Josef Leeb: Visionär und Pionier der Blasmusikszene

Erstellt am 05. Januar 2022 | 04:37
Lesezeit: 3 Min
Josef Leeb gründete vor 70 Jahren den NÖ Blasmusikverband und war auch Präsident des Österreichischen Blasmusikverbandes.
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Für St. Pantaleon-Erla, St. Valentin und Stadt Haag ist das Jahr 2022 ein Jubiläumsjahr auf dem Gebiet der Blasmusik. Zum Einen wiederholt sich der Geburtstag des Visionärs, Musikers und Kapellmeisters Josef Leeb zum hundertsten Mal und zum anderen feiert der Blasmusikverband Niederösterreich, dessen Gründer Josef Leeb war, sein 70-jähriges Bestandsjubiläum.

Soweit jetzt schon bekannt ist, veranstaltet der Musikverein St. Valentin aus diesem Anlass einen Tag nach dem offiziellen Gründungsdatum des Blasmusikverbandes, am 21. August 2022, von 10 bis 18 Uhr eine Festmesse in der Stadtpfarrkirche St. Valentin sowie einen Festakt und einen Frühschoppen.

Josef Leeb wurde als Sohn einer musikalischen Bauernfamilie in Erla geboren. Schon als 14-jähriger Klarinettist war er ein wertvolles Mitglied der Ortskapelle St. Pantaleon-Erla. Der Zweite Weltkrieg unterbrach aber seine beginnende Karriere als Musiker.

Vom Gemeindesekretär zum Verbandspräsidenten

1942 wurde Josef Leeb zur Geisel des deutsch-sowjetischen Krieges und vor Leningrad schwer verletzt. Er kehrte mit einer Beinprothese in die Heimat zurück. 1946 erhielt Leeb die Stelle des Gemeindesekretärs in St. Pantaleon. Gleichzeitig wurde er zum musikalischen Leiter der Ortskapelle bestellt. Als Bewohner einer Grenzgemeinde konnte Leeb die durch Kapellmeister- und Bläserschulungen erfolgte Aufwärtsentwicklung der Blasmusik in Oberösterreich aus nächster Nähe mitverfolgen. Hier war bereits 1948 ein Blasmusikverband gegründet worden. Es gelang ihm 1952, eine Förderung von 3.000 Schilling für einen Kapellmeisterkurs aufzutreiben. Ein Referat des Obmanns des OÖ Blasmusikverbandes erweckte hier bei den Teilnehmern den Wunsch, auch in Niederösterreich einen solchen Verband zu gründen. Am 20. August erfolgte im Gasthof Beno Kaltenböck in St. Valentin der Gründungsbeschluss und die Wahl des Proponenten-Komitees.

Die Werbung für den Blasmusikverband lief auf privater Basis auf Hochtouren. Josef Leeb legte gemeinsam mit Landeskapellmeister Herbert König bis zum Jahr 1954 mit dem Motorroller insgesamt 60.000 Straßenkilometer quer durch Niederösterreich zurück. Entschädigungen für die Funktionäre wie etwa Fahrtkostenzuschüsse wurden damals keine bezahlt. Im Gegenteil: Leeb investierte bedeutende private Mittel. Sonst wäre die Verbandsarbeit in diesem Umfang nicht möglich gewesen.

In dieser Zeit dürften beim damaligen Bürgermeister seiner Heimatgemeinde bereits die Alarmglocken geläutet haben. Es kam zu einer Aussprache, bei der der Ortschef unmissverständlich erklärte, dass er einen Gemeindesekretär brauche und keinen Musiker. Daher verlegte Leeb auf Initiative des Haager Bürgermeisters Ernst Huber seinen Schwerpunkt nach Haag. Von da an zeichnete er für die Geschicke der Blasmusik in Haag verantwortlich, leitete von 1966 bis 1981 die Musikschule und gründete 1967 das Haager Jugendblasorchester, das später erfolgreiche Auslandsreisen nach Russland, China und in die Schweiz absolvierte. Unter Kapellmeister Didi Winkler gewann das Orchester einen Wettbewerb in Moskau, unter Kapellmeister Ewald Huber belegte es in der Schweiz Platz zwei. Die beiden Schüler von Josef Leeb leiten heute den Musikschulverband Haidershofen- Behamberg-Ernsthofen (Didi Winkler) und St. Peter/Au (Ewald Huber).

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