Klimawirksame Zukunft – für Pferd, Mensch & Natur. Am Islandpferdehof in Weistrach setzt man Maßnahmen, um gut durch die Krise zu kommen.

Von Christa Aichinger. Erstellt am 31. Januar 2021 (05:33)
Rund 100 Pferde werden am Islandpferdehof „Gut Pöllndorf“ in Weistrach betreut. Barbara Kirchmayr-Urban und ihr Mann Hannes Kirchmayr kümmern sich liebevoll um die Isländer, die ideal sind für Anfänger und Familien. Es wird versucht, den Pferden ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen, indem sie möglichst im Herdenverband sein dürfen.
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Bereits im Jahr 1975 kamen die ersten Islandpferde nach Weistrach. Damals vermutete der alte Hufschmid noch, es sei nur eine kurze Modeerscheinung, die sich letztendlich doch sehr lange gehalten hat. Zum allseits beliebten Pferdehof kommen mittlerweile Menschen, die bereits in zweiter Generation hier zum Reiten kommen, da es für viele eine hohe Wertigkeit bedeutet.

Zu verdanken ist dies alles der Familie Kirchmayr, die 1985 hier begonnen hat und seitdem den Betrieb hauptberuflich betreibt. Nur zwei Jahre später fand in Weistrach die Islandpferde-Europameisterschaft statt und es folgte eine ganze Reihe nationaler und internationaler Turniere.

„Die Corona-Pandemie hat uns hart getroffen, da wir den Betrieb zusperren mussten. Plötzlich wurde der ganze Gruppenunterricht gestoppt und keiner konnte einschätzen, wie sich die Lage weiter entwickeln wird“, schildert Gutsbetreiber und Reitlehrer Hannes Kirchmayr.

Rund 100 Pferde waren zu betreuen und da man sich strikt an die Regeln hielt, fiel es auch den vielen Gästen, die hier ein Pferd eingestellt haben, anfangs besonders schwer, möglichst nicht zum Hof zu kommen. Mittels Zeitfenster konnte man jedoch die Termine so planen, dass jeder einzeln korrekt zu seiner Zeit sein Pferd betreuen konnte.

Aufschwung im Sommer, Durststrecke im Winter

Aufgrund der fehlenden Reitstunden fiel die Hälfte des Umsatzes weg, doch der Frühling und der Sommer 2020 brachten den erhofften Aufschwung.

„Viele Gäste, die nicht auf Urlaub gefahren sind, haben Reitkurse absolviert, und auch die Möglichkeit der Kurzarbeit wurde in Anspruch genommen, was uns wirtschaftlich gewaltig geholfen hat“, freut sich der Pferdeprofi.

Außerdem wird am Pferdehof das Grundfutter zur Gänze selbst produziert beziehungsweise teilweise verkauft, da es 45 Hektar zu bewirtschaften gibt.

Dass es im letzten Jahr landwirtschaftlich gute Erträge gab, war positiv, und auch der eigene Einfluss auf die Futterqualität, was in der Pferdehaltung eine heikle Sache ist, kann nur von Vorteil sein. Nur das Kraftfutter wird zugekauft. Man ist also nicht rein von der Reitschule abhängig und es vermittelt das Gefühl, krisensicherer zu sein.

Der Winter-Lockdown bescherte dem Islandpferdehof wieder eine finanzielle Durststrecke, da die Reitkurse nun wieder auf null stehen. Einnahmen kommen zumindest zur Hälfte aus den Einstellern. Klar war mittlerweile die rechtliche Situation, dass der Pferdebesitzer zu seinem Pferd darf, und somit passiert alles auf Abstand und unter höchster Disziplin aller Beteiligten, was sich als praktikabel erwiesen hat.

Ein wichtiges Ziel von Hannes Kirchmayr ist es jedenfalls, den Betrieb so ressourcenschonend wie möglich zu betreiben. Dazu wurde eine sogenannte „Baumpatenschaft“ ins Leben gerufen, bei der ausgewählte Baum- und Buschgruppen regionaler Herkunft gepflanzt werden sollen. Einige davon wurden bereits von den Reitern finanziert und eingepflanzt. Es soll in diesem Sinne eine Antwort auf die Verbauungsstrategie im Mostviertel sein.

Um klimawirksam zu werden, setzt er zudem auf Mist bei der Düngung, möchte in der Innenmechanisierung auf Strom umsteigen und eine Photovoltaikanlage soll angeschafft werden. Kirchmayr sieht die Pandemie als Übung, wie man mit künftigen Problemen umgehen kann. Der Familienbetrieb ist zuversichtlich, dass es bis Ostern zumindest Schritt für Schritt wieder bergauf geht und wieder Normalität einkehrt.