Martina Hechenberger: „Wir sollten entgrenzt denken“

Die St. Valentiner Filmemacherin Martina Hechenberger über den Film „Kärntens umkämpfte Grenze“, den ORF III nun zeigt.

Peter Führer
Peter Führer Erstellt am 02. Juli 2021 | 07:49

Am kommenden Samstag, 3. Juli, zeigt der ORF III zur Hauptabendzeit um 20.15 Uhr den Film „Kärntens umkämpfte Grenze“. Dabei wird die Geschichte der Konflikte rund um Kärntens Südgrenze beleuchtet. Die Regie führte Thomas Hackl, produziert wurde der Film von der St. Valentinerin Martina Hechenberger (MINAPictures). Die NÖN bat Hechenberger zum Gespräch.

NÖN: Wie sind Sie auf das Thema zum Film „Kärntens umkämpfte Grenze“ – Konflikte im slowenisch-kärntnerischen Grenzraum – gekommen und wie beziehungsweise aus welcher Perspektive sind Sie an das Thema herangegangen?
Martina Hechenberger: Bei der letzten Dokumentation „Österreich am Eisernern Vorhang“ sind wir auf das Thema gestoßen. Wichtig ist die Sichtweise über den gesamten grenzübergreifenden Raum Slowenien/Österreich mit seiner historischen Entwicklung der letzten hundert Jahre bis hin zur Region Alpe Adria heute. Unsere Protagonisten (Historiker und Zeitzeugen) bringen unterschiedlichste Sichtweisen aus Österreich und Slowenien.


Was sind Ihre Erkenntnisse oder die Erkenntnisse des Filmes?
Hechenberger: Die Bedeutung der Grenzen für das tägliche Zusammenleben der Menschen wird in der Doku sichtbar. Sie trennt Lebensräume und Kulturen, kann jedoch auch identitätsstiftend sein. Wir haben in den letzten drei Jahren zahlreiche Grenzgebiete besucht und gesehen.

Was kann aus den Konflikten gelernt werden? Sehen Sie Lösungen für die Grenzregion oder Grenzregionen allgemein? Wie gehen Menschen mit ihren Erfahrungen um?
Hechenberger: Verbindungen zu schaffen durch Kultur, Sport und wirtschaftliche Zusammenarbeit – Ziel für die Zukunft sollte es sein, Verschiedenartigkeit und unterschiedliche Stärken zu nutzen.

Erstarkender Nationalismus ist ja auch heute ein Thema, etwa in Ungarn, dessen Politik unter Viktor Orban ja öfter von anderen europäischen Staaten kritisiert wird. Sehen Sie hier Parallelen zur Vergangenheit? Und sehen Sie auch in Österreich oder hier in der Region erstarkende Tendenzen des Nationalismus? Wenn ja – was könnten die Gründe dafür sein?
Hechenberger: Wichtig ist, die Geschichte nicht zu vergessen, und zu versuchen, es besser zu machen. Alle werden davon profitieren. Je länger Friedenszeiten andauern, desto mehr Zusammenarbeit und Wohlstand entwickelt sich. Gewaltsame Auseinandersetzungen und Krieg benötigen mehrere Generationen, um verarbeitet zu werden. Die Demokratie ist unser höchstes Gut. Die demokratische Politik – wenn auch manchmal eine schlechte – ist immer noch unser bestes Konzept, das auch weiterentwickelt werden kann.
Wie sehen Sie die Rolle der EU?

Hechenberger: Wesentlich. Die EU ist der zentrale Schlüssel der nächsten Jahre, ob wir es schaffen, neben den nationalen Zielen die europäischen gemeinsamen Ziele zu verfolgen. Statt uns zu begrenzen, sollten wir entgrenzt denken, um die heutigen Fragen zu lösen. Konkret in Kärnten: Der EU-Beitritt von Österreich und Slowenien war ganz wichtig, auch Schengen. Regionen wachsen hier sichtbar zusammen und für beide Seiten werden die Randgebiete gestärkt.