Neuer Provisor für Stadtpfarre: „Ich tu, was ich kann“. Kaplan Nikolaus Vidovic wird bis zum Sommer die Stadtpfarre leiten. Sein Schwerpunkt liegt auf Spiritualität und dem inneren Pfarraufbau.

Von Sabine Hummer. Erstellt am 09. Februar 2017 (04:56)
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Nikolaus Vidovic leitet vorerst die Stadtpfarre Haag als Provisor. Ob er in Haag bleibt, wird sich im Sommer entscheiden.
NOEN, Sabine Hummer

101 Tage lang war Nikolaus Vidovic Kaplan in Haag. Eine schöne Zeit, in der er die Menschen, die Stadt und die ganze Region lieb gewinnen konnte. Dann kam der Schock. Völlig unerwartet wurde Stadtpfarrer Karl Schlögelhofer am 12. Jänner aus dem Leben gerissen (die NÖN berichtete).

Pfarrhof: „Waren eine richtige Familiengemeinschaft“

„Sein Tod war sehr schockierend für mich“, trauert der 43-Jährige mit der Haager Bevölkerung mit. „Ich habe nicht nur einen Vorgesetzten verloren, sondern auch einen Freund. Wir kannten uns aus dem Priesterrat bereits fünf Jahre und haben uns vom ersten Augenblick an gut verstanden.“ Pfarrer Schlögelhofer sei die Gemeinschaft im Pfarrhof sehr wichtig gewesen. „Gemeinsam mit der Haushälterin und dem Pastoralassistenten waren wir eine richtige Familiengemeinschaft.“

Durch den Tod Schlögelhofers wurde der Kaplan zum Provisor der Stadtpfarre bestellt – eine herausfordernde Aufgabe. „Ich tu, was ich kann. Fad wird mir nicht, aber dafür bin ich auch da, um den Menschen beizustehen“, sagt Vidovic, der aus Reutlingen bei Stuttgart (Deutschland) kommt und kroatisch-ungarische Wurzeln hat.

Von Kindesbeinen an sei es sein Wunsch gewesen, Priester zu werden. „Dieser Berufswunsch ist aber in meiner Familie nicht so gut angekommen, vor allem mein Vater war sehr dagegen“, erzählt Vidovic, der sich letztendlich aber durchsetzen konnte. „Mit achtzehneinhalb Jahren bin ich ins Franziskanerkloster in Zagreb (Kroatien) eingetreten.“ Nach seinem fünfjährigen Theologie-Studium wechselte der junge Mönch 1998 zur Wiener Franziskanerprovinz.

„Ich wurde von einem Pater dieser Provinz nach Österreich eingeladen. Es hat mir gleich gefallen, außerdem war die Sehnsucht nach dem deutschen Sprachraum groß“, erinnert sich Vidovic, der sein Studium in Graz beendete und das Pastoralpraktikum in Güssing absolvierte. 2000 wurde er zum Priester geweiht und nach St. Pölten versetzt, wo er die Kaplanstelle in der Franziskaner-Pfarre annahm.

 Ich könnte gut mit Haag leben. Die Frage ist halt, ob die Haager auch mit mir auskommen. Es ist schließlich ein Miteinander.Provisor Nikolaus Vidovic 

2005 trat Nikolaus Vidovic aus dem Kloster aus und wechselte in die Diözese St. Pölten. „Ich hätte im Kloster Aufgaben übernehmen müssen, denen ich mich nicht gewachsen sah. Die Arbeit mit Menschen war mir wichtig, was mir durch den Wechsel in den weltlichen Priesterdienst möglich wurde“, erklärt der Seelsorger diesen Schritt. Es folgte eine Kaplanstelle in Tulln, ehe er von 2010 bis 2015 Pfarrer in Tulln war.

Ein Jahr der Klärung verbrachte der Priester schließlich in Brixen. „Es stellte sich für mich die Frage, ob ich mich doch wieder dem Orden zuwenden sollte. Vor allem die Gelübde, die ich abgelegt hatte, sowie das Charisma des Heiligen Franziskus, das mich immer faszinierte, standen dabei in erster Linie im Mittelpunkt.“ Letztendlich fiel die Entscheidung dafür, den weltlichen Priesterweg einzuschlagen.

Das war auch der Grund, warum er Anfang Oktober 2016 die Kaplanstelle in Haag angetreten hat. „Meine Entscheidung fiel zu spät, um mich mit einer Pfarre zu betrauen. Deshalb wurde ich von der Diözese gebeten, Pfarrer Schlögelhofer als Kaplan zu unterstützen“, erzählt der Provisor, der in Haag sofort freundlich aufgenommen wurde. „Hier ist ein Menschenschlag, der mir sehr entgegenkommt. Es gefällt mir sehr gut in Haag – die Freundlichkeit, Güte und die große Hilfsbereitschaft, die ich hier gleich entdeckt habe.“

Begeisterter Volkstänzer will Schlögelhofer-Erbe weiterführen

Als Provisor will Vidovic, der übrigens ein begeisterter Volkstänzer ist, das Erbe Schlögelhofers weiterführen, zudem vor allem aber den inneren Pfarraufbau und die Spiritualität forcieren.

„Ich will versuchen, geistliche Gruppen zu bilden und geistliche Begleitung anzubieten. Das Familienpastoral mit konkreten monatlichen Messen für Jungfamilien soll aufgebaut werden. Auch das Seniorenpastoral liegt mir am Herzen. Ich will alle Generationen ins Haus holen“, betont der Priester, der dankbar für die großartige Stütze des gesamten Pfarrteams ist.

Bis zum Sommer wird er in Haag bleiben und versuchen, den Riss in der Pfarre, der durch den Tod Schlögelhofers entstand, in Ruhe zu kitten. Seinen künftigen Aufgaben sieht Nikolaus Vidovic mit Gelassenheit entgegen. „Ich könnte gut mit Haag leben. Die Frage ist dann halt, ob die Haager auch mit mir auskommen. Es ist schließlich ein Miteinander.“