PETA fordert Ende für Tiermarkt. Um Mensch und Tier vor Viren zu schützen, fordert PETA dauerhaft Schließung des Tauben- und Kleintiermarktes in Ennsdorf.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 13. Mai 2020 (05:12)
Symbolbild
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Post aus Stuttgart flatterte vor zwei Wochen bei Bürgermeister Daniel Lachmayr ins Haus. In der Vorwoche setzte PETA Deutschland dann mit einer Presseaussendung nach. Darin fordert die größte deutsche Tierrechtsorganisation zum Schutz von Mensch und Tier die dauerhafte Schließung des Tauben- und Kleintiermarkts in Ennsdorf. Der Grund dafür: das angebliche Risiko für eine weitere Pandemie.

„Tiermärkte, auf denen gestresste Tiere auf engem Raum verkauft werden, bieten optimale Bedingungen für die Verbreitung von Keimen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Mutationen – antibiotikaresistente Keime und Zoonosen finden beste Bedingungen, um sich zu vermehren. Kranke und stressbedingt geschwächte Tiere auf diesen Märkten können als Überträger von Viren zu einem großen Risiko mit nicht absehbaren Konsequenzen werden“, ist in dem Schreiben zu lesen.

„Die Coronakrise könnte nur ein erster Vorgeschmack auf das sein, was durch die Ausbeutung von Tieren immer öfter passieren könnte. Zwar gilt im Falle von Corona ein Lebendtiermarkt in Wuhan als Ausgangspunkt der Pandemie, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind diese Märkte ein Gesundheitsrisiko. Deshalb müssen sie verboten werden – auch in Ennsdorf“, wird Agrarwissenschaftlerin Lisa Kainz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie, in der Aussendung zitiert.

Für Obmann Mario Gscheitmayr ist die Forderung der PETA lächerlich.
privat

Dass man den Markt in einer chinesischen Metropole mit elf Millionen Einwohnern mit jenem in einer österreichischen 3.000-Seelen-Gemeinde in einen Topf wirft, sorgte in Ennsdorf für verständnisloses Kopfschütteln. „Die haben ja einen Vogel. Das Ganze ist einfach lächerlich“, lautete der erste Kommentar von Mario Gscheitmayr, dem Obmann des Kleintierzuchtverein Enns, der den Markt in Ennsdorf veranstaltet. „Wir haben ja einen ganz anderen Tierschutz als in China und ganz andere Auflagen. Ich sehe nicht ein bisschen Grund, etwas zu ändern“, macht er deutlich, dass eine Sch

ließung des Marktes für ihn absolut nicht in Frage kommt. „Wir tun ja auch etwas für die Arterhaltung und die Rassenvielfalt“, stellt Gscheitmayr klar. Er selbst züchtet beispielsweise eine vom Aussterben bedrohte Hühnerrasse. Das Überschussangebot an Tieren werde dann auf Märkten abgegeben. In Ennsdorf sind das vor allem Hühner, Gänse, Enten, Hasen, Wachteln und Meerschweinchen. „Den Markt gibt es schon seit hundert Jahren. Ein Virus hat es noch nie gegeben“, betont der Vereinsobmann.

Bürgermeister Daniel Lachmayr sieht keinen Handlungsbedarf.
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Auch bei Bürgermeister Daniel Lachmayr stoßen die Tierrechtler auf taube Ohren. „Ich habe dem Schreiben eigentlich keine Relevanz zugeordnet und halte die Angelegenheit für übertrieben. Der Markt erfreut sich großer Beliebtheit und ich sehe keine Veranlassung dafür, Verbote auszusprechen und als Gemeinde tätig zu werden.“ Der Markt, der derzeit coronabedingt natürlich pausiert, findet üblicherweise einmal im Monat statt und geht beim Gasthof Stöckler auf Privatgrund über die Bühne. „Ich bin nicht die zuständige Behörde. Zuständig wäre die Bezirkshauptmannschaft gemäß Tierschutzgesetz“, gibt Lachmayr zu bedenken.

Ursprünglich hatte der Ortschef vor, das PETA-Schreiben auf sich beruhen zu lassen. Da er jedoch in der Presseaussendung namentlich zum Handeln aufgefordert wurde, wird Lachmayr nun doch reagieren.