Bezirk Amstetten: Bierführer sind wieder auf Achse. Brauerei hofft mit dem Aufsperren der Gasthäuer ebenso auf steigenden Absatz wie der Kastner-Markt und Mostbaron Datzberger.

Von Christian Eplinger und Katharina Kreisa. Erstellt am 19. Mai 2021 (05:18)
Thomas Luftensteiner, Standortleiter der Kastner-Filiale in Amstetten, freut sich über die Öffnung der Gastronomie.
Kastner GESmbH, Kastner GESmbH

Viele Monate lang hat man sie im Ortsbild vermisst – die Bierführer der Brauerei Wieselburg oder von kleineren privaten Brauereien, die ihre Wirte, Gasthäuser oder Hotels mit Getränken versorgen. Seit zwei Wochen sind sie wieder im Einsatz. Die Lager gehören aufgefüllt und im Gegenzug die noch vorhandene letzte „Altware“ abgeholt.

„Natürlich ist es positiv, dass das Geschäft wieder angelaufen ist, wenngleich die Bestellungen noch etwas verhalten sind. Die Wirte sind abwartend. Sie wissen ja auch nicht genau, was auf sie zukommt und wie die Gäste auf die Maßnahmen reagieren“, schildert Manfred Nurscher, Verkaufsdirektor der Brauerei Wieselburg im NÖN-Gespräch.

Brauerei: Arbeit nimmt sukzessive wieder zu

Aufatmen heißt es auch bei den Mitarbeitern der Brauerei Wieselburg. Immerhin waren sie seit einem halben Jahr in Kurzarbeit. Jetzt nimmt die Arbeit sukzessive wieder zu. „Zwar ist die Flaschenfüllanlage normal weitergelaufen, aber die Fassfüllanlage war von November bis April stillgelegen“, weiß Nurscher.

Der Gastrobereich hat bei der Brau Union, deren Marktanteil im Mostviertel zwischen 70 und 90 Prozent liegt, einen Umsatzanteil von 35 Prozent. „Nicht vergessen darf man, dass uns neben den Festen auch immer noch die komplette Nachtgastronomie fehlt“, sagt Nurscher.

Auch an der Kastner Abholmarkt- und Gastrodienst GesmbH in Amstetten ging die Corona-Pandemie nicht spurlos vorbei. Durch die Schließung der Gastronomie gab es Rückgänge bei den Großkunden. Ansonsten stark nachgefragte Produkte wurden zu Ladenhütern und drohten zu verderben.

Aufgrund von Kooperationen mit dem Sozialmarkt in Amstetten und dem Tierpark Buchenberg in Waidhofen konnte allerdings der Großteil der Lebensmittel gespendet und sinnvoll verwendet werden. Durch die Öffnung des Marktes für Letztverbraucher kamen vermehrt Kleinkunden zum Einkaufen, besonders Hygieneartikel und Verpackungsmaterialien entwickelten sich zu Verkaufsschlagern.

„Der positive Spirit in der Kastner Gruppe hat uns bei der Bewältigung dieser Krise beflügelt und auf Kurs gehalten“, sagt Standortleiter Thomas Luften steiner. Das Personal wird nun aus der Kurzarbeit genommen und die Lagerstände werden stark aufgestockt, damit der gesteigerte Bedarf der Gastronomie gedeckt werden kann. Die Mitarbeiter werden wöchentlich getestet. Im Markt gelten sowohl die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln als auch die Maskenpflicht.

„Es gibt eine sehr positive Resonanz auf die bevorstehende Öffnung und auch eine dementsprechende Kaufbereitschaft der Gastronomie. Das stimmt uns für die nahe Zukunft äußerst positiv“, betont Luftensteiner.

Stadtluft Gin war auch im Lockdown gefragt

Die vergangenen Monate sind auch im Ab-Hof-Laden des Seppelbauers Bernhard Datzberger in Pittersberg Corona-bedingt ruhig verlaufen. Fehlende Feierlichkeiten machen sich bemerkbar. So fand der beliebte Frizzante nicht so reißenden Absatz wie gewohnt. „Unser großer Retter ist der Stadtluft Gin. Dieser ist in Billa Plus Märkten sowie in Billa und Spar Gourmet Filialen und in vielen kleinen Lebensmittelgeschäften in und rund um Amstetten erhältlich. Dort kennen uns die Leute“, sagt Datzberger stolz.

Der größte Abnehmer ist der Abholmarkt – und Gastrodienst Kastner Gesmbh. Dort werden Frizzante, Cider, Most und Schnaps verkauft. Die Wirte, die das Familienunternehmen beliefert, sind Richtung Ybbs, Mauthausen und Göstling breit verstreut. Die Kunden wurden kontaktiert und bereits vergangene Woche mit frischen Köstlichkeiten beliefert.

„In Vor-Corona-Zeiten hatten wir wöchentlich bis zu drei Verkostungen mit Reisebussen vorwiegend aus Österreich, aber auch aus Deutschland. Im ganzen letzten Jahr konnten wir insgesamt nur fünf durchführen“, klagt der Mostbaron. Ein Lichtblick ist der Grüne Pass. „Ziel ist es, die Verkostungen in Kleingruppen in unserem renovierten Ab-Hof-Laden durchführen zu können. Geplant sind mehrere Ständer, sodass die Gruppen in keinen Kontakt miteinander kommen und einem Corona-konformen Genießen nichts im Weg steht“, sagt Datzberger.

Der Staat bietet finanzielle Unterstützung. „Unser Absatz ist monatlich variabel, weshalb wir nur teilweise in die gesetzlichen Vorschriften dafür hineinfallen“, berichtet der Mostbaron. Durch die Corona-Pandemie haben viele Wirte auf rein regionale Produkte umgestellt, weshalb sich der Seppelbauer über neue Kundschaften freut und ganz besonders auf das Aufsperren der Gastronomie.