Landwirte haben viele Sorgen. Internationaler Wettbewerb, Klimawandel und Preiskämpfe im Handel setzen Bauern zu.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:54)
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Informieren über die Lage der Bauern im Bezirk: Landeskammerrat Andreas Ehrenbrandtner, Rindermäster Franz Pillgrab, Kammersekretär Bernhard Ratzinger und Kammerobmann Josef Aigner.
Hudler

Die Landwirtschaft befindet sich im Umbruch. Internationaler Wettbewerbsdruck, Preiskämpfe der Supermarktketten und vor allem der Klimawandel machen natürlich auch vor den Bezirksgrenzen nicht Halt.

„Die Preisgestaltung geschieht längst nicht mehr in Österreich, denn wir finden ja in allen Supermärkten Produkte aus ganz Europa und sogar aus Übersee“, sagt Bezirksbauernkammerobmann Josef Aigner. Was zum Beispiel gerade den Rinderbauern große Sorgen macht, ist das neue Freihandelsabkommen der EU mit Südamerika. Denn dort bekommen die Tiere einen Hormonchip implantiert, damit sie das Futter besser verwerten und schneller an Gewicht zulegen.

„Da sind wir mit unseren strengen Produktionsauflagen eindeutig im Nachteil, zumal es ja auch keine Kostenwahrheit beim Transport gibt. Daher ist das Fleisch aus Übersee im Supermarkt zum Teil billiger als österreichische Qualitätsware“, sagt Franz Pillgrab, Rindermäster aus St. Valentin. Er weist darauf hin, dass ein Kilo Rindfleisch aus Südamerika den vierfachen CO2-Fußabdruck hinterlässt wie ein Kilo österreichisches Fleisch. Die strengen Auflagen in Österreich machen den Bauern aber auch in anderen Sparten das Leben schwer.

Eigenversorgung ist nicht mehr gegeben

So ist seit Inkrafttreten des Verbots von Neonicotinoiden im Rübenanbau (einem Wirkstoff, der den Samenpillen zugefügt wurde, damit die Pflanzen eine Resistenz gegen Schädlinge wie den Erdfloh oder den Rüsselkäfer entwickeln) die Anbaufläche im Bezirk von 800 auf 500 Hektar heruntergefallen. „Damit öffnet man aber nur die Tore für den billigen Zucker aus dem Ausland“, sagt Pillgrab.

Aigner weist darauf hin, dass die Eigenversorgung in Österreich schon in vielen Bereichen nicht mehr gegeben ist. „Wie wichtig das aber wäre, haben uns frühere Krisenzeiten schon gezeigt.“

Die heimischen Landwirte fühlen sich oft auch als Spielball des Konkurrenzkampfs der Supermarktketten. Derzeit, so der Kammerobmann, werde dieser gerade verstärkt mit Dumpingaktionen bei Milchprodukten ausgetragen, was natürlich den Preis insgesamt nach unten ziehe. Immer mehr heimische Landwirte weichen, um dem Preis- und Mengendruck zu begegnen, auf Direktvermarktung und auf Nischenprodukte aus: Wachteleier, Austernpilze, Ziegenkäse und anderes mehr.

Klimawandel als große Herausforderung

Auch der Klimawandel macht den Landwirten im Bezirk natürlich zu schaffen. „Es sind vor allem die Witterungsextreme, die da eine große Herausforderung darstellen. Heuer hatten wir eine lange nasse Phase im Frühjahr, gefolgt von einer starken Trockenheit. Nächstes Jahr kann das wieder ganz anders sein. Sich darauf einzustellen ist fast unmöglich“, sagt Kammersekretär Bernhard Ratzinger.

Immerhin gibt es inzwischen eine Versicherung (das Land übernimmt 55 Prozent der Prämie), die Ertragsausfälle einigermaßen abdeckt. Dennoch macht die Entwicklung den Landwirten natürlich Sorge.

„Wir haben seit Jahren zu wenig Niederschläge, der Grundwasserspiegel ist gesunken. Es wird daher wichtig sein, die Sorten vor allem in Hinblick auf Trockenheitstoleranz weiter zu entwickeln“, betont Ratzinger. Der fehlende Regen macht für viele Landwirte auch die Versorgung der Tiere schwieriger, weil ihre Brunnen nicht mehr genug Wasser liefern. Viele Höfe schließen, sofern sie nicht zu abgelegen sind, ans öffentliche Netz an. Das bedeutet aber auch zusätzliche Kosten: Denn Wasser aus der Leitung ist teurer als aus dem eigenen Brunnen.

Der Bauernmarkt lockt jeden Donnerstag viele Kunden auf den Amstettner Hauptplatz.
Kovacs

Die Trockenheit trifft natürlich auch die Waldbesitzer unter den Bauern. „Denn da wütet der Borkenkäfer. Und weil das im Osten auch so ist und von dort viel Holz auf den Markt drängt, ist der Preis im Keller“, sagt Landeskammerrat Andreas Ehrenbrandtner aus St. Peter. Er geht davon aus, dass die Fichtenwälder Mischkulturen weichen werden.

Ob all dieser Probleme überrascht es nicht, dass die Zahl der Betriebe im Bezirk rasch abnimmt (Infobox) und potenzielle Nachfolger lieber einer unselbstständigen Arbeit nachgehen. Für Aigner hat das Bauersein aber noch immer viele Vorteile: „Du bist dein eigener Herr, kannst dir den Tag selbst einteilen, hast den Arbeitsplatz ums Haus, bist bei der Familie und viel in der Natur.“

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