„Drogen“ in Gärten geklaut. Hortensien-Diebstahl / Unbekannte suchen seit Wochen Gärten im Westen Niederösterreichs heim und kappen Jungtriebe der Hortensien. Diese werden als Marihuana-Ersatz geraucht.

Erstellt am 27. März 2014 (23:59)
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Bei NÖN-Mitarbeiter Franz Putz und seinen Nachbarn in Behamberg kappten Unbekannte jede Menge Hortensienjungtriebe ab. Putz
Von Daniela Schlemmer

BEHAMBERG/STADT HAAG / Nicht nur Hobbygärtner erfreuen sich im Bezirk an ihren Hortensien. Die Polizei vermutet, dass seit einigen Wochen auch experimentierfreudige Rauschgiftkonsumenten in den Gärten des Bezirks Jagd auf diese Pflanzen machen. So wurden in den letzten Wochen nämlich mehrere Vorfälle von nächtlichen Hortensien-Beutezügen bekannt. In Behamberg meldeten sich fünf Geschädigte, bei denen insgesamt zehn Hortensienstöcke beschädigt wurden und gar am Haager Friedhof waren Unbekannte auf Beutezug. Spuren zu Tätern gibt es aber derzeit keine.

Bekanntlich werden die Jungtriebe und später auch die Blätter und Blüten der Hortensien als Marihuana-Ersatz getrocknet und geraucht. Die Blumen führen zu ähnlichen Rauschzuständen wie Marihuana (siehe Infobox). Dass das Rauchen der Blüten, Triebe oder Blätter aufgrund der enthaltenen Blausäure zu schlimmen Vergiftungen und gar zum Tod führen kann, ist den Konsumenten wohl meist nicht bewusst.

Die Polizei Haidershofen geht davon aus, dass sich künftig noch mehr Geschädigte melden werden. „Viele werden es wohl erst bemerken, wenn die Blumen nicht blühen“, vermutet ein Beamter. Die Haidershofner Exekutive meldete die Vorfälle auch an die umliegenden Polizeidienststellen. „In Schärding gab es ebenfalls solche Vorfälle“, informiert sie. Für die Beamten ist dies ein ganz neues Phänomen.

Doch womit machen sich Hortensien-Diebe strafbar? „Zunächst wegen Sachbeschädigung“, erklärt ein Beamter. Außerdem verstoßen Minderjährige sowohl in NÖ gegen das Jugendgesetz (§ 18) als auch in OÖ gegen das Jugendschutzgesetz (§ 8), wenn sie „Drogen und Stoffe, die geeignet sind, rauschähnliche Zustände, Süchtigkeit, Betäubung oder physische und psychische Erregungszustände hervorzurufen und nicht unter das Suchtmittelgesetz [...] fallen, [...] besitzen, verwenden oder zu sich nehmen.“ Weiters könnte eine Besitzstörungsklage geltend werden.