Schulen im Lockdown: „Anstrengend für alle Beteiligten“. Am Stiftsgymnasium in Seitenstetten sind gleich mehrere Lehrkräfte mit dem Coronavirus infiziert.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 18. November 2020 (05:02)
Jutta Feuerstein, Direktorin der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach, wirkt nachdenklich, sie hat eben derzeit auch viel telefonisch abzuklären.
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Unterstützungsbedürftige Kinder- und Jugendliche sind wohl die größten Verlierer der Schulschließungen, viele Mütter sind dreifach belastet und kommen an ihre Leistungsgrenzen, ganz abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden. Viele Elternteile fehlen aber gerade auch in systemrelevanten Gesundheits- und Pflegebetrieben. Kinder können im Homeoffice kaum gleichwertig schulisch, schon gar nicht sozial gefördert werden.

Ob Kinder wesentliche Treiber der Infektionsverbreitung waren, ist leider – wie so vieles in der Pandemie – nicht eindeutig bewiesen. Jugendliche leiden unter der Isolation und vermissen die physische Begegnung mit ihren Freunden.

„Wir haben natürlich unsere digitalen Kompetenzen ständig verbessert – auch durch Mini-Schulungen in kleinen Lehrerteams“ Jutta Feuerstein, Direktorin der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach

„Die Schulen in Aschbach und Wolfsbach sind derzeit nur indirekt betroffen, kein Cluster ging von einer der Schulen aus, einige wenige Schüler befanden sich in Quarantäne. Zum Glück sind auch alle Lehrer gesund, die sich um einen ‚gelassenen‘ Unterrichtsverlauf bemühen“, war Direktorin Cornelia Wagner-Sturm am Freitag noch ganz positiv gestimmt.

Sie betonte zudem, dass die Volks- und Mittelschulen in Wolfsbach und Aschbach gut ins Schuljahr starten konnten, wenngleich Schulorchester und Chorgesang seit 14 Tagen nicht mehr stattfanden. „Schulveranstaltungen wie Wandertag, Schwimm- und Sprachwoche sowie die „Sport&Action“-Wochenenden für ältere Schüler aber konnten ohne jede Ansteckung abgewickelt werden“, ergänzte sie.

Natürlich wurde auch beim Präsenz-Unterricht besonderes Augenmerk auf wenig Durchmischung, dem Fernhalten schulfremder Personen und natürlich der Einhaltung sämtlicher Sicherheitsvorkehrungen gelegt. Diese Form des Unterrichts hätte man auch gerne fortgesetzt.

Durch die nun verordneten Schulschließungen mit Betreuungsmöglichkeit könnte freilich automatisch auch der unkontrollierbare Raum der privaten Begegnungen erweitert werden, was die Ausbreitung von Freizeitclustern in den Herbstferien beweist. Der Direktor der Volksschule Seitenstetten , Franz Korn war voll der Hoffnung, dass die Schule in dieser Form in Ruhe weiterarbeiten dürfe. Sein Lehrkörper verspürte keinerlei Angst, wenngleich er sich FFP2-Masken für die Lehrer wünschte. „Wir verbrachten möglichst viel Zeit im Freien, nur wenige schulstufenübergreifende Angebote wie Theater, Chor und einige sportliche Betätigungen konnten nicht in gewohnter Form stattfinden!“

Jutta Feuerstein wiederum – Leiterin der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach – hielt noch am Donnerstag die Konferenz online ab und erklärte rückblickend: „Die Projektwoche mit Exkursionen mussten wir absagen, in Turnstunden durften wir in die große Stockschützenhalle ausweichen.“

Da die wichtigen zu beachtenden Regeln nun schon eingelernt und akzeptiert waren, plädierte die Direktorin für weiterhin offene Schulen, bedeute doch die Präsenz der Schüler für die sozialen Beziehungen einen absoluten Mehrwert. Sie ergänzte aber: „Wir haben natürlich unsere digitalen Kompetenzen ständig verbessert – auch durch Mini-Schulungen in kleinen Lehrerteams –, was uns auch jetzt in der hoffentlich kurzen Lockdown-Zeit zugutekommen sollte.“

Anders zeigte sich die Situation schon vorige Woche leider am Stiftsgymnasium Seitenstetten , wo einige Schüler bereits in Quarantäne oder auch infiziert sind, am Freitag jedoch vier positiv getestete Lehrkräfte gemeldet und zudem zwei über einen positiven Schnelltest informiert worden sind.

Präsenzunterricht gestrichen

In Abstimmung mit Gesundheitsbehörde und Bildungsdirektion wurde daher der Präsenzunterricht schon für Montag und Dienstag lockdownunabhängig gestrichen. Direktor Markus Berger: „In der Oberstufe hatten unsere Schüler ohnehin schon Unterricht laut Stundenplan, entweder mit Videokonferenzen oder mit Arbeitsaufträgen und oftmals einem Mix daraus. Das Feedback jener Schüler ist relativ positiv. Aber natürlich ist es für alle Beteiligten extrem anstrengend.“ Als Kommunikationsplattform dient bei Homeschooling ‚Microsoft Teams‘, Arbeitsaufträge werden über ‚eduvidual‘ bereitgestellt, Schoolfox ist ein wichtiges Informationsmedium für die Eltern.

„Belastend war die Situation für unsere Schule schon länger vor allem deswegen, weil auch ältere Lehrkräfte beziehungsweise Personen mit Vorerkrankungen Teil der Schulgemeinschaft sind oder mit diesen in einem Haushalt leben. Obwohl die Schulschließung die Familien vor große Herausforderungen stellt, hoffen wir, dass damit die Infektionsketten bei uns unterbrochen werden“, führt Berger weiter aus.


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