Heizwerk-Pläne in Haag sind vorerst vom Tisch. Um Streitereien mit der Bevölkerung zu vermeiden, ließ der Betreiber den geplanten Standort unterhalb des Seniorenzentrums fallen.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:58)
Am Grundstück unterhalb des Seniorenzentrums und neben dem geplanten Sicherheitszentrum für Feuerwehr und Rotes Kreuz wird kein Biomasseheizwerk errichtet. Der Betreiber ließ den Standort aufgrund des Unmuts in der Bevölkerung fallen.
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Das am Grundstück unterhalb des Seniorenzentrums geplante Biomasseheizwerk erhitzte in den letzten Wochen die Gemüter. Weil sie eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität befürchteten, riefen Anrainer eine Bürgerinitiative ins Leben und sammelten innerhalb einer Woche 461 Unterschriften.

Auch eine Umfrage auf der NÖN-Homepage fiel eindeutig aus: 81,2 Prozent sprachen sich gegen die Errichtung eines Biomasseheizwerks aus.

Umfrage beendet

  • Befürwortet ihr die Errichtung eines Biomasseheizwerks?


Kräftiger Gegenwind also, der den Betreibern der Fernwärme Haag GmbH ins Gesicht blies. Und dies blieb nicht ohne Folgen.

Paul Latschenberger (Fernwärme Haag GmbH) hält nicht am geplanten Standort fest.
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Nach einer internen Sitzung zog der Betreiber die Umwidmung des Grundstücks in der Vorwoche zurück.

„Auch wenn es an dem Standort Synergien mit dem Sicherheitszentrum gegeben hätte und der gesetzliche Rahmen gepasst hätte, ziehen wir das Projekt dort zurück. Wir wollen keine Streitereien und suchen nun gemeinsam mit der Gemeinde einen neuen Standort“, informiert Paul Latschenberger über die neuesten Entwicklungen.

„Gegen ein Klimaschutzprojekt zu sein, geht mir nicht ein.“Paul Latschenberger bedauert das Aus

Dass das Projekt nicht wie geplant zustande kommt, bedauert er. „Ich finde es schade. Gegen ein Klimaschutzprojekt zu sein, geht mir nicht ein“, stellt er klar. Vor allem auch deshalb, weil er in anderen Gemeinden äußerst positive Erfahrungen gemacht hat. „In Ertl zum Beispiel haben alle an einem Strang gezogen und da ist das nächste Einfamilienhaus nur 14 Meter vom Heizwerk entfernt“, betont Latschenberger.

Dass das Heizwerk am geplanten Standort nun fix nicht kommt, hat auch Auswirkungen auf das gemeinsame Sicherheitszentrum für Feuerwehr und Rotes Kreuz. „Wir müssen Anpassungen vor allem bei den Parkflächen machen“, erklärt Bürgermeister Lukas Michlmayr. Ursprünglich hätte man die für die Anlieferung notwendige Rangierfläche beim Heizwerk auch als Parkplatz für das Blaulichtzentrum nutzen wollen.

Dass die Fernwärme GmbH vom geplanten Standort Abstand nimmt, ist für die „Bürgerinitiative für eine saubere & zukunftsorientierte Wärmeerzeugung in Haag“ eine „sehr positive Nachricht“. Zufrieden geben will man sich mit diesem Erfolg aber nicht.

„Für uns ist das ein unakzeptabler Weg, dass man schon von der Suche nach einem neuen Standort spricht.“Stefan Gabriel

„Das ist ja nicht unsere einzige Forderung“, stellt Stefan Gabriel klar. „Für uns ist das ein unakzeptabler Weg, dass man schon von der Suche nach einem neuen Standort spricht. Wir fordern von der Gemeinde zuvor die Erstellung eines Konzepts, ob eine Strategie zur Wärmeerzeugung mittels Biomasse zukunftsträchtig ist. Eine Alternative wäre eine emissionsfreie Wärmepumpe“, ergänzt Gabriel.

Dies sieht Paul Latschenberger anders. „Vor einigen Wochen ist Europa nur knapp an einem Blackout vorbeigeschrammt. Wir werden nicht im Winter auf Wärmepumpen umstellen. Wo kommt denn der Strom her?“, erklärt er, dass man nur den geplanten Standort aufgegeben habe, aber an den Plänen für ein Heizwerk festhalte.

Für die Bürgerinitiative sind Wärmepumpen jedoch die Zukunft. „In den nächsten zehn Jahren wird sich bei der Stromerzeugung viel tun. Experten sagen, dass Wärmeerzeugung mittels Biomasse eine überholte Technik ist“, betont Stefan Gabriel. Dass das Sicherheitszentrum nun durch die wegfallenden Synergien teurer werden dürfte, müsse man, so die Meinung der Familie Gabriel, hinnehmen. „Gesundheit ist das Wichtigste. Das kann kein Geld der Welt aufwiegen“, erklärt Isabella Gabriel dazu.

Die Unterschriftenaktion läuft trotz des ersten Zwischenerfolgs weiter. Mittlerweile sind bereits mehr als 500 Unterschriften zusammengekommen.