Streit: Autos in Haag zerkratzt. Ein 49-Jähriger beschädigte mehrere Autos seiner Nachbarn. Eine Zeugin sorgt für eine überraschende Wendung.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:04)
Gericht Symbolbild
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Von Zolnierek, Shutterstock.com

Böses Erwachen für eine Haager Familie Ende Juni 2020: Der Briefkasten ist zertrümmert, mehrere Autos, die vor dem Haus parken, sind zerkratzt. Bei einem davon sind zwei Scheiben eingeschlagen.

Der Nachbar, der es gewesen sein soll, steht jetzt vor Gericht und ist geständig – teilweise. Den Briefkasten hat er zerstört, sagt er, und auch die Seitenscheiben. Der Grund: Streitereien mit den Nachbarn. Zerkratzt habe er aber keinen der Wägen.

Der Verteidiger hat die Ladung einer Zeugin beantragt. Die 17-Jährige, die ebenfalls in der Nähe wohnt, soll den Mann entlasten. Mit leiser Stimme erzählt sie, dass sie ungefähr zum selben Zeitpunkt mitten in der Nacht loszog, um Autos derselben Familie mit ihrem Hausschlüssel zu zerkratzen. Auch hier dürfte es Streitigkeiten gegeben haben. Da die Polizei nichts machte, habe sie es selbst in die Hand nehmen wollen, so die 17-Jährige.

Angeklagter erhält die niedrigstmögliche Strafe

Der Richter glaubt ihr zuerst nicht. Weil sie mit der Tochter des Angeklagten befreundet ist und erst kurz vor dem Prozess (also über ein Jahr nach dem Vorfall) damit zur Polizei ging. Sie habe ein schlechtes Gewissen gehabt und es aufgeschoben. Dass jemand wegen ihr verurteilt wird, wolle sie nicht. Laut Gutachter kann es durchaus sein, dass zwei der vier beschädigten Autos von ihr zerkratzt wurden.

Der Richter spricht den Angeklagten im Zweifel von diesen beiden Anklagepunkten frei. Doch eines der Autos hat der Mann definitiv demoliert: mit einem Müllsack voller Metallreste, die er über das Wagendach gezogen hat. Dabei haben ihn Zeugen gesehen. Dass der Verteidiger versucht, auch das der 17-Jährigen anzuhängen, lässt der Richter nicht durchgehen. Aufgrund seiner Schulden und Sorgepflichten und weil er keine Vorstrafen hat, erhält der Angeklagte 720 Euro Geldstrafe. Das Urteil ist rechtskräftig.