. Mai 2020 (04:39)
Ökologie ist in vielen Weistracher Gärten aber auch auf den Grünanlagen der Gemeinde Trumpf. Michaela Litschl und Bürgermeister Erwin Pittersberger schwören auf „Natur pur“!
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Wer Menschen mit dem sprichwörtlich „grünen Daumen“ sucht, wird in Weistrach rasch fündig. Im Vorjahr wurden in der Gemeinde, gemessen an der Einwohnerzahl, niederösterreichweit die meisten „Natur im Garten“-Plaketten für Privatgärten vergeben.

Michaela Litschl und ihr Vogel: Ein Hausrotschwanz-Weibchen.
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Eine, die diese Auszeichnung schon seit 15 Jahren ihr eigen nennt, ist Michaela Litschl. Ihr Garten ist sozusagen ein ökologisches Schatzkisterl. „Es gibt praktisch keinen der 365 Tage im Jahr, an dem bei mir nichts blüht“, sagt die Weistracherin und nennt als Beispiel die Winterheckenkirsche, die schon im Jänner kleine, aber dafür viele Blüten trägt.

Litschl, die sich selbst als „verhinderte Floristin“ bezeichnet, steckt viel Zeit und vor allem Herzblut in die Gartengestaltung – aber auch Geld. „Ein paar hundert Euro sind es bestimmt jedes Jahr, manchmal auch ein paar Tausend“, sagt sie.

Fast täglich gibt es in der grünen Oase rund ums Einfamilienhaus etwas zu tun. Die unzähligen Blumen, Sträucher und Bäume wollen gehegt und gepflegt sein.

Der Einsatz chemischer Mittel kommt für Litschl natürlich überhaupt nicht in Frage. In ihrem Garten ist alles „Natur pur“. Die Weistracherin experimentiert auch gerne und beweist zum Beispiel großes Geschick beim Veredeln. Ihr Apfelbaum trägt inzwischen rekordverdächtige 25 verschiedene Sorten, der Birnbaum daneben immerhin acht.

Es summt und brummt im Garten

Ob der vielen Blüten ist es kein Wunder, dass Litschls Garten auch ein Refugium für Bienen und andere kleine Brummer ist. Aber auch Vögel fühlen sich dort wohl und gaben beim NÖN-Lokalaugenschein prompt ein Zwitscher-Konzert. Litschl hat auch eine ganz besondere gefiederte Freundin. Ein Hausrotschwanz-Weibchen nistete im Vorjahr bei ihrem Haus. Heuer hat es sich zwar bei einem Nachbarn einquartiert, aber es kommt täglich vorbei, um sich aus einem Kübel Futter zu holen.

Ehrensache ist für Litschl, dass sie sich nicht nur um den eigenen Garten kümmert, sondern auch um die öffentlichen Rabattl vor ihrem Haus. Und sie denkt auch noch darüber hinaus. „Wichtig wäre, dass die Straßenränder nicht zu Tode gepflegt werden. Durch das Mulchmähen wird da jedes Insekt vernichtet und der Häckselmulch, der liegen bleibt, tötet die Pflanzenvielfalt ab.“

Diesen Wunsch deponierte sie auch gleich bei Bürgermeister Erwin Pittersberger, bei dem sie mit derartigen Vorschlägen aber ohnehin offene Türen einrennt. Die Gemeinde ist ja im Vorjahr selbst der Aktion „Natur im Garten“ beigetreten. „Die Kriterien zu erfüllen, war für uns nicht schwierig, weil wir seit jeher auf Pestizide verzichten“, sagt der Ortschef. Er freut sich natürlich, dass es so viele begeisterte Hobbygärtner in seiner Gemeinde gibt. Und auch beim Land nimmt man das wohlwollend zur Kenntnis. „Denn die Naturgärtner leisten einen sehr wichtigen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt in NÖ“, sagt Landesrat Martin Eichtinger.