Erneuter B123-Bürgerprotest: „Ziehen alle Register“. In Ennsdorf will man den geplanten Ausbau der B123 mit allen Mitteln bekämpfen. Am 10. April findet ein Spaziergang in der von der Trasse betroffenen Au statt.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 01. April 2021 (05:13)
Herbert Pühringer (links) und Martin Huber kritisieren die Pläne des Landes.
Ingrid Vogl

Ende März fand im Ennsdorfer Gewäxhaus eine Besprechung zwischen Gemeinde, Straßenplanern und Bürgerplattform Pro Ennsdorf-Windpassing zur Anbindung der geplanten neuen Mauthausner Donaubrücke statt. Vier Stunden wurde diskutiert, aber das Ergebnis des Gesprächs, in dem man unzählige Argumente gegen den geplanten vierspurigen Ausbau der B123 vorlegte, war für die Ennsdorfer ernüchternd.

„Politik will das Projekt unbedingt durchboxen“

„Die Planungen gehen trotzdem unbeirrt weiter. Die Politik will das Projekt unbedingt durchboxen. Egal, welche Kollateralschäden dabei entstehen“, lautet das Fazit der Bürgerplattform.

„Wir wollen nicht die politisch einfachste Lösung, sondern das für die Region und ihre Menschen beste Verkehrskonzept“, stellt Herbert Pühringer, Sprecher der Bürgerplattform, klar. Das könne die vom Land NÖ verfolgte Variante 12 nicht leisten, ist man in Ennsdorf überzeugt. Und das versuchte man den Planern auch zu vermitteln.

Hauptkritikpunkt bleibt weiterhin, dass es kein überregionales Konzept mit einer Anbindung der Umfahrung Herzograd-Langenhart oder der strukturierten Verteilung des Verkehrs Richtung Asten und Steyr gibt. Außerdem habe man keine Lösung für den Straßenbau im Bereich der Jet-Tankstelle und der Eisenbahnkreuzung mit der Hafenbahn. „Trotzdem ist es für das Land die beste Variante“, kann Herbert Pühringer nur den Kopf schütteln.

Bewertungen nicht nachvollziehbar

Die Bürgerplattform ortet auch „nachweislich fragwürdige Bewertungen“ bei der Variantenanalyse im Vorprojekt, die andere Varianten als die bevorzugte Trasse schlechter aussehen lasse. Bewertet wurde etwa die Entflechtung des Verkehrs nördlich der Donau.

Sowohl bei der ennsnahen Trasse (Variante 11) als auch beim vierspurigen Ausbau der Umfahrung (Variante 12) wurden zwei Brücken mit zwei Spuren, die in Oberösterreich enden, bewertet. „Beide Trassen enden an der gleichen Brücke. Die Variante 11 bekommt dafür einen Dreier, die Variante 12 aber einen Einser“, nennt Martin Huber von der Bürgerplattform nur ein Beispiel.

Protest-Spaziergang in der Au in Pyburg

„Beim vierspurigen Ausbau der B123 wird es trotz einer Investition von 140 Millionen Euro an Steuergeldern keine Entlastung geben. Ganz im Gegenteil: Durch Ennsdorf werden laut Vorhersage um 50 Prozent mehr Autos und Lkws fahren und die Bevölkerung belasten“, sagt Herbert Pühringer.

Das will auch die Gemeinde nicht hinnehmen. „Unser Auftrag ist es, Schaden von der Gemeinde und ihren Bürgern abzuwenden und die Lebensqualität zu erhalten oder bestenfalls zu steigern. Darum können wir der Variante 12 nicht zustimmen und werden alles unternehmen, um sie zu verhindern“, erklärt Bürgermeister Daniel Lachmayr.

Das bekräftigt auch Martin Huber. „Ich glaube, wir haben heute deutlich gemacht, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen und alle Register ziehen werden, um das Projekt so lange wie möglich hinauszuzögern. Dass 2027 halten wird, ist dann unwahrscheinlich“, findet er klare Worte. Man hofft, dass nach dem Umweltverträglichkeitsverfahren und einer erneuten Prüfung noch Änderungen bei der Trassierung vorgenommen werden.

Um die Bevölkerung zu informieren, veranstaltet die Bürgerplattform am 10. April um 14 Uhr einen Auwald-Spaziergang in Pyburg. „Wenn 70 bis 80 Personen kommen, bin ich zufrieden. Wir müssen ja auf Corona aufpassen“, weist Pühringer darauf hin, dass Maskenpflicht und zwei Meter Abstand einzuhalten sind. Zusätzliche Protestmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen.