Bezirk Amstetten: Impfzentren als Zankapfel. Land NÖ reagierte auf den Brief von Ärztevertreter Franz Gabler. Für ihn ist die Antwort nicht zufriedenstellend und die Begründungen sind nicht verständlich.

Von Peter Führer. Erstellt am 21. April 2021 (04:15)
Ärztevertreter Franz Gabler erhielt eine Antwort vom Land NÖ.
privat, privat

Wie die NÖN berichtete, wandte sich Ärztevertreter Franz Gabler mit einem offenen Brief an die Landesregierung . Dort kritisiert er die Entscheidung, bei der Impfung den Fokus auf zentrale Impfstraßen zu legen.

Im Antwortschreiben argumentiert das Land, dass effektive und stabile Impfzentren notwendig seien, um eine rasche Verimpfung zu ermöglichen. „Dies kann einerseits durch die Errichtung von zahlreichen kleineren bis mittleren Impfstellen und anderseits durch die Errichtung von Impfzentren mit mehreren Impfstraßen erfolgen“, wird im Antwortschreiben formuliert.

Die Anlieferung an die einzelnen Impfstellen sei aufgrund der Eigenarten der unterschiedlichen Impfstoffe mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden. Weiters seien die Impfstoffe fachgerecht zu lagern und der Herstellerangaben entsprechend zu kühlen.

„Insbesondere bedarf der gesamte Verimpfungsprozess einer umfangreichen Dokumentation, weswegen das eingesetzte Personal entsprechend geschult werden muss. Daraus ergibt sich, dass die komplexe Organisation und Logistik der Impfungen am effektivsten und sichersten in einer überschaubaren Anzahl großer Impfzentren abgewickelt werden kann“, heißt es im Schreiben.

Das Land NÖ habe sich daher dazu entschlossen, zumindest pro Verwaltungsbezirk ein NÖ Impfzentrum mit mehreren Impstraßen bereitzustellen. Die Impfzentren würden ein Zusatzangebot zum niedergelassenen Bereich der Ärzte darstellen, „wobei die logistisch aufwendigeren in den Impfzentren und die weniger aufwendigen Impfstoffe wie Astra Zeneca und Johnson und Johnson im niedergelassenen Bereich verimpft werden sollen“, wird im Brief erklärt.

Für Dr. Franz Gabler ist die Antwort nicht zufriedenstellend. „Die Begründungen sind nicht verständlich. In den letzten Wochen war es möglich, 500 Ärzte zu beliefern. In den letzten Wochen war es möglich, auch mRNA-Impfstoffe beim Hausarzt zu verimpfen. Sowohl Kühlung, Vorbereitung als auch Dokumentation funktionierten. Warum jetzt nicht mehr?“, fragt er rhetorisch.

„Warum ist das jetzt nicht mehr möglich?“

Notruf NÖ müsste nur die Einteilung und Bestellung machen, die Lieferungen würden von den Pharmagroßhändlern, die täglich Apotheken und Hausapotheken beliefern, durchgeführt werden. „Die ärztlich geführten Impfstraßen im Bezirk haben in den letzten Wochen mehrere Tausend Menschen geimpft. Der durch Notruf NÖ verursachte Impftourismus quer durchs Land reduzierte die Durchimpfung im Bezirk Amstetten“, sagt Gabler weiter.

Dabei hätte man bei den etablierten Impfstraßen wie in St. Valentin pro Woche tausend Menschen geimpft. Auch in Amstetten gebe es noch Steigerungsmöglichkeiten. Dass viele Menschen weiterhin gerne bei den Hausärzten geimpft werden würden, zeigen auch die hunderten Umfragen, die bis jetzt gesammelt wurden.

Zudem hätte es für die Einzelordinationen wie die Gruppenpraxen in Oed oder Neustadl oder auch Gablers Ordination in Euratsfeld schon Zusagen für eine Steigerung an Impfstoffen gegeben. Auch hier wären ebenfalls mehrere tausend Impfungen pro Woche möglich gewesen.

„In der Planung waren auch schon fertig angemeldete Impfstraßen in manchen Gemeinden und einige die noch wollten. 10.000 im Bezirk wäre locker erreichbar gewesen. Jetzt müssen alle nach Amstetten fahren“, führt Gabler weiter aus.

Die neue Warteliste für die Impfzentren sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, benachteilige aber weiter entlegene Gebiete wie Hollenstein, Opponitz oder Behamberg. Menschen aus diesen Gemeinden hätten keine Chance, in 30 Minuten nach Amstetten zu kommen.

Zur Diskussion rund um die Impfstoffe sagt Gabler, dass man von der Richtlinie, „Keiner kann sich den Impfstoff aussuchen“ jetzt plötzlich abweichen würde. In den Zentren gebe es die mRNA-Impfstoffe, bei den Hausärzten nicht. „Natürlich sind die Vektorimpfstoffe mindestens genauso gut wie die mRNA. Vor allem in der Wirksamkeit gegen manche Mutationen dürfte Astra Zeneca teilweise besser sein, wie einige Studien zeigten. Die Thrombosewahrscheinlichkeit durch eine Erkrankung an Covid 19 liegt etwa 20.000-mal höher als bei den Impfungen“, macht Gabler gleichzeitig klar. Nur die Durchimpfung bringe Normalität.