Seitenstettens Zusammenwachsen: Eine schwere Geburt. Die Fusion der Gemeinden Seitenstetten Dorf und Markt ging nicht friktionsfrei vonstatten, wurde aber zur Erfolgsgeschichte.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 21. April 2021 (05:14)
Stefan Krondorfer war schon 1970 Befürworter der Gemeindefusion.
Gemeinde/privat, Gemeinde/privat

Die Auflösung der Grundherrschaft nach 1848 bedeutete für die Bauernschaft Seitenstettens eine viel größere Umwälzung als für die Bürger des Marktes. So musste in Dorf Seitenstetten erst eine Selbstverwaltung aufgebaut werden.

Da die Bauernschaft nicht dem Marktrichter unterstand, wollte sie auch nicht dem Marktbürgermeister unterstehen. So kam es zur Gründung der eigenständigen (Bauern-)Gemeinde Dorf Seitenstetten, wobei angesehene Bauern als „Amtmänner“, die Bindeglied zwischen Bauernschaft und dem Hofgericht waren, fungierten.

Die Interessenslage der Marktgemeinde war freilich eine ganz andere, lag doch der Schwerpunkt ihrer kommunalen Tätigkeiten nach dem 2. Weltkrieg neben dem Ausbau des Schulwesens vielmehr auf der Förderung des Siedlungs- und Wohnbaus, der Ortsbildverschönerung, des Sportstättenbaus, der Trefflingregulierung und Kanalisation.

Bis 1960 wurden auch sämtliche Straßen im Marktbereich asphaltiert. In dieser Zeit erfreuten sich die Marktgemeinde und das Stift auch immer wieder prominenter Besucher wie dem Altseitenstettner Bundeskanzler Julius Raab – er kam fast alljährlich –, Leopold Figl und auch Finanzminister Reinhard Kamitz, dessen Sohn in Seitenstetten das Gymnasium besuchte. 1970 hat sich mit der Mantelproduktion Schneiders der erste Betrieb im Markt Seitenstetten angesiedelt.

Markt plädierte dafür, Skepsis im Dorf

Am 1. Jänner 1971 schließlich kam es zur Zusammenlegung von Markt- und Dorfgemeinde. „Da die Dorfgemeinde ohnehin auch ihr Gemeindeamt im Markt hatte, war hier die Zusammenlegung nicht ganz so widersinnig wie anderswo“, schreibt der Stiftshistoriker Pater Benedikt Wagner in einem Heimatbuch.

Beide Gemeinden waren ungefähr gleich groß, man brauchte also nicht unbedingt zu fürchten, dass eine der Gemeinden durch die Zusammenlegung völlig ins Hintertreffen gerate. „Die Markgemeinde plädierte für die Fusion, im Dorf stand man der Entscheidung eher skeptisch gegenüber, fürchtete die Dorfgemeinde doch um ‚genügend Schotter‘ für den Straßen- und Güterwegebau“, weiß Alt-Bürgermeister Franz Deinhofer zu erzählen.

Der frühere „Dorf-Bürgermeister“ Alois Deisl wurde vorerst Vizebürgermeister und folgte bereits 1972 Josef Andre in der Funktion als Bürgermeister nach, nachdem Andre zwischenzeitlich als gemeinsamer Kommissär eingesetzt war.

Als Zeitzeuge berichtet Stefan Krondorfer (87), damals einer der jüngeren Dorf-Gemeinderäte: „Wir Befürworter einer Zusammenlegung wurden fast ein wenig angefeindet, das führte auch zu meinem vorübergehenden Ausscheiden aus dem Gemeinderat. Erst auf Vermittlung durch Pater Raphael Schörghuber machte ich später wieder mit.“

Die Zusammenlegung wurde letztendlich zur Erfolgsgeschichte, heute erinnern nur noch die beiden Feuerwehren Seitenstetten Dorf und Markt an frühere Zeiten.

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