Tierpark-Posting sorgte für Aufruhr. Verantwortliche des Haager Tierparks weisen Kritik zurück, dass Gehege zu klein seien und Raubtiere dahinvegetieren.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 03. März 2020 (05:12)
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Im Jahr 2016 wurde das Tigergehege neu gebaut. Sämtliche Gehege im Haager Tierpark entsprechen den gesetzlichen Vorschriften und sind teilweise sogar um 30 bis 50 Prozent größer als vorgeschrieben. Dass viele Raubtiere in den letzten Jahren Nachwuchs bekommen haben, sieht man als Zeichen dafür, dass sich die Tiere wohlfühlen.
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Für einigen Wirbel sorgte in der Vorwoche ein – mittlerweile gelöschtes – Posting in der Facebook-Gruppe „Ausflüge mit der NÖ-Card“. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so ein frustriertes Tier wie diesen Tiger gesehen. In einem viel zu kleinen Gehege war dieses Tier kurz vor dem Durchdrehen. Die restlichen Wildkatzen vegetieren so vor sich hin“, war hier unter anderem (siehe Screenshot unten) zu lesen.

Heftige Kritik, die die Verantwortlichen des Haager Tierparks nicht nachvollziehen können und nicht auf sich sitzen lassen wollen. „Wir halten uns an alle Gesetze, die es gibt. Unsere Gehege erfüllen alle Kriterien. Wir bemühen uns, die Gehege ständig zu attraktivieren und da ist in den letzten Jahren viel passiert. Nur wenige Tierparks haben so tolle Gehege wie wir“, stellt Bürgermeister Lukas Michlmayr, der auch Geschäftsführer des Tierparks ist, klar.

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Dieses Posting in der Facebook-Gruppe „Ausflüge mit der NÖ-Card“ sorgte bei den Verantwortlichen des Haager Tierparks für Unverständnis und Unmut. Mittlerweile ist das Posting gelöscht.
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In Haag habe man keine Betongehege, sondern sogar viele Gehege mit altem Baumbestand, betont Michlmayr. In die gleiche Kerbe schlägt Herbert Stoschek, der am Stadtamt die Tierparkagenden betreut. „Es ist traurig, dass man sich mit solcher Kritik auseinandersetzen muss. Ein Tierpark wird jedes Jahr sehr streng geprüft und das ist auch gut so. Die Gehege müssen ein Mindestmaß an Ausstattung und Größe haben. Wir überschreiten das“, erklärt Stoschek.

Dass die Tiere frustriert seien und vor sich hin vegetieren, weist der zoologische Leiter Karl Auinger aufs Schärfste zurück. „Als wir die Gehege der Raubtiere vor einigen Jahren neu gemacht haben, hatten wir überall Nachwuchs. Das ist ein Zeichen, dass sich die Tiere bei uns wohlfühlen“, gibt er zu bedenken. Seitens des Tierparks habe man auch versucht, mit der Schreiberin des Facebook-Postings in Kontakt zu treten, um ihr manches „von fachlicher Seite“ zu erklären.

„Ich habe der Dame zurückgeschrieben und sie eingeladen. Sie kann auch beim Füttern mit dabei sein“, schildert Auinger. Ein Angebot, das unbeantwortet blieb, was für zusätzlichen Unmut sorgte. „In den sozialen Medien schreibt man schnell etwas hinein. Wenn man dann das Gespräch suchen will, stehen sie nicht dazu“, ärgert sich Lukas Michlmayr.

Michlmayr: "Hunde stressen unsere Tiere"

Für Kopfschütteln sorgte bei den Haagern vor allem die als Kritik am Tierpark gemeinte Aussage der Facebook-Userin, dass ihre Hunde beim Anblick des frustrierten Tigers „Panik beim Vorbeigehen“ bekommen hätten. Dass es sich dabei um „eine ganz normale Reaktion“ eines Hundes handle, wie Tierarzt Auinger verrät, dürfte ihr beim Schreiben der Zeilen nicht bewusst gewesen sein.

„Wenn die Dame ihren Hund besser kennen würde, wäre sie mit ihm nicht in einen Tierpark gegangen“, weist Herbert Stoschek die Kritik zurück. Lukas Michlmayr geht da sogar noch einen Schritt weiter. „Es gibt überhaupt nicht mehr viele Tierparks, wo man Hunde mitnehmen darf, denn die Hunde stressen eigentlich unsere Tiere“, erklärt der Stadtchef. Weil im Gespräch mit Besuchern aber der Wunsch immer wieder geäußert wurde, sind in Haag Hunde weiterhin erlaubt, aber es wird ein Eintritt von vier Euro verlangt.

Obwohl der Ärger über das Facebook-Posting kurzfristig groß war, sieht man die heftige Kritik eher als Einzelfall. 98 Prozent der Rückmeldungen seien positiv, erklärt Herbert Stoschek. Und die Besucherzahlen geben ihm recht. Das sieht auch Lukas Michlmayr so, der sich mit 237.000 zahlenden Besuchern im Vorjahr über einen neuen Besucherrekord freut. „So schlecht kann unser Tierpark also nicht sein, sonst wären nicht so viele Besucher gekommen“, will er sich den Tierpark nicht schlechtreden lassen.