„Don Quijote“: Poetisches Welttheater in Haag. Ideenreiche Uraufführung von Miguel de Cervantes „Don Quijote“ mit Intendant Christian Dolezal in der Hauptrolle beim Theatersommer Haag.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 11. Juli 2017 (03:48)
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Don Quijote ist zur Freude seines Dieners Sancho Panza, dessen Gattin Theresa, Meister Nicolas und Pedro Perez (Erwin Ebenbauer) erwacht. Der Kampf gegen eine Schafherde brachte ihn an den Rande des Todes.

Es dauert eine kleine Weile, bis die poetische Sprache voll zu greifen beginnt: Aber dann ist man mitten drin in einer Welt voller Rätsel und Geheimnisse. Die Geschichte des Don Quijote, in einer Uraufführung von Nicolaus Hagg, nach Miguel de Cervantes in der Regie von Stephanie Mohr wird auf eine lustvolle und poetische Weise erzählt.

Wie unglaublich wichtig es ist, seine Träume ernst zu nehmen und nach diesen zu leben, bestätigte auch Landesrätin Barbara Schwarz, die die Eröffnung des diesjährigen Haager Theatersommers vornahm. „In der Schulzeit schien Don Quijote für mich ein Verrückter zu sein, der nicht wusste, wohin er will. Später im Leben wurde mir aber klar, dass Träume und Visionen ein wichtiger Antrieb unseres Daseins sind.“

Moderne Bühnenfassung des Mammutromans

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Wagemutig reiten Don Quijote (Christian Dolezal) und sein treuer Diener Sancho Panza (Thomas Mraz) über den Himmel.

Doch zurück zum Stück: Nicolaus Haag versucht nicht, Don Quijote historisch zu interpretieren, er schuf stattdessen eine moderne Bühnenfassung. Die Aufgabe, die weitschweifende Handlung des Romans in ein fesselndes Theaterstück zu verwandeln, ist eine gewaltige. Haag konzentriert sich darauf, wie die Umgebung auf jemanden reagiert, der nicht nach ihren Wünschen lebt.

Bundesrat Andreas Pum kann sich auch an eine Zeichentrickverfilmung im Fernsehen erinnern, die er in seiner Jugend gesehen hatte. „Die war unterhaltsam, es fehlten aber natürlich die großen Hintergedanken.“

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Sind die Bücher schuld an Don Quijotes Fantasien? Meister Nicolas (Reinhold G. Moritz), Theres Panza (Pilar Aguilera) und Samson Carrasco (Dennis Cubic) wollen sie jedenfalls deshalb verbrennen.

Bei der Inszenierung in Haag geht es natürlich um weit mehr, als nur einfache Unterhaltung. Zwei Sätze prägen die Vorstellung. „Es ist nichts, was es ist und jeder hat das Recht, in seiner Welt zu leben, die er sieht“ und „Toleranz zu üben und nicht auf den ersten Blick zu urteilen.“ Beide Aussagen haben auch in unserer Zeit ungebrochene Aktualität.

Alles in allem spürt man den konzeptvollen Faden von Regisseurin Stephanie Mohr und man fühlt auch den Weltschmerz des Titelhelden.

Ensemble glänzte mit intensiver Darstellung

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Nach acht Jahren hat Dorothea (Magdalena Kronschläger) ihren totgeglaubten Geliebten Samson (Dennis Cubic) wiedergefunden.

Das Ensemble glänzte durch eine fesselnde und intensive Darstellung. Schauspieler und Filmemacher Manfred Dungl, vielen noch bekannt von seiner tollen Regiearbeit mit den Kindern und Jugendlichen beim Theatersommer Haag, bringt es auf den Punkt. „Durch die großartigen Darsteller wird die Geschichte von Don Quijote, der in einer imaginären Scheinwelt lebt und einen aussichtslosen Kampf gegen die Mühlen führt, zum Theatererlebnis.“

Hervorzuheben sind natürlich Christian Dolezal als Don Quijote, Thomas Mraz als Sancho und Magdalena Kronschläger als Dorothea.

Die Bühnenausstattung von Miriam Busch ist – nun ja – vor allem zweckmäßig. „Die Figuren dürfen darin wie Zeichnungen von Picasso agieren“, sagt der bekannte Maler und Zeichner Johann Jascha.

Das Premierenpublikum spendete lang anhaltenden Applaus.