Fernwärme ist in Haag „die beste Lösung“. Externe Sachverständige kamen zu dem Schluss, dass Wärmepumpen für die gemeindeeigenen Gebäude nicht geeignet sind.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:35)
Fernwärme Haag
Der von der Fernwärme Haag GmbH vorgeschlagene Standort für das Biomasse-Heizwerk bei der B42-Abzweigung Richtung Wolfsbach könnte nun doch wieder aktuell werden. Wer der Betreiber sein wird, wird mittels öffentlicher Ausschreibung ermittelt. 
Fernwärme Haag GmbH

Dass die gemeindeeigenen Gebäude künftig nicht mehr mit Öl oder Gas geheizt werden sollen, darüber war sich der Haager Gemeinderat bereits im Dezember 2018 einig.

Damals wurde einstimmig beschlossen, dass eine Haager Fernwärmegesellschaft gegründet werden soll und Schulen, Kindergärten, Bezirksgericht und das geplante Blaulichtzentrum angeschlossen werden sollen. Zwei Jahre lang wurde dann seitens des Betreibers, der Fernwärme Haag GmbH mit Geschäftsführer Paul Latschenberger, geplant und nach einem geeigneten Standort gesucht.

Der erste Standort unterhalb des Seniorenzentrums wurde im Februar dieses Jahres wieder fallengelassen, weil sich Widerstand aus der Bevölkerung regte und von der Familie Gabriel die „Initiative für eine saubere & zukunftsorientierte Wärmeerzeugung in Haag“ gegründet wurde, die Unterschriften gegen das Projekt sammelte.

Sie sprach sich wie auch die „Liste für Haag“ für den Einsatz von Wärmepumpen aus. Auch der im März vorgestellte Alternativstandort für ein Biomasse-Heizwerk bei der B42-Abzweigung Richtung Wolfsbach erhitzte weiterhin die Gemüter.

Klarheit über die künftige Wärmeerzeugung sollte daher ein Arbeitskreis unter dem Vorsitz von Infrastrukturausschuss-Obmann Martin Huber (Liste für Haag) bringen, bei dem auch Stefan Gabriel von der Bürgerinitiative eingebunden war. Der Arbeitskreis engagierte einen unabhängigen Energiesachbearbeiter, der alle in Frage kommenden Gebäude genau unter die Lupe nahm.

„Das Gebäude von Volksschule und HLW ist das einzige, das wärmepumpenfähig wäre“ Martin Huber

Die rund 80 Seiten starke Studie wurde dem Gemeinderat nun am vergangenen Mittwoch präsentiert. „Das Gebäude von Volksschule und HLW ist das einzige, das wärmepumpenfähig wäre“, fasste Martin Huber die Ergebnisse, die für den Einsatz von Fernwärme sprechen, zusammen. Bei einigen Gebäuden wäre eine thermische Sanierung notwendig.

Danach wären theoretisch alle Gebäude bis auf zwei wärmepumpenfähig. „Aber es wäre nicht überall Platz für Wärmepumpen und außerdem wären die sehr laut“, gab Huber zu bedenken. So bräuchte man beispielsweise den Sportplatz, um Wärmepumpen für die Mittelschule nutzen zu können.

Der „Arbeitskreis für zukunftsorientierte Wärmeerzeugung in Haag“ kam daher zum Schluss, dass „der Anschluss an die Fernwärme die beste Lösung für die Gemeinde“ sei. Diese Empfehlung übergab man auch dem Gemeinderat. Neben einer groben Zeitschiene mit Umsetzung bis 2022/23 definierte der Arbeitskreis auch einige Kriterien, die der künftige Anbieter erfüllen müsse.

So müsse die Fernwärme dem letzten Stand der Technik entsprechen und bessere Filter als rechtlich vorgeschrieben – wie zum Beispiel Elektrofilter – eingesetzt werden. Das Heizwerk dürfe keinen geografisch ungünstigen Standort wie etwa eine Kessellage – wie beim ursprünglich geplanten Standort unterhalb des Seniorenzentrums – haben.

Außerdem müsse eine frühestmögliche Kontaktaufnahme des Fernwärme-Betreibers mit Anrainern und Betroffenen erfolgen. Und dieser Fernwärme-Betreiber könnte nicht die Fernwärme Haag GmbH sein, denn der Betreiber soll in einem Wettbewerb mehrerer Anbieter mittels öffentlicher Ausschreibung ermittelt werden. Mit zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen – jeweils von Mandataren der „Liste für Haag“ – wurde der Grundsatzbeschluss zur Fernwärme für gemeindeeigene Gebäude letztendlich beschlossen.

Auch wenn der externe Sachverständige dem Umstieg auf Wärmepumpen eine Abfuhr erteilt hat, ist die „Initiative für eine saubere & zukunftsorientierte Wärmeerzeugung in Haag“ glücklich über den Gemeinderatsbeschluss.

„Das ist definitiv ein Erfolg“, ist Stefan Gabriel zufrieden, dass sämtliche Objekte genau angesehen wurden und die Causa „sauber und transparent beleuchtet“ wurde, was ja eine Forderung der Initiative an die Gemeinde war. Nun gelte es, das Ergebnis offen zu transportieren. „Es geht nicht anders, das muss man den Leuten erklären. Wir sind bereit, gemeinsam auf die Anrainer zuzugehen“, erklärt Gabriel. Bürgermeister Lukas Michlmayr hielt sich – wie schon im Vorfeld – auch diesmal mit Kommentaren zur Causa Fernwärme-Heizwerk zurück.

„Es ist immer darum gegangen, dass wir weg von Gas und Öl kommen. Dafür haben wir Fernwärme präferiert. Jetzt freut es mich, dass das Konzept der Fernwärme nach einer zusätzlichen Überprüfung durch externe Berater aufgegriffen wird und die Gemeinde somit einen Beitrag zum Umweltschutz leistet“, erklärt der Stadtchef, der das bereits vorhandene Fernwärme-Konzept nun bestätigt sieht. Schließlich habe man die Situation ja auch in den letzten Jahren immer schon analysiert, betont Michlmayr.