Drei Hauben im Bezirk. Das Landhaus Stift Ardagger, der Gasthof Mitter in Stadt Haag und der Fischerwirt in Ernsthofen behalten ihre Haube. Der Fischerwirt verbesserte seine Bewertung.

Von Daniela Führer und Ingrid Vogl. Erstellt am 27. Oktober 2014 (12:36)
NOEN, Ingrid Vogl
Die köstlichen Gerichte beim Fischerwirt in Ernsthofen brachten dem Wirtsehepaar Anneliese und Franz Harthaller (l. und r.) einen Punkt mehr und eine sehr gute Bewertung im neuen Gault Millau 2015. Dazu gratulierte Bürgermeister Karl Huber (Mitte).
Haubenkoch ist Franz Harthaller nun schon seit einigen Jahren. Dass sich heuer daran nichts ändern wird, das hatte der Küchenchef des Fischerwirts in Ernsthofen im Gespür.

„So ein Gefühl wie heuer, dass wir die eine Haube auf jeden Fall behalten, hatte ich noch nie. Dass wir uns sogar um einen Punkt steigern konnten, darauf bin ich extrem stolz. Damit wird der Einsatz, den man ein ganzes Jahr aufbringen muss, abgegolten“, freute er sich über die hervorragende Wertung (1 Haube, 14 Punkte) im neuen Gault Millau.

„Wir sind reifer und erfahrener geworden“

In den ersten beiden Jahren empfand Franz Harthaller die Auszeichnung mit einer Haube noch eher als Belastung. Jetzt kann er sie so richtig genießen. „Am Anfang denkt man ständig daran, dass hinter jedem Gast ein Tester stecken könnte. Das haben wir jetzt abgelegt. Wir sind reifer und erfahrener geworden“, betont er.

Erika Wagner-Beil, Geschäftsführerin vom Landhaus Stift Ardagger, dem heuer wieder 14 Punkte und eine Haube verliehen wurde, ist auch sehr stolz auf die positive Bewertung ihrer Küche. „Wir haben mit Simon Ruttinger und Florian Klement zwei wirklich ambitionierte und junge Küchenchefs, die das ganze Jahr über für ein hohes Niveau in der Küche sorgen“, sagt sie.

Dabei spielen vor allem die regionalen Produkte, die auch in der Gault Millau-Bewertung (siehe Zitate unten) sehr positiv hervorgehoben wurden, eine große Rolle. „Diese Regionalität ist uns sehr wichtig. Wir beziehen viele unserer Zutaten von den umliegenden Bauern“, erklärt Wagner-Beil.

„Wichtig, dass es den Gästen schmeckt“

Albin Hawel vom Gasthof Mitter in Stadt Haag ist, was den Gault Millau betrifft, schon ein alter Hase. Bereits zum 21. Mal scheint sein Betrieb unter den mit einer Haube ausgezeichneten Lokalen auf.

„Natürlich freut man sich über die Auszeichnung, aber ich werde sie nicht mehr so überbewerten. Es ist schön, wenn man sie bekommt, aber wichtig ist, dass es den Gästen schmeckt und sie wiederkommen“, relativiert er die Bedeutung einer positiven Bewertung im Gault Millau.

Empfehlungen außerhalb der Haubenwelt spricht der Gault Millau auch dem Bachlerhof in Kematen, der Kothmühle in Neuhofen/Ybbs, dem Schloss an der Eisenstraße und dem Schlosswirt in Waidhofen/Ybbs aus.


Zitiert aus dem Gault Millau 2015: „Treffpunkt für Genießer“

„Das aufwändig renovierte Landhaus ist eine wunderbare Bühne für eine traditionelle österreichische Landküche mit Pfiff. Denn die meisten Gerichte sind nur scheinbar deftig. Zum Beispiel eine gebackene Spanferkelschulter mit Blunzen und Senfgurken. Klingt schwer, ist es aber nicht! Oder Omas Rahmsuppe mit Erdäpfeln und Flusskrebsen – eine verführerische, zart-säuerliche Delikatesse. Hier gelingen auch vegetarische und zarte Fischgerichte (Saibling, Lachsforelle) immer vorzüglich. Der Weinkeller bietet weit mehr, als man am Land erwarten darf. Noch interessanter ist das Angebot an unterschiedlichen Mosten aus der Umgebung.“
Auszug: Der Gault Millau über das Landhaus Stift Ardagger und die Köche Florian Klement und Simon Ruttinger (14 Punkte)

„Der Fischerwirt entwickelt sich zum Treffpunkt für Genießer. Küchenchef Franz Harthaller ist immer für positive Überraschungen gut. Seine Landhausküche beeindruckt mit regionalen Schmankerln und internationalen Gerichten. Ein raffinierter thailändischer Garnelensalat mit Ingwer, Koriander und Zitronengras versteht zu begeistern; geschmacksintensiv, frisch und das Meeresgetier perfekt glasig gebraten. Ein Sinnbild handwerklicher Perfektion und ausgewogener Aromen sind die handgewuzelten Erdäpfelschupfnudeln mit Rucolapesto und gebackenen Schmortomaten mit Frischkäsefüllung. Übertroffen wird dies noch von einem ofenfrischen Schweinsbraten mit Grammelknödel und Stöcklkraut. Restlos glücklich machte uns die Mango-Panna-cotta auf gebratener Ananas und Karamellsauce.“
Auszug: Der Gault Millau über den Fischerwirt Ernsthofen und Koch Franz Harthaller (14 Punkte)

„Das ist es, was uns an gut geführten Wirtshaus-Restaurants am Land so gut gefällt: In der Gaststube des Mitter in Haag findet das lokale Leben statt, es wird Bier getrunken, Karten gespielt, politisiert. Im Restaurant hinten hat Albin Hawel seinen Weg gefunden, Spurenelemente der Weltküche in Haag zu kultivieren. Er setzt den Most der Region sehr stimmig ein. Etwa bei der Sulz mit Schafkäse im Mostdressing. Hawels Mostschaumsuppe ist mit Sicherheit eine der besten der Region. Sollte er das Kalbsbries und den Mostrostbraten mit Dörrzwetschken und gebackenem Apfelknödel auf der Karte haben, raten wir, diese zu bestellen. Der Koch mag Fleisch, das merkt man am fehlenden vegetarischen Angebot. Die Familienmitglieder kümmern sich um den Service, der aufmerksam, aber nicht aufdringlich ist und auch Gerichte außerhalb der Karte empfiehlt.“
Auszug: Der Gault Millau über das Haager Gasthaus Mitter und Koch Albin Hawel (13 Punkte)