„Team Haag“ hilft Risikogruppen durch die Coronakrise. Mit Kurt Reitzinger koordiniert ein Profi den ehrenamtlichen Hilfs- und Bringdienst für die Risikogruppen.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 24. März 2020 (04:56)
Kurt Reitzinger (2. von rechts) hat die Organisation des von Bürgermeister Lukas Michlmayr (rechts) ins Leben gerufenen „Team Haag“ übernommen. Thomas Riener (links) ist einer der Freiwilligen, der dem Aufruf zur Mithilfe folgte. Feuerwehrkommandant Andreas Zöchlinger (2. von links), der Zivilschutzbeauftragte der Gemeinde, versorgte die Freiwilligen mit ausreichend Desinfektionsmittel.
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Am vergangenen Montag liefen am Gemeindeamt die Telefone heiß. Ältere Gemeindebürger und Angehörige von Personen aus der Risikogruppe, die nicht in der Stadt wohnen und daher nicht direkt helfen können, äußerten ihre Sorgen und Probleme, die die Coronakrise für sie mit sich bringt.

„Es ist wichtig, dass die Risikogruppe jetzt zu Hause bleibt. Wir haben den ganzen Montag daran gearbeitet und uns ein System überlegt, dass sie das auch tun kann“, erklärt Bürgermeister Lukas Michlmayr. Er initiierte das „Team Haag – Wir schaun’n auf dich“ und startete via Facebook einen Aufruf, um Freiwillige für den ehrenamtlichen Hilfs- und Bringdienst für Lebensmittel und Medikamente zu gewinnen. Und dieser war erfolgreich. Bereits nach einem halben Tag hatten sich 30 Freiwillige gemeldet. „Das sind Personen, die derzeit wegen einer Betriebsschließung nicht arbeiten, Selbstständige und Studenten“, weiß der Stadtchef.

„Habt keine Scheu, uns anzurufen. Ihr fallt niemandem zur Last.“Bürgermeister Lukas Michlmayr richtet einen Appell an die Risikogruppe, das Angebot des „Team Haag“ auch in Anspruch zu nehmen.

Für die Koordination der Freiwilligen konnte Michlmayr mit Kurt Reitzinger einen Profi gewinnen. Für den ehemaligen Geschäftsführer des Haager Theatersommers, der seit zehn Jahren als Verantwortlicher für das Edutainment auf Kreuzfahrtschiffen in der ganzen Welt unterwegs ist, war es selbstverständlich, zu helfen: „Die ganze Schiffindustrie steht derzeit. Daher habe ich Zeit, mich der guten Sache zu widmen. Ich hoffe, dass die Leute sich auch trauen, anzurufen.“ Angehörige der Risikogruppen – also ältere Menschen, chronisch Kranke, aber auch Personen in (Selbst-)Quarantäne – können sich bei der Notfallhotline unter 07434/ 42423-91 melden, wenn sie Besorgungen brauchen.

„Sie schreiben eine Einkaufsliste und geben diese gemeinsam mit dem Geld in ein Einkaufssackerl, das sie auf die Haustüre hängen. Wir holen das, kaufen ein und stellen alles samt Restgeld wieder vor der Türe ab“, erklärt Reitzinger das Prozedere. Für die Einkaufsfahrten stellt die Gemeinde ein E-Auto zur Verfügung.