Biberbach: Fernwärme-Verträge unter Dach und Fach. Biberbacher Fernwärme GmbH hat Heizwerk übernommen. Bau des neuen Leitungsnetzes startet noch im April.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 14. April 2021 (04:09)
Bürgermeister Friedrich Hinterleitner (rechts) und Ferwärme-Geschäftsführer Paul Latschenberger bei der Unterzeichnung der Verträge.
Knapp

Am Mittwoch haben Bürgermeister Friedrich Hinterleitner und der Geschäftsführer der Biberbach Fernwärme GmbH, Paul Latschenberger, die Unterschrift unter die Kaufverträge des Fernwärmewerks gesetzt. Es war der letzte Formalakt in einem Prozess, der schon im Herbst des Vorjahres begonnen hat.

Die Gemeinde war damals zur Erkenntnis gekommen, dass eine Sanierung der bestehenden Anlage für sie nicht finanzierbar sei. „Das Land hat uns damals klar gemacht, dass wir nicht die Fördermittel bekommen, die wir benötigt hätten, um diese Investition zu tätigen“, sagt Hinterleitner. So blieb letztlich nur ein Verkauf.

Es gab zwei Angebote: eines von Engie, einem international tätigen Unternehmen in den Bereichen Energie und Gebäudetechnik mit Sitz in Frankreich und eben eines von Paul Latschenberger. Er machte letztlich das Rennen, weil sein Projekt, so Hinterleitner, das technisch ausgereiftere war, und er auch das Versprechen abgab, das gesamte Fernwärme-Leitungssystem im Ort zu erneuern.

„Die Biberbacher sollen die Gewissheit haben, dass die Gemeinde da ist, sollte es zu irgendwelchen Problemen kommen.“ Bürgermeister Friedrich Hinterleitner

Seit Dezember wurde um die Details des Deals gefeilscht. „Wir haben ja die Sondersituation, dass wir unsere Anlage nicht einfach nur verkaufen, sondern im Hintergrund noch ein Mitspracherecht haben wollten. Die Biberbacher sollen die Gewissheit haben, dass die Gemeinde da ist, sollte es zu irgendwelchen Problemen kommen. Es braucht sich niemand fürchten, plötzlich ohne Heizung dazustehen, weil wir dann einspringen würden“, sagt der Bürgermeister.

Die Gemeinde hat deshalb auch das Grundstück, auf dem die Anlage steht, nicht verkauft, sondern der Fernwärme Biberbach GmbH im Zuge eines Baurechtsvertrages auf 99 Jahre überlassen. Zudem hat man sich ein Vorkaufsrecht ausbedungen, sollte die Anlage „im allerschlimmsten Fall zum Verkauf kommen. Das ist aber nur ein Worst-Case-Szenario, das nicht eintreten wird. Wir haben das Projekt auch mit einer Wirtschaftskanzlei durchgesprochen und die hat uns bestätigt, dass alle wirtschaftlichen Daten sehr gut ausschauen“, berichtet der Ortschef.

Der Gemeinde war es wichtig, die Kosten für die Fernwärmekunden so niedrig wie möglich zu halten. Eine Art Anschlussgebühr in Höhe von 3.600 Euro brutto müssen sie aber leisten. „In den letzten Monaten haben wir gemeinsam mit der Fernwärme GmbH viele Gespräche mit den betroffenen Bürgern geführt, weil ja mit allen neue Verträge abgeschlossen werden müssen. Es gab viele Diskussionen und viel Erklärungsbedarf, aber letztlich haben sich fast alle dazu entschlossen, auch künftig Fernwärme zu beziehen“, freut sich der Bürgermeister.

Grundvoraussetzung, dass der Deal zwischen Gemeinde und Latschenberger überhaupt zustande kommt, war nämlich, dass 90 Prozent der Kunden einen neuen Vertrag unterzeichnen. „Und das haben wir mittlerweile erreicht. Insgesamt werden künftig 150 Haushalte in Biberbach mit Fernwärme beheizt, darunter natürlich auch alle öffentlichen Gebäude“, berichtet der Bürgermeister.

Die Gemeinde zahlt eine höhere Anschlussgebühr, um die privaten Haushalte zu entlasten. „Wir hoffen aber natürlich, dass wir auch noch eine Förderung bekommen“, sagt Hinterleitner.

Wie wichtig es ist, das Leitungsnetz zu erneuern, zeigt der Umstand, dass der Gemeinde derzeit täglich 2.000 Liter Wasser aus ihrem Netz abhandenkommen. „Wir haben irgendwo ein Leck, das wir bisher aber nicht finden konnten“, berichtet der Ortschef.

Im neuen Leitungssystem wird das dank eines sogenannten „Leckwarndrahtes“ kein Problem sein. Damit wird man eine Bruchstelle auf einen Meter genau lokalisieren können. Überhaupt wird das Heizungssystem bis hinein in die Haushalte elektronisch überwacht. Die Wärmetauscher, deren Anschaffung sowie Reinigung und Wartung bisher Sache der Kunden war, übernimmt die Fernwärme-GmbH. Sie wird alle alten Geräte gegen neue tauschen. Noch ein Zuckerl gibt es für die privaten Kunden: Alle, die im Haus Maßnahmen zur Effizienzsteigerung der Fernwärme setzen, können dafür eine 30-prozentige Förderung in Anspruch nehmen.

In den nächsten Monaten wird sich der Ort Biberbach in eine Baustelle verwandeln, gilt es doch, fünfeinhalb Kilometer Leitungsnetz zu erneuern. Die Arbeiten sollen noch im April starten. „Begonnen wird in Bereichen, wo die Privathäuser für den Notfall noch eine Zusatzheizung haben. Wir hoffen aber natürlich, dass bald wärmeres Wetter kommt und uns auch erhalten bleibt“, sagt Hinterleitner.

Mit dem Umbau des Heizhauses, das auch mit einem neuen Kessel ausgestattet wird, soll im Mai begonnen werden, wenn die Anlage stillgelegt wird. Im Sommer war sie auch bisher immer außer Betrieb. Pünktlich zu Beginn der Heizperiode im Herbst sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Paul Latschenberger betont, „dass durch den Leitungstausch der Wärmeverlust von bisher 27 Prozent auf 14 Prozent vermindert werden kann, was natürlich auch Einsparung von Rohstoff bedeutet“. Amortisieren soll sich die Anlage im Zeitraum von 15 bis 20 Jahren.

Glasfaser: Leerrohre bis in die Häuser

Die Gemeinde nutzt die Grabungsarbeiten im Ort auch gleich dazu, Leerrohre für Lichtwellenleiter bis in die Häuser hinein zu verlegen. „Das heißt, dass wir dann 150 Haushalte haben, die problemlos mit Glasfaser ausgestattet werden können. Wir hoffen, dass wir in den weiteren Ausbauplänen der Landesgesellschaft nöGIG dann rasch zum Zug kommen“, sagt Hinterleitner. Die Ingenieurskanzlei IKW aus Amstetten hat einen Schlüssel errechnet, anhand dessen sich Gemeinde und Fernwärme GmbH die Kosten für die Grabungsarbeiten aufteilen. Neu asphaltiert wird erst 2022.