Strengberg-Vize Schatzl: „Habe es noch nicht bereut“. Bürgermeister Johann Bruckner und Vize Lukas Schatzl (beide ÖVP) über ihr erstes Jahr im Amt und anstehende Projekte.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 06. Februar 2021 (05:44)
Lukas Schatzl (links) wurde mit 24 Jahren zum Vizebürgermeister gekürt, Johann Bruckner (re.) zieht über sein erstes Jahr als Bürgermeister eine positive Bilanz.
Ingrid Vogl

NÖN: Sie sind nun seit einem Jahr als Bürgermeister und Vizebürgermeister im Amt. Corona-bedingt war 2020 über weite Strecken ein Jahr im Ausnahmezustand. Können Sie trotzdem eine positive Bilanz ziehen?

Johann Bruckner: Ich habe es noch nicht bereut, dass ich mich als Bürgermeister aufstellen habe lassen und mir macht es echt Spaß. Und ja, man kann sicher eine positive Bilanz ziehen. Die normale Gemeindearbeit ist ja im Hintergrund genauso weitergelaufen wie vor Corona. Wir haben die Sitzungen normal abgehalten und alle Projekte abgearbeitet wie geplant. Es gab Bauverhandlungen, weil die Leute ja genauso wie vorher ihre Häuser bauen. Und was natürlich dazugekommen ist, ist die Thematik der Testungen. Das Einzige, was wirklich gefehlt hat, war die Kommunikation mit den Gemeindebürgern, weil ja keine öffentlichen Versammlungen möglich waren.

Lukas Schatzl: Wir haben bei unserem Wahlprogramm und seit Beginn unserer Amtszeit großen Wert auf das Thema Kommunikation gelegt. Dass das dann anders war als geplant, ist klar. Wenn man von 2020 spricht, dann bleibt von den gesellschaftlichen Anlässen ja leider nicht sehr viel übrig. Sicherlich war es aber ein Jahr, in dem viele angespornt worden sind, nachzudenken, was selbstverständlich und was Standard ist.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der SPÖ? Da gab es ja unter Ihren Vorgängern nach der heftigen Diskussion über die Schließung des Hallenbads nicht immer nur Harmonie?

Johann Bruckner zieht über sein erstes Jahr als Bürgermeister eine positive Bilanz.
Ingrid Vogl

Bruckner: Politisch befinden wir uns in sehr ruhigem Fahrwasser. Unsere politische Kultur passt sehr gut. Wir arbeiten im Gemeindevorstand und auch im Gemeinderat gut zusammen. Es sind bis auf wenige Kleinigkeiten alle Beschlüsse einstimmig gefallen. Wir versuchen schon im Vorfeld bei den Ausschüssen und im Vorstand alles zu bereden und gut zu kommunizieren.

Schatzl: Im Großen und Ganzen ist es eine gute Zusammenarbeit und es ist sich, glaube ich, auch jeder Gemeinderat seiner Pflicht bewusst, dass die Leute ein politisches Hickhack nicht interessiert. Diskutieren kann man überall.

Wie gravierend hat sich das Corona-Jahr in Strengberg wirtschaftlich ausgewirkt?

Bruckner: Wir haben da relatives Glück. Wir sind mit der Kommunalsteuer ungefähr dort, wo wir in den letzten Jahren waren. Wir haben aber auch keinen großen Betrieb. Wir sind mit unseren Planungen zwar auch ein bisschen zurückgefahren, aber wir haben keine so große Diskussion gehabt wie manch andere Gemeinden.

Mit dem Projekt Unterbergerhof wurde trotz Corona ein Großprojekt auf Schiene gebracht. Was ist hier der aktuelle Stand? Wird es zu Verzögerungen kommen?

Bruckner: Nein, es wird heuer noch mit dem Bau begonnen. Der Zeitplan mit Fertigstellung Ende 2022/Anfang 2023 hält. Die Firma Simader hat auch schon über hundert Anfragen für die Wohnungen, wobei der Preis noch gar nicht feststeht. Sie sind guter Dinge, dass jede Wohnung bei der Eröffnung voll ist. Die Anfragen sind quer durch den Gemüsegarten von Strengbergern und Leuten aus den umliegenden Gemeinden. Es ist daher nicht so wie bei den Baugründen, wo tendenziell alle aus dem Linzer und Steyrer Bereich zu uns kommen.

Wie sieht es mit dem Veranstaltungssaal aus, den die Gemeinde in dem Komplex realisieren will?

Bruckner: Der ist auch auf Schiene. Es gibt die Vorbeschlüsse und wir haben jetzt eine realistische Kostenschätzung mit maximal 1,4 Millionen Euro. Es gibt inzwischen auch schon Zusagen vom Land. Da sind wir auf einem guten Weg, das Projekt zu verwirklichen. Ich glaube auch, dass die Stimmung der Bevölkerung dafür sehr gut ist. Der Großteil ist der Meinung, dass wir so einen Saal als Kommunikationszentrum brauchen. Ob wie geplant ein Café hineinkommt, ist noch in der Schwebe. Da schaut es aufgrund der wirtschaftlichen Situation derzeit eher nicht so gut aus. Eine Arztpraxis ist auch noch im Gespräch.

Schatzl: Für die Schaulustigen wird es natürlich ein interessantes Projekt. So eine große Erdbewegung mitten im Ort hat es in Strengberg noch nie gegeben.

Das Projekt entsteht ja direkt an der Hauptstraße. Wird es da während der Bauzeit Beeinträchtigungen beim Verkehr geben?

Bruckner: Es gibt grundsätzlich nur die Ausfahrt Richtung Bundesstraße 1. Es wird da natürlich zu gewissen Beeinträchtigungen kommen, wenn die Lastwagen aus- und einfahren. Es gibt keine zweite Zufahrtsstraße und es ist auch nicht geplant, während des Baus eine zu machen. Was natürlich interessant ist, ist, dass in Strengberg optisch ein Riesenloch entsteht. Darauf bin ich gespannt. Es sind ja doch zwei Häuser, die abgerissen werden, auf einer Länge von etwa hundert Metern, wo dann einmal nichts mehr ist.

Sind neben dem Projekt Unterbergerhof für heuer noch weitere größere Projekte geplant?

Bruckner: Der Unterbergerhof ist von der Größe und der finanziellen Seite her sicher das bestimmende Projekt, aber wir investieren auch in den Schulbereich. Wir haben unsere Mittelschule jetzt auf die digitale Schule umgestellt. Im Herbst sollten alle Schüler in der fünften und sechsten Schulstufe einen Laptop bekommen. Da haben wir auch vier Klassen zu adaptieren. Da werden wir rund 120.000 Euro nur in die Klassen stecken. Ansonsten sind ein paar Straßen zu machen.

Lukas Schatzl wurde mit 24 Jahren zum Vizebürgermeister gekürt.
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Schatzl: Ein wichtiger Sektor ist einfach die Erhaltung: von Gebäuden, Wegen, Straßen oder dem Leitungsnetz. Da rinnt viel Zeit und viel Geld hinein.

Mit dem Unterbergerhof werden rund 50 Wohnungen geschaffen. Ist der Bedarf an Wohnraum damit gestillt, oder braucht es noch mehr?

Bruckner: Wir haben auf der Sun‘seitn einen Grund für acht Bauparzellen gekauft. Das Interesse ist groß und die Parzellen sind schon wieder alle weg. Da werden wir heuer im zweiten Halbjahr noch die ganze Infrastruktur schaffen. Da reden wir auch von 200.000 Euro. Ich glaube, dass wir Ende des Jahres schon die ersten Keller sehen werden.

Wenn man auf die Homepage der Gemeinde Strengberg schaut dann fällt auf, dass es jetzt schon einen Veranstaltungskalender für das ganze Jahr gibt. Rechnet man wirklich damit, dass etwa das Frühjahrskonzert Mitte März schon stattfinden kann?

Bruckner: Das ist nicht mehr ganz aktuell. Wir sind bei der Musik zwar schon gut aufgestellt, aber ein Konzert ohne Proben zu spielen, geht dann doch nicht. Da fehlt uns die Professionalität. Aber ansonsten planen die Vereine schon. Das geht beim Fußball los und auch die kulturellen Vereine wie Musik und Chor warten alle darauf, dass wieder Veranstaltungen möglich sind.

Für Ende Mai wäre das Bezirksmusikfest anlässlich des 170-jährigen Bestandsjubiläums der Trachtenkapelle geplant. Wird das stattfinden können?

Bruckner: Die Problematik bei derartigen Festen ist, dass man mindestens ein halbes Jahr Vorlaufzeit hat. Das riesige Fest mit 170-Jahr-Feier und Festumzug ist daher bereits fix abgesagt. Es wird keine Festwagen geben und es werden auch keine 30 Kapellen da sein, aber woran derzeit im Hintergrund mit dem Blasmusikverband schon noch gearbeitet wird, ist eine Marschmusikbewertung. Wobei der Termin im Mai wahrscheinlich auch nicht halten wird, weil man ja auch Proben braucht. Es wird jetzt ein Termin im Juli überlegt.

Schatzl: Wir hätten heuer auch das 990-Jahr-Jubiläum von Strengberg. Da wären mir schon ein paar Kleinigkeiten im Kopf herumgegangen, aber große Feiern kann man heuer alle vergessen. Dafür wird das tausendjährige Jubiläum dann umso schöner.

Wird der Bürgermeister dann immer noch Johann Bruckner heißen?

Bruckner: Aus jetziger Sicht nein. Ich habe gesagt, dass ich den Bürgermeister nur bis 70 mache und daher freue ich mich einmal auf die nächsten sieben Jahre.