Wohnprojekt sorgt für Diskussion in Ennsdorf. Ex-Gemeinderat Ludwig Riedl kritisiert Widmung und ortet zu hohe Lärmbelästigung. Die Gemeinde weist die Vorwürfe zurück.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 30. November 2020 (06:50)
Bürgermeister Daniel Lachmayr, die Baumeister Franz und Michael Fröschl sowie Projektbegleiter und Ex-Bürgermeister Alfred Buchberger (von rechts) vor dem Grundstück im Möwenweg, auf dem die Einfamilienhäuser errichtet werden.
privat

Nach einem langwierigen Prozess, der für die Baureifmachung des Grundstücks im Möwenweg notwendig war, errichtet das Bauunternehmen Fröschl dort nun in Eigenregie 15 Einfamilienhäuser mit je 120 Quadratmetern (die NÖN berichtete). Ein Projekt, an dem der ehemalige Gemeinderat Ludwig Riedl kein gutes Haar lässt.

„Es ist richtig, dass es Jahre gedauert hat, die Baureife herbeizuführen. Ich war als Gemeinderat daran schuld, denn diese Widmung widerspricht offensichtlich dem geltenden NÖ Raumordnungsgesetz. Es muss jedem klar sein, dass es nicht sein kann, dass genau dort, wo kein Lärmschutz an der Westbahn ist, jetzt neue Wohnhäuser gebaut werden“, spart der ehemalige Mandatar der Bürgerliste Enns-Donauwinkel nicht mit Kritik.

Ex-Gemeinderat Ludwig Riedl lässt kein gutes Haar an dem Wohnprojekt.
zVg

Vorwürfe erhebt Riedl auch gegen Altbürgermeister Alfred Buchberger, dem er unterstellt, seit Jahren alles unternommen zu haben, „um eine Widmung beim Land durchzubringen“. Selbst nach seiner Bürgermeisterzeit sei er noch mit seinem Nachfolger bei der Schiedsstelle am Land aufgekreuzt, erklärt Riedl. „Mit einer neuen Bauordnung will man dem Gesetz genüge tun. Hierin steht, dass so gebaut werden soll, dass die Belastung minimiert wird. Es wird einfach versucht, die Lärmbelastung von bis zu 75 Dezibel auch in der Nacht als normal hinzustellen.“

„Bewohner werden Lärmschutz fordern“

Ein Dorn im Auge ist Riedl auch, dass Alfred Buchberger als Projektbegleiter fungiert. „Der Altbürgermeister gibt nun den Immobilienguru und will scheinbar die Früchte seiner durch die Gemeinde bezahlten Vorleistungen ernten“, kritisiert Riedl. Den neuen Bewohnern wünscht er angesichts des zu erwartenden Lärmpegels jedenfalls gute Nerven. „Sie werden auf kurz oder lang natürlich einen Lärmschutz fordern, den dann wieder die Allgemeinheit finanzieren muss. Sollte dieser Fall eintreten, werde ich sicher die Gerichte damit befassen. Die Fakten liegen ja als amtliche Korrespondenz bei Gemeinde und Land auf“, verkündet Riedl.

Heftige Kritik, die Alfred Buchberger nicht auf sich sitzen lassen will. „Es ist unrichtig, dass die Gemeinde mit einer neuen Bauordnung dem Gesetz genüge tun will. Als ehemaliger Mandatar und ständiger Beschwerdeführer müsste Herr Riedl eigentlich wissen, dass eine Bauordnung nur vom Land NÖ erlassen werden kann“, kontert er. Darauf aufbauend habe die Gemeinde die Möglichkeit, durch eigene Verordnungen wie eine Aufschließungszone oder einen Teil-Bebauungsplan sicherzustellen, dass die künftige Bebauung den Vorgaben des Landes entspricht. „Diese gemeindlichen Verordnungen werden ebenfalls vom Land geprüft“, stellt der ehemalige Bürgermeister und Amtsleiter klar.

„Widmung vom Land geprüft und genehmigt“

Die Bezeichnung seiner Person als Immobilienguru ist für Buchberger „lächerlich“. „Mein Mitwirken an dem Projekt beschränkt sich darauf, allfällige Anfragen von Interessenten, die sich an die Gemeinde wenden, an das zuständige Immobilienbüro weiterzuleiten. Nachdem die Gemeinde Ennsdorf nach wie vor mein Dienstgeber ist, wobei ich derzeit in der Ruhephase meiner Altersteilzeit bin, und ich mit dem Projekt bestens vertraut bin, habe ich diese Aufgabe gerne übernommen.

Vor allem auch deshalb, weil die Firma Fröschl Mitglied im Verein westwinkel ist und ich als Projektleiter unseren Mitgliedsbetrieben Hilfestellung leiste.“ Persönlich findet es Buchberger traurig, dass sich ein langjähriger Gemeinderat, der jahrelang die Erschließung neuer Baugründe in Ennsdorf bekämpft hat, nicht mit Entscheidungen abfinden kann und „sich vor allem gegen Chancen für junge Familien ausspricht, in Ennsdorf bleiben oder hier sesshaft werden zu können“.

Auch Buchbergers Nachfolger Daniel Lachmayr weist Riedls Kritik aufs Schärfste zurück. „Die Widmung wurde gemäß NÖ Raumordnungsgesetz vom Land geprüft und genehmigt. Der Bebauungsplan stellt eine lärmabschirmende Bebauungsweise sicher. Unser Ziel war es, endlich wieder Bauparzellen für junge Ennsdorfer Familien anbieten zu können“, betont der Ortschef. In Zeiten des Klimawandels sei es durchaus sinnvoll und gewollt, dass in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln Wohnräume entstehen. „Die Familien, mit denen ich in letzter Zeit im Gespräch war, freuen sich jedenfalls schon auf die Realisierung ihrer Wohnträume“, sagt Lachmayr.