Arbeitertourismus: Lösung ist akzeptabel. Durch hohe Nächtigungszahlen werden Betriebe zur Kasse gebeten. Neue Tourismusförderung soll Nachteil ausgleichen.

Von Sabine Hummer. Erstellt am 27. Oktober 2014 (12:38)
NOEN, Hummer
Bürgermeister Karl Josef Stegh, Wirtschaftsbundobmann Martin Mayer und Wirtschaftstreibender Günter Seyrlehner sind froh, mit der neuen Tourismusförderung eine ausgleichende Lösung für die Behamberger Betriebe gefunden zu haben.
Die Nächtigungszahlen in der Gemeinde können sich sehen lassen. „Behamberg sticht im Vergleich mit den Nachbargemeinden heraus“, informiert Bürgermeister Karl Josef Stegh. Doch der Schein trügt, denn was auf den ersten Blick positiv erscheint, hat einen bitteren Beigeschmack – vor allem für die Wirtschaftstreibenden der Gemeinde.

„Es gab Drohungen, in andere Gemeinden abzusiedeln“

Laut einer Umfrage des Wirtschaftsbundes werden 95 Prozent aller Nächtigungen von sogenannten Arbeiter-Touristen getätigt. Diese übernachten zwar in Behamberg, ihr Geld lassen sie allerdings anderswo, zum Beispiel in Steyr, wo sie in den meisten Fällen ihren Arbeitsplatz haben.

Durch die hohen Nächtigungszahlen wurde die Gemeinde vor einigen Jahren vom Land Niederösterreich in die Tourismusklasse 2 eingestuft. Das hatte zur Folge, dass alle Betriebe mit Firmensitz in Behamberg zur Kasse gebeten wurden. Je nach Umsatz haben sie einen Interessentenbeitrag zu leisten, und das, obwohl sie keinen Nutzen aus der vermeintlichen Tourismushochburg ziehen können.

„Viele Wirtschaftstreibende äußerten dazu ihren Unmut, vielfach wurde der Interessentenbeitrag boykottiert. Es gab sogar Drohungen, in andere Gemeinden abzusiedeln“, beschreibt der Ortschef die missliche Lage.

Gemeinderat beschloss Förderung einstimmig

Bereits im Mai 2012 stellte Wirtschaftsbundobmann Martin Mayer den Antrag, wieder in die Tourismusklasse 3 umzusteigen. „Das wurde vom Land aber abgewiesen, da man nicht zwischen Tourismus und Arbeitertourismus unterscheiden kann“, erzählt Mayer.

Nach Gesprächen mit Landesrätin Petra Bohouslav wurde nun eine akzeptable Lösung für alle Beteiligten gefunden.

„Die Gemeinde Behamberg wird laut einstimmigen Beschluss im Gemeinderat künftig eine Tourismusförderung an die Betriebe ausschütten. Diese richtet sich nach dem Betrag, den die jeweilige Firma als Interessentenbeitrag einbezahlt hat. So werden zirka 90 Prozent der Zahlungen an die Betriebe rückerstattet“, erklärt Bürgermeister Stegh und betont: „Wir haben versucht, einen Schritt zu setzen, der den Nachteil durch die Tourismusstufe 2 ausgleicht, damit unsere Wirtschaftstreibenden keinen Schaden haben.“

Etwa 20.000 Euro wird die Gemeinde Behamberg heuer als Förderung an die Betriebe auszahlen.