Solidarität stärker als Angst. Das Coronavirus hat auch das Amstettner Frauenhaus sehr gefordert. Mittlerweile hat sich die Anzahl der Anfragen aber wieder normalisiert.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 24. Mai 2020 (03:45)
Die Corona-Wohnung steht Frauen zur Verfügung, die sich in Quarantäne befinden. Frauenhaus
Die Corona-Wohnung steht Frauen zur Verfügung, die sich in Quarantäne befinden.

„Es war wirklich heftig“, berichten Maria Reichartzeder und Eveline Atschreiter vom Frauenhaus, dass sie in den ersten Wochen der Corona-zeit besonders viele Anfragen hatten. „Aber es ging nicht immer ausschließlich um Gewalt, sondern auch um Fragen, was Frau in dieser schwierigen Situation tun kann und woher sie Hilfe bekommt.“ Einige Anfragen gingen um problematische Familiensituationen, aber auch da konnten die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen zum Teil vorübergehende Lösungen finden. „Manchmal konnten wir allein schon durch gut zuhören helfen.“

Zudem gab es im Frauenhaus auch einige Aufnahmen von Frauen und Kindern, die nach telefonischer Abklärung erheblich gefährdet waren. Zugegeben eine Herausforderung für das Frauenhaus-Team, weil zusätzliche Entscheidungen getroffen werden mussten. „Wie schützen wir die Bewohnerinnen und Kinder? Wie können wir das Infektionsrisiko minimieren? Wen müssen wir besonders schützen? Wie soll der Betrieb funktionieren, wenn das Virus ins Haus gebracht wird? Welche Regeln stellen wir hausintern auf und wie werden sie angenommen? Das war anfangs echt heftig“, gesteht Maria Reichartzeder.

Und es gab natürlich auch die Frage: „Wie schützen wir uns selbst? Es wurde und wird versucht, den entsprechenden Abstand zu halten, aber wir haben bis zu elf Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren bei uns wohnen, da ist es kaum möglich, ständig alle Maßnahmen einzuhalten. Wir hatten außerdem einige Kolleginnen mit einem erhöhten Risiko und haben sie dann ersucht, nicht mehr in die Arbeit zu kommen. Die Familie einer Kollegin war erkrankt und sie musste natürlich in Quarantäne. Zudem hatten so gut wie alle Kinder im Haus zu Beginn der Krise Husten und Fieber. Es war zu spüren: die Angst ging um.“

Trotz allen Herausforderungen sei es schön zu sehen gewesen, dass die Frauenhaus-Bewohnerinnen, Frauen und Kinder die neu dazugekommen sind, trotz der Gefährdung durch Covid-19 gut in die Gemeinschaft aufnahmen. Die Solidarität war stärker als die Angst. Trotz Corona sind auch einige Frauen ausgezogen, erzählen die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen. „Zum Teil in eine eigene Wohnung. So wurden wieder Plätze frei.“

Viel Unterstützung von außen

Besonders erfreulich ist, dass das Frauenhaus auch Unterstützung von außen in dieser Zeit erhält. „Da wir auch gewaltbetroffene Frauen, die sich in Quarantäne befinden, aufnehmen wollen, hat die Stadtgemeinde Amstetten eine nette, kleine Gemeindewohnung kurzfristig und unkompliziert an uns vermietet. Der Verein ‚HELP me‘ hat die Kosten für die Einrichtung mit gebrauchten, aber sehr schönen Möbeln bezahlt. Die Wohnung war innerhalb einer Woche bezugsfertig.“ Darüber hinaus hat der Verein „Amstettner Kinderglück“ für die Kinder des Frauenhauses zwei neue PCs zur Verfügung gestellt, damit sie dem Homeschooling nachgehen können. Und eine Gemeinderätin hat für eine ehemalige Bewohnerin gespendet, die existenziell von der Krise betroffen war.

In der Zwischenzeit hat sich die Anzahl der Anfragen an das Frauenhaus-Team wieder normalisiert und schon der Alltag ist fast wieder eingekehrt. Momentan befinden sich neun Frauen und neun Kinder im Haus.