Biofleisch aus Weistrach – ab Hof und per Internet. Galloway- und Angusrinder züchtet Helmut Wieser und schwört dabei auf Tierwohl und Qualität.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 04. Oktober 2018 (06:04)
Knapp
Bürgermeister Erwin Pittersberger (links) und Helmut Wieser auf der Weide mit Angusrindern. Im Hintergrund der offene nach Süden ausgerichtete Stall, der den Rindern Frischluft und Sonne sichert.

Mit vier Angus- und zwei Galloway-Kalbinnen hat Helmut Wieser im Jahr 2012 am elterlichen Hof im Nebenerwerb seine Zucht begonnen. Inzwischen stehen 25 Mutterkühe sowie 55 Stück Ochsen und Kalbinnen im Stall seiner „Hofmanufaktur“ und der 34-jährige ist längst hauptberuflich Landwirt. Seine Frau Gabriele (32) ist zwar berufstätig, hilft aber natürlich auch am Hof mit.

Mit Gras, Heu, Klee und Silagen ernährt

Wieser wirtschaftet streng biologisch. Das Fleisch seiner Rinder ist daher auch von Wien bis Salzburg begehrt. Verkauft wird ab Hof oder hier über die genuss-Plattform. „Das Fleisch von Galloway-Rindern ist zarter und weniger marmoriert, das der Angusrinder ist marmorierter und eignet sich sehr gut für Steaks“, berichtet Wieser.

Die männlichen Tiere werden übrigens kastriert, sobald sie rund 100 Kilo schwer sind. Ochsen setzen nämlich mehr Fett an und auch die Qualität ihres Fleisches ist besser. Geschlachtet werden die Tiere zwischen dem 24. und 30. Lebensmonat. Mutterkühe können bis zu 15 Jahren im Stall stehen.

Der Weistracher hatte einleuchtende Gründe sich gerade auf Angus- und Galloway-Rinder zu spezialisieren. „Wir wollten eine hornlose Rasse, die gutes Fleisch liefert und auch das Grundfutter gut umsetzt.“

Wiesers Rinder bekommen kein Kraftfutter und auch keinen Mais und kein Soja. Denn dadurch würden sie zu stark auffetten. Stattdessen werden sie mit Gras von den Weiden, Heu, Klee und Silagen ernährt.

Futter ist heuer ob der Hitze knapp

In normalen Jahren findet Wieser das Auslangen mit dem Futter, das auf seinen 30 Hektar Grund wächst. „Aber wir hatten schon 2015 und 2017 schlechtere Ernten und heuer natürlich auch wieder. Das heißt, dass wir Futter zukaufen müssen“, berichtet der Landwirt. Er hat eine Vereinbarung mit einem Bauern aus der Region, der seine Wiesen auch biologisch bewirtschaftet. „Aber wenn das so weitergeht, werden wir die Zahl unserer Rinder etwas reduzieren müssen“, befürchtet Wieser.

Untergebracht sind die Tiere (die übrigens ursprünglich aus Schottland stammen) in einem Offenfrontstall, der nach Süden ausgerichtet ist. „Sie können also das ganze Jahr Frischluft und Sonnenstrahlen genießen. Auch Minusgrade im Winter stören sie nicht, denn es sind robuste und vitale Rinder“, erklärt der Landwirt.

Die Liegefläche wird im Winter täglich mit Stroh eingestreut. Bei den Laufflächen wurde beim Bau auf Spaltboden verzichtet. „Das macht zwar mehr Arbeit, weil sie täglich gereinigt und mit Sägespänen eingestreut werden müssen, aber dafür haben unsere Rinder gesunde Klauen“, sagt Wieser.

„Mir taugt die Arbeit mit den Rindern“

Der junge Weistracher ist froh, dass er den Schritt zum Viehzüchter gewagt hat. „Mit der Erfahrung, die ich jetzt habe, würde ich manches von Beginn an zwar anders machen, aber grundsätzlich taugt mir die Arbeit mit den Rindern.“

Bürgermeister Erwin Pittersberger freut sich, dass er so engagierte junge Leute in der Gemeinde hat, die es wagen, ein Risiko einzugehen und ihre Träume zu verwirklichen. Er selbst hat ja auch eine enge Verbindung zur Landwirtschaft, weil er am Hof seines Sohnes mithilft. „Das Beispiel von Helmut und Gabriele Wieser zeigt, dass, wer an sich glaubt, seine Ziele auch umsetzen und sich damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann.“