Außergewöhnlich: Eine Wikingerin in Wolfsbach. Marlene Zehetner-Brauer liebt nicht nur Mittelalterfeste, sondern ist auch naturverbundene Imkerin mit 14 Bienenstöcken und trägt manchmal Goldhaube.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 17. Oktober 2020 (06:19)
Marlene Zehetner-Brauer (rechts) mit ihren Kriegern. Schließlich werden bei den Mittelalterfesten auch Schlachten nachgestellt.
privat

Sie hat ein Faible für Altes und erfährt auch gerne die dazugehörigen Geschichten. So haben es ihr das Mittelalter und im Speziellen die Wikinger besonders angetan.

Beim Besuch eines Mittelalterfestes im Jahr 2008 sprang der Funke endgültig über und aus einem Freundeskreis, der zuvor nur Fahrgemeinschaften gebildet hatte, wurde der Verein des Mjöllnir-Clans gegründet, wobei Mjöllnir „Hammer des Kriegsgotts Thor“ bedeutet.

Die Imkerin Marlene Zehetner-Brauer bei einigen ihrer Bienenstöcke im weitgehend naturbelassenen Garten.
Penz

Dieser Verein lässt die Zeit der Wikinger wieder aufleben, etwa im Tragen historischer Gewandungen – wo Marlene Zehetner-Brauer als Schneiderin viel dazu beigetragen hat –, oder im Ausüben von Berufen wie denen des Lederers, Knochenschnitzers, des Punzierers, Schmiedes, Steinmetzes, Schwertmeisters oder Runengelehrten.

„An Freitagen werden gemeinsam die Lagerzelte und das Sonnensegel aufgebaut und dann leben wir ein Wochenende lang wie die Wikinger vor rund 1000 Jahren: Es werden alte Handwerke ausgeübt, am offenen Feuer Eintöpfe gekocht oder sogar Räucherlachs am Brett zubereitet“, schwärmt Marlene, die sich dann übrigens Kara nennt.

Auch das Feuermachen mit Zunderschwamm oder Feuersteinen sowie Waffenkunde und Schiffsbau gehören dazu und werden vorbeikommenden Besuchern erklärt. Das Wissen über die Wikingerzeit haben sich die elf Vereinsmitglieder aus Fachliteratur, dem Internet oder beim Besuch von Museen angeeignet.

„Jedes Mitglied hat sein Spezialgebiet aus der Zeit der Wikinger, bei mir sind es die Kleidung und die Rolle der Frau. Aus dem Verein ist seit Corona wieder ein Freundeskreis geworden, „es ist für uns alle ein kurzes Aussteigen aus der Hektik des Alltages, wir leben dabei unsere Sehnsucht nach Rückzug aus“, begründet Zehetner-Brauer die zeitlich begrenzte Lebensweise ihrer Gesinnungsfreunde.

Von Natur im Garten bis zur Goldhaube

Für die naturverbundene gebürtige Aschbacherin ist aber auch die Imkerei zu einer Lebensaufgabe geworden, betreut sie doch 14 Bienenstöcke und gestaltet sie ihren von „Natur im Garten“ ausgezeichneten Garten überaus bienenfreundlich, indem sie die notwendigen Blüher oder auch 35 verschiedene Kräuter angepflanzt hat und Vorratswirtschaft betreibt. Auch diese Betätigung bedeutet für sie Entschleunigung, wenngleich als Jahresprojekt derzeit der Abschluss als Facharbeiterin für Bienenwirtschaft unmittelbar bevorsteht. Marlene lebt im Einklang mit der Natur, erspürt die Erde und möchte ihr nicht mehr nehmen, als sie ihr auch zurückgeben kann.

Marlene Zehetner-Brauer ist zudem Mitglied in der örtlichen Spinnrunde: Spinnen, Musizieren, gemeinsames Singen in Pflegeheimen der Umgebung ist ihr wichtig. Nicht genug damit, sie hat sich auch noch eine Goldhaube gestickt und ein dazu passendes Bürgerkleid genäht; als „Herr zur Goldhaube“ marschiert dann in der Goldhaubengruppe ihr Gatte Henning aus Usedom an ihrer Seite. Ihre Kreativität beweist sie auch in der Herstellung von Zwirnknöpfen und Brandmalerei. „Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche!“ – Diesen Spruch Gustav Mahlers hat Marlene für sich verinnerlicht, und den versucht sie auch zu leben!