Hunde-Experten: „Respekt statt Gesetze“. Hunde-Experten appellieren an mehr Eigenverantwortung und gegenseitigen Respekt. Die Kontrolle und das Durchsetzen etwaiger neuer Regelungen sei zudem offen.

Von Peter Führer. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:35)
Evelyn Derflinger vom ÖGV Mostviertel Amstetten sieht die zunehmende „Vermenschlichung“ der Hunde kritisch.
Steffi Loidl

Die von Gottfried Waldhäusel angedachten Veränderungen bei den Regelungen für die Hundehaltung sorgen bei Hundehaltern und Tierexperten für Gesprächsstoff. Generell appelliert man an mehr gegenseitigen Respekt zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern.

Dem Sachkundenachweis kann Evelyn Derflinger – Obfrau der Hundeschule ÖGV Mostviertel Amstetten – jedenfalls etwas abgewinnen. „Leider scheint es heutzutage notwendig zu sein, den Leuten eine gewisse Sachkunde zum Halten eines Hundes beizubringen. Mir kommt vor, dass die Leute das natürliche Gespür im Umgang mit dem Hund immer mehr verlieren“, betont sie. Der Hund werde oft nicht mehr als Tier angesehen, sondern häufig als Kinder- oder Partnerersatz und viel zu stark vermenschlicht. Sie sei zudem von Anfang an der Meinung gewesen, dass die Liste der Listenhunde mehr als willkürlich wirkt.

Lydia, Viola und Andrea Stadlbauer mit den beiden Australian Shepherds Lexie (links) und Samu.
Peter Führer

„Wenn man sich wirklich mit Hunden auskennt, dann weiß man, dass jeder Hund gefährlich werden kann und auch ein kleiner Schoßhund einem kleinen Kind eine schwere Verletzung zufügen kann“, erläutert Derflinger. Ein Beratungsgespräch vor der Anschaffung findet sie empfehlenswert, es stelle sich jedoch die Frage nach der Durchsetzung all dieser neuen Regelungen. Außerdem gebe es in jeder Gemeinde genügend Hunde, die nicht gemeldet sind. Für diese müsste man keine Sachkunde erbringen. „Ich hoffe nach wie vor, dass die Leute irgendwann den Hund wieder als das erkennen, was er ist. Ein Tier, das zu unterschiedlichen Gebrauchszwecken gezüchtet wurde, die man berücksichtigen und nicht außer Acht lassen sollte“, meint Derflinger weiters.

Skeptische Stimmen gibt es von der Familie Stadlbauer aus Euratsfeld. Dort hat Viola Stadlbauer mit weiteren Familienmitgliedern, darunter Mutter und Amstettens Gebietsbäuerin Andrea und Schwester Lydia Stadlbauer, 2018 eine erfolgreiche Hobby-Hundezucht von Australian Shepherds gestartet. Diese läuft unter dem Namen „Aussie vom Klinkerhof“. Die jungen Tiere, die sich als Familien- oder Sporthunde eignen, erfreuen sich in ganz Österreich großer Beliebtheit. Bei Familien, aber auch bei Menschen, die in der Pension ausreichend Zeit für einen Hund haben.

„Aufklärung über den richtigen Umgang“

Zur Frage nach den Vorschlägen von Gottfried Waldhäusel betonen die Euratsfelderinnen: „Alle Gesetze helfen nichts, wenn es an gegenseitigem Respekt fehlt. Wichtig ist auch, zum Beispiel Kinder über den richtigen Umgang mit Hunden aufzuklären“, erklärt Andrea Stadlbauer. So solle man nicht einfach einen Hund streicheln, sondern davor den Hundehalter fragen. Dadurch können viele Vorfälle verhindert werden.

Bezüglich Beratungsgespräch betont Viola Stadlbauer, dass man ein solches als Züchter ohnehin mit den Interessenten führe. „Wir sehen uns die Interessierten sehr genau an. Bei uns bekommt nicht jeder einen Hund. Man kann schon sehr gut einschätzen, für wen eine Anschaffung Sinn macht“, weiß sie. Immerhin gehe man als Hundehalter eine bis zu 15-jährige Verpflichtung ein. Das sei einigen nicht bewusst.

Den Maulkorb sieht die Euratsfelder Familie vor allem für jene Tiere, die einen solchen nicht gewöhnt sind, kritisch. In einer U-Bahn oder einer Gondel, in der viele Menschen sind, mache er jedoch Sinn. Ähnlich wie Evelyn Derflinger ist auch für Viola und Co. die Frage der Kontrolle der Einhaltung der neuen Regeln noch offen.

Für Christine Hausleitner vom Tierschutzverein Region Amstetten ist klar, dass – wenn es Probleme gibt – die Schuld dafür nicht beim Hund, sondern beim Hundebesitzer zu suchen ist. Sie erklärt, dass einige „Schwarze Schafe“ ihre Listenhunde, die unter anderem wegen der höheren Hundesteuer oder der höheren Anforderungen öfter als Nichtlistenhunde ausgesetzt werden, als Prestigeobjekt sehen würden. „Dabei kann ich mit der Einteilung in Listenhunde und Nichtlistenhunde nichts anfangen. Auch ein Pitbull ist eigentlich ein Familienhund, auf der anderen Seite kann auch ein kleiner Hund bei schlechter Erziehung zubeißen“, sagt Hausleitner. Zu 90 Prozent liege die Schuld beim Menschen.

Von immer mehr neuen Verboten, Gesetzen und Erlässen hält sie dennoch wenig. Vielmehr appelliert die Tierfreundin an die Eigenverantwortung der Menschen im Umgang mit den Tieren: „Es wäre außerdem höchst an der Zeit, dass der Gesetzgeber die Tiere nicht mehr als Sache, sondern als Lebewesen sieht. Darüber sollte man sich endlich einmal Gedanken machen“, sagt sie.

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