Strengberger Hallenbad: Fronten sind verhärtet. Bürgerliste und SPÖ werfen Ortschef Verwendung falscher Zahlen vor. Dieser beruft sich auf mehrere Gutachten.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 07. Juni 2017 (04:10)
Risse im Mauerwerk und Putzabbröckelungen im Keller des Hallenbades machen den Sanierungsbedarf offensichtlich.
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Die geplante Schließung des Strengberger Hallenbades schlägt weiterhin hohe Wellen. Obwohl der Gemeinderat am 20. April mit nur einer Gegenstimme der FPÖ beschlossen hatte, das 42 Jahre alte Bad zu schließen und darin Räumlichkeiten für eine vierte Kindergartengruppe zu errichten, finden die Diskussionen über die Richtigkeit dieser Entscheidung kein Ende.

In der vergangenen Woche sorgte die von der SPÖ unterstützte Bürgerinitiative rund um Elisa Klimmer-Mayrl mit einem an alle Haushalte verschickten Flugblatt für neuen Zündstoff.

Erhaltungswürdig oder Gefahr in Verzug?

In diesem Flugblatt wirft man Bürgermeister Roland Dietl vor, falsche Zahlen verwendet zu haben. „Zum Gemeinderatsbeschluss für die Schließung des Hallenbades kam es nur durch eine völlig überhöhte Darstellung der Renovierungskosten von 300.000 Euro sowie einem ebenfalls überhöht dargestellten jährlichen Defizit von 45.000 Euro“, ist da zu lesen.

Zudem wird behauptet, dass realistische Renovierungskosten sich nach einer Schätzung durch Abel & Abel auf lediglich 48.000 Euro belaufen würden. Deshalb fordert die Bürgerinitiative, den Schließungsbeschluss wieder rückgängig zu machen. „Jeder Beschluss kann neu aufgerollt werden, wenn neue Fakten am Tisch sind“, betont Elisa Klimmer-Mayrl.

Beim Bürgermeister stößt man damit auf taube Ohren. Er beruft sich auf mehrere Gutachter, die zu dem Schluss kamen, dass eine Generalsanierung in Höhe von rund 300.000 Euro notwendig sei. „Der Unterbau des Hallenbades befindet sich in sehr baufälligem Zustand, was durch Risse und Putzabbröckelungen im Mauerwerk mit freiem Auge ersichtlich ist. Wenn man die Technik, also Leitungen und Pumpe, auch auswechseln würde, kämen zu den 300.000 noch 100.000 Euro dazu“, erklärt Roland Dietl.

„Das Hallenbad erhalten und Räumlichkeiten für eine weitere Kindergartengruppe können wir uns nicht leisten“, fügt der Ortschef hinzu, der die Schätzung von 48.000 Euro für illusorisch hält. „Da kommen jedes Jahr wieder Kosten von 40.000 Euro dazu“, hält er nichts von den neu aufgetauchten Zahlen.

Kindergartengruppe und Hallenbad nicht leistbar

Für Unmut beim Bürgermeister sorgte die Bürgerinitiative auch mit dem Vorwurf, dass bei einer Schließung des Hallenbades Strengberger Allgemeingut im Wert von 500.000 Euro vernichtet werde. „Das ist nicht wahr. Nach 42 Jahren ist das Null wert. Das Bad ist generalsanierungsbedürftig und es ist Gefahr in Verzug. Ohne Sanierung lasse ich da niemanden mehr hinein“, stellt Dietl klar.

Dass Gefahr in Verzug ist, wollen die Kritiker des Ortschefs nicht akzeptieren. „Das Becken ist auch nach 40 Jahren in einem guten Zustand. Die Überprüfung durch das Land NÖ im Herbst ergab die Freigabe für weitere drei Jahre“, so ihr Argument. Aber auch dieses weiß der Bürgermeister zu entkräften. Nicht das Land, sondern die Bezirkshauptmannschaft habe das Bad damals überprüft, so Dietl. Und zwar die Wasserqualität und die Hygiene. „Es war aber niemand im Keller. Wenn da ein Statiker kommt, sperrt er uns das Bad zu“, ist Dietl überzeugt.

Bürgermeister Roland Dietl wünscht sich, dass die Causa Hallenbad fair über die Bühne geht.
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Für den Strengberger Bürgermeister ist die Schließung des Bades – der Saunabetrieb wird ja weitergeführt – der einzig richtige Weg. „Verantwortungsbewusste Politik heißt, nicht den einfachsten Weg zu gehen, sondern jenen, der in der Gesamtheit den größtmöglichen Nutzen für das Gemeinwohl darstellt“, erklärt er.

„Wir haben ein harmonisches Klima gehabt und dann kommen sie so daher.“Bürgermeister Roland Dietl über das Verhältnis zur SPÖ, die nun die Bürgerinitiative zum Erhalt des Hallenbades unterstützt, im Gemeinderat aber nicht gegen die Schließung des Bades stimmte

So könne das jährlich anfallende Defizit bei Schließung des Hallenbades in andere, größere Bevölkerungsschichten erreichende Projekte gesteckt werden, denn laut Aufzeichnungen der Gemeinde besuchten an einem durchschnittlichen Öffnungstag am Wochenende im Schnitt 13 bis 18 Personen Hallenbad und Sauna. Die Bürgerinitiative spricht im Gegensatz dazu von 3.000 Badegästen pro Jahr.

Die Fronten zwischen Bürgermeister und Bürgerinitiative sind jedenfalls verhärtet – und seit vergangenem Donnerstagabend noch um eine Spur mehr. In der Absage der für 8. Juni geplanten Gemeinderatssitzung ortet Elisa Klimmer-Mayrl eine Schikane. „Wir sind baff. Es wurde uns dadurch keine Möglichkeit eingeräumt, die Zahlen im Gemeinderat zu diskutieren und die gesammelten Unterschriften vorzubringen“, beklagt sie. Dietls Grund für die Absage: „Es stehen derzeit keine dringenden Beschlüsse an. Daher kann der vorgemerkte Termin entfallen.“