Bauern besorgt: Engerlinge sind eine Plage. Schon jetzt treten die Schädlinge gehäuft auf. Ihre Bekämpfung ist nach wie vor schwierig.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 16. April 2019 (04:30)
Hudler

Die Engerlinge von Maikäfer und Junikäfer drohen auch heuer für die Landwirte eine echte Plage zu werden. „Die ersten haben wir schon vor einem Monat entdeckt und jetzt findet man sie schon zuhauf auf den Wiesen“, sagt der Neuhofner Ortsbauernbundobmann, Biobauer Franz Reikersdorfer. Schon im Vorjahr hatte Landwirt Karl Gschöpf in Fachwinkl mit den Schädlingen zu kämpfen, die die Wurzeln des Grases fressen und dadurch Wiesen in braune Steppen verwandeln. „Damals haben wir aber gedacht, dass nur die Hitze dem Gras so zusetzt, jetzt wissen wir es besser. Die Engerlinge stellen für einzelne Betriebe eine existenzielle Bedrohung dar“, sagt Reikersdorfer.

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Vor allem in Hanglagen könne man den Schädlingen kaum beikommen, weil da die mechanische Bodenbearbeitung schwierig sei. Durch Pflügen würde sich bei Starkregenereignissen natürlich die Gefahr von Murenabgängen erhöhen.

Grund für die starke Vermehrung der Engerlinge (bis zu 200 auf einem Quadratmeter Wiese) ist nicht zuletzt die Dürre im Vorjahr. Ganze Futterschnitte sind ausgefallen und die offenen Böden erleichterten den Käfern, ihre Eier abzulegen. „Ich gehe 20 Stunden arbeiten. Die Kosten, die mir 2018 durch die Dürre entstanden sind, konnte ich damit aber nicht abdecken. Und heuer könnte durch die Engerlinge alles noch viel schlimmer werden“, fürchtet Reikersdorfer.

Ein kleiner Trost: Gegen Dürreschäden wird den Landwirten nun immerhin eine Versicherung angeboten, die der Neuhofner natürlich auch abgeschlossen hat. „Für die Schäden, die die Engerlinge anrichten, gibt es aber derzeit noch nichts. Gerade diese sind aber enorm, weil ja die ganze Grasnarbe komplett aufgefressen wird“, klagt Reikersdorfer.

Hilfe durch die öffentliche Hand

Da immer mehr klimaextreme Fressschädlinge auftreten, die die Landwirte vor große Herausforderungen stellen, werden, so der Ortsbauernbundobmann, die Landwirte auch öffentliche Gelder benötigen, um bestehen zu können. Man müsse dabei neben den qualitativ hochwertigen Produkten, die sie erzeugen, auch an die vielen Arbeitsplätze denken, die die Landwirtschaft sichere.

Natürlich wird intensiv nach Methoden gesucht, um die Engerlinge zu bekämpfen. Die Bauernkammer empfiehlt den Landwirten, den Boden mit einem Kreiselgrubber oder einer Kreiselegge zwei Mal im Abstand von wenigen Tagen zu bearbeiten und damit die Engerlinge an die Oberfläche zu holen. Hitze und vor allem UV-Strahlung vertragen sie nämlich gar nicht und gehen ein.

Ein Mittel, auf das in Bauernkreisen auch starke Hoffnungen gesetzt werden, ist die sogenannte Pilzgerste. „Der Pilz wird auf nicht mehr keimfähige Körner aufgesetzt und diese in die Erde eingebracht. Kommen Engerlinge damit in Berührung, sterben sie innerhalb weniger Tage. Pro Hektar kostet das den Landwirt bei zweimaliger Ausbringung rund 1.000 Euro, soll dafür aber vier bis fünf Jahre wirksam sein. „In Waidhofen läuft derzeit auf einer Fläche auch ein Test. Das Land unterstützt diesen mit 50.000 Euro. Nächstes Jahr soll in Ertl ein weiterer Versuch gestartet werden. Dort hat der Engerling schon im Vorjahr enormen Schaden angerichtet“, berichtet Bezirksbauernkammerobmann Josef Aigner.

Bevor man die Pilzgerste einsetzt, muss man allerdings wissen, welche Art von Engerlingen im Boden wütet. Denn zu ihrer Bekämpfung braucht es unterschiedliche Präparate. Im Bereich Waidhofen tritt eher der Maikäfer auf, im Raum Ertl eher der Junikäfer.

Neues Präparat bringt Hoffnung für Bauern

Erst heuer ist ein neues Präparat auf den Markt gekommen. Es hat eine ähnliche Wirkung wie die Pilzgerste, soll aber gleichermaßen gegen beide Arten von Engerlingen wirksam sein: Artis Pro. Es wird flüssig in den Boden eingebracht. Seine Langzeitwirkung ist natürlich noch nicht erforscht. Das Mittel ist mit 180 bis 200 Euro pro Hektar (zuzüglich Bodenbearbeitung) vergleichsweise günstig. Es kann auch von Biobauern angewendet werden.

Weder Pilzgerste noch Artis Pro sind allerdings eine Alternative zur mechanischen Schädlingsbekämpfung, sondern nur eine Ergänzung.