Erstellt am 20. Dezember 2011, 00:00

„Homo erectus“ im Ennstal?. am Lehberg Faustkeile, die nach letztem Forschungsstand etwa 500.000 Jahre alt sind.

Hobbyarchäologe Franz Mitterhuber fand einen weiteren Baustein zur Erforschung der Urgeschichte.HUMMER  |  NOEN
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VON SABINE HUMMER

HAIDERSHOFEN / Bereits im Vorjahr machte der Haidershofner Hobbyarchäologe Franz Mitterhuber mit der Entdeckung von Neanderthaler-Artefakten in Ernsthofen von sich Reden. Doch nun scheint er einen richtigen Sensationsfund gemacht zu haben. „Im Gemeindegebiet hat der Verbund Strommasten verlegt. Mitterhuber suchte deshalb im Vorhinein die betreffenden Stellen ab und fand am Lehberg weitere Artefakte aus der Urgeschichte“, berichtete Bürgermeister Manfred Schimpl im Rahmen der Gemeinderatssitzung. Seitens des Nordico Museums der Stadt Linz, mit dem Mitterhuber zusammenarbeitet, wurde Verbindung mit dem arrivierten Geoarchäologen Alexander Binsteiner aufgenommen, der mit der Untersuchung der Steingeräte beauftragt wurde. Die Faustkeile wurden daraufhin einer eingehenden Materialbestimmung und formenkundlichen Analyse unterzogen. „Ich kann Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt der Untersuchungen, die ich - der großen Bedeutung der Funde wegen - bereits intensiv betreibe, mitteilen, dass ich die Faustkeile vom Lehberg in Haidershofen auf ein Alter etwa zwischen 540.000 und 480.000 Jahren, also auf rund 500.000 Jahre einstufen werde. Hergestellt wurden sie vom Homo erectus, dem Vorgänger des Neandertalers und des modernen Menschen“, erklärt Binsteiner in einem Schreiben an Bürgermeister Manfred Schimpl. Diese Funde direkt am Alpenrand seien einmalig in Österreich, im gesamten Alpenraum und würden „nach deren Bearbeitung sicher zu den wichtigsten Funden der Menschheitsgeschichte in Europa gehören“. Um Genaueres zu erforschen, soll im Frühjahr 2012 eine Untersuchung des Geländes angegangen werden. Der Haidershofner Gemeinderat hat mit Stimmen von ÖVP und SPÖ deshalb die Unterstützung der Untersuchungen mit einem Betrag von 1500 Euro beschlossen. Die FPÖ mit Gemeinderat Siegfried Mühlberghuber sprach sich gegen diese Förderung aus. „Ich glaube nicht, dass die Gemeinde dafür zuständig ist, zumal Einsparungen von 46 Prozent bei Förderungen getroffen wurden, die direkt Haidershofnern zugekommen wären.“

SPÖ-Vorsitzender Günter Steiner regte an, freien Eintritt für die Hauptschüler im Linzer Museum auszuhandeln, sobald die Artefakte ausgestellt werden. „Wir haben eine Verpflichtung unserer eigenen Geschichte gegenüber und der Dokumentation dieser“, meinte Bürgermeister Manfred Schimpl.

Hobbyarchäologe Franz Mitterhuber ist stolz, einen weiteren Baustein der Geschichte der Region und ganz Mitteleuropas gefunden zu haben.

War es wirklich der Homo erectus, dessen Werkzeuge am Lehberg gefunden wurden? Es wäre eine weltweite Sensation.

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