Melitta Ott: „Die Wirte hoffen auf eine Auferstehung“. Wirtesprecherin Melitta Ott über die aktuelle Lage der heimischen Gastronomie.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:53)
Melitta Ott sehnt eine baldige Öffnung herbei.
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NÖN: Wie sehen Sie als Wir-tesprecherin im Bezirk die Lage?

Melitta Ott: Wir hoffen auf die große Auferstehung noch vor oder zu Ostern. Das wünschen wir uns und daran glauben wir. Die Situation ist für die Gastronomen schon seit Monaten die selbe. Jeder wurstelt sich so durch. Der, der am Wochenende auskocht, wird das auch weiter machen. Wir schauen alle, dass wir in Schwung bleiben und nicht einrosten.

Inwieweit in Schwung bleiben?

Es geht darum, dass man nicht einrostet. Die Wirte waren ja immer Getriebene, mit viel Energie. Jetzt haben viele gemerkt, wie schlimm es ist, wenn man ein paar Monate keine oder viel weniger Arbeit hat. Jetzt muss man sich wieder beim Schopf packen und motivieren. Vielen ist jetzt klar geworden, dass es Menschen gibt, die lange Zeit arbeitslos sind und dann keine Energie mehr haben.

„Für das A-la-Carte-Geschäft hat das Testen aber keinen Sinn.“

Welche Möglichkeiten gibt es für Wirte, dennoch ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?

Wir beim Mostviertlerwirt kochen zum Beispiel weiter für Kindergärten und Schulen. Das machen auch viele Kollegen. Es gibt auch immer wieder tolle Ansätze, wie Wirte zu ihren Kunden kommen. Zum Beispiel bietet die Dorfschmiede in Ludwigsdorf einen Kühlschrank an, bei dem sich jeder natürlich gegen Bezahlung fix fertige Gerichte mit nach Hause holen kann. Manche Kollegen verteilen an die Kunden auch genaue Anleitungen, wie die Gerichte, die sie abholen, zuhause noch erwärmt werden sollen. Eine Idee ist auch, das Essen in speziellen Gläsern anzubieten, die dann daheim in Wasser erwärmt werden.

Das Thema „Reintesten“ für den Besuch beim Wirtshaus wird auch immer wieder diskutiert.Wie stehen Sie dazu?

Das kann Sinn machen, wenn es etwa um Hochzeiten oder größere Feiern geht. Da wird sich vielleicht jeder testen lassen. Hoffentlich werden ja wieder einmal zumindest 100 Gäste bei Feiern erlaubt. Für das A-la-Carte-Geschäft hat das Testen aber keinen Sinn. Da hoffen wir, dass diese Regelung noch geändert wird. Sonst wäre es besser, sie lassen uns noch zugesperrt.

Gibt es auch viele Gastronomen, die aufgehört haben oder ansAufhören denken?

Viele haben über Umschulungen nachgedacht. Sehr gefährdet sind die Nachtbetriebe, auch weil die Mieten in den Städten sehr hoch sind und weiterlaufen. Viele Gastronomen müssen ja schon auf das Privatvermögen zugreifen, damit der Betrieb weitergehen kann. Vereinzelt gibt es auch Betriebe, die aufhören. Was auch ein Thema ist, dass Kinder aufgrund der unsicheren Situation den Betrieb nicht übernehmen wollen.

Und wie blicken Sie in dieZukunft?

Ich glaube schon, dass die Leute wieder kommen, wenn sie wieder dürfen. Und manche Traditionen werden ja trotz der Einschränkungen weiter gepflegt. Etwa das Knödelessen im Gasthaus Wieser am Rosenmontag und am Faschingsdienstag. Das und danach zum Tanzen zum Ott ist schon eine lange Tradition. Es ist wichtig, dass man nicht vergisst, was einmal war und hoffentlich bald wieder sein wird.