Streit um Apotheke. Apotheker werfen Ortschef vor, im Sinne der Ärztin zu handeln und nicht im Interesse der Bürger. Hinterleitner kontert.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 27. November 2018 (06:52)
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Die Gemeinde hat schon damit begonnen, bei der Passivhaussiedlung eine neue Ordination zu errichten, die sie dann an Gemeindeärztin Katharina Fürst vermieten wird. Doch jetzt kommt vonseiten des Apothekerverbands harsche Kritik an dem Projekt.

Andreas Hoyer wirft Ortschef vor, nur zugunsten der Ärztinzu handeln.
Fuchs

„Der Bürgermeister scheut weder Mühen noch Kosten, um der Ärztin, die derzeit noch im Ortszentrum in den Räumlichkeiten ihres Vorgängers ordiniert, zu einer Hausapotheke zu verhelfen. Kostenpunkt des Praxisneubaus: 450.000 Euro Gemeindegeld“, sagt der Obmann der Landesgruppe NÖ des Apothekerverbandes, Andreas Hoyer, aus St. Valentin.

Dabei hätte es, so der Apotheker-Funktionär, eine bessere Möglichkeit gegeben, die Biberbacher zu versorgen. Die Apotheke Seitenstetten habe ja vorgeschlagen, eine Filiale in ein Gesundheitszentrum im Ortszentrum von Biberbach einzubinden.

„Dieses hätte die Ordination der Ärztin ebenso beherbergen können, wie Ärzte und Wahlärzte verschiedener Fachrichtungen und andere Gesundheitsdienstleister“, sagt Hoyer.

Er weist auch darauf hin, dass eine Hausapotheke zur Notversorgung der Bevölkerung diene und daher nur ein kleines Sortiment habe. Der Gemeinde sei es aber offenbar „nur darum gegangen, die neue Ärztin mit einer Hausapotheke zu versorgen. Es wurde da für eine patientenunfreundliche Lösung tief in die Gemeindekasse gegriffen!“

Für Ortschef Fritz Hinterleitner sehen die Apotheker nur ihren Profit in Gefahr.
NÖN

Bürgermeister Fritz Hinterleitner weist die Vorwürfe Hoyers entschieden zurück. Die Kosten für den Bau der Ordination seien durch die Mieteinnahmen gedeckt – auch im Falle einer deutlichen Zinserhöhung für das von der Gemeinde aufgenommene Darlehen. Im Vertrag mit der Ärztin sei das alles genau festgelegt.

„Angebot der Apotheker war nur sehr vage“

„Zum sehr vagen Angebot der Apothekervertreter bezüglich der Errichtung einer Filialapotheke in Biberbach ist zu sagen, dass dazu ein ausdrücklicher Verzicht von Dr. Katharina Fürst auf den Betrieb der bereits bewilligten Hausapotheke nötig gewesen wäre. Dazu war sie verständlicherweise nicht bereit. Also war das kein realistisches Szenario. Es ist völlig polemisch zu behaupten, dass ich da etwas verhindert hätte“, ärgert sich der Ortschef.

Das „wilde Umherschlagen der Apothekerlobby“, so Hinterleitner, lasse vielmehr den Schluss zu, dass man „die Profitmaximierung“ in Gefahr sehe und daher mit allen Mitteln den Betrieb einer Arztpraxis mit angeschlossener Hausapotheke in Biberbach verhindern wolle.

„Für die Gemeinde ist es aber wichtig, die ärztliche Nahversorgung zu erhalten und langfristig abzusichern. Das wird im ländlichen Raum immer schwieriger. Wir haben uns rechtzeitig um die Nachbesetzung unserer Arztstelle gekümmert und werden auch weiterhin alles tun, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten“, betont der Bürgermeister.