Ennsdorfer Hausarzt darf nicht aus Pension zurückkehren. Seit 1. April gibt es keinen Allgemeinmediziner mehr. Interimslösung wurde von Ärztekammer und Krankenkasse abgelehnt.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 02. April 2019 (05:01)
Pixabay, Gemeinde
Bürgermeister Daniel Lachmayr ärgert sich über die Ablehnung der Übergangslösung.

Seit Montag ist die einzige Kassen-Ordination für Allgemeinmedizin geschlossen. Einen Nachfolger für Bettina Wokatsch-Ratzberger, die die Kassenstelle in Hargelsberg (OÖ) übernimmt, gibt es noch nicht. Die Ennsdorfer müssen daher künftig nach Oberösterreich oder in die Nachbargemeinden ausweichen.

Rechtslage verhindert Übergangslösung

Aber auch dort ist die ärztliche Versorgung lückenhaft, denn in St. Valentin etwa ist eine der fünf Kassenarztstellen bereits seit Monaten unbesetzt. „Wir haben in Österreich freie Arztwahl. Grundsätzlich müssten die Ärzte unsere Patienten nehmen, aber wir wissen, dass die Hausärzte in der Region überlastet sind. Ich fürchte daher, dass sich nicht alle auf St. Valentin aufteilen können“, ist Ennsdorfs Bürgermeister Daniel Lachmayr (SPÖ) mit der Situation unzufrieden. Er möchte seinen Bürgern bieten können, dass „jemand, der einen Arzt braucht, auch versorgt ist“.

Lachmayr:  „Dann muss man das Gesetz eben ändern."

Aus diesem Grund war man auf der Suche nach einer Übergangslösung und wurde sogar fündig. Akbar Rezwan, der bis zu seiner Pensionierung im September 2016 als Allgemeinmediziner in Ennsdorf ordinierte, hatte sich bereit erklärt, den Ordinationsbetrieb interimsmäßig wieder zu übernehmen. Dafür hätte der 72-Jährige ein Verrechnungsabkommen mit der Krankenkasse gebraucht. Das wurde von der Kommission, bestehend aus Ärztekammer und Krankenkasse, abgelehnt.

„Das ist gegen die rechtlichen Bestimmungen“, kann Lachmayr der Begründung nichts abgewinnen. „Dann muss man das Gesetz eben ändern. Als Überbrückung hätte uns diese Alternativlösung aus der Patsche geholfen. Doktor Rezwan hätte innerhalb einer Woche starten können“, fordert Lachmayr eine Änderung der rechtlichen Situation.

Diese Forderung hat aber wenig Aussicht auf Erfolg. „Das ASVG sieht generell eine Altersgrenze von 70 Jahren für Vertragsärzte vor. Das hat der Gesetzgeber so festgelegt. Eine interimistische Rückkehr ist daher nicht möglich“, schließt Barbara Mann, Pressesprecherin der NÖ Gebietskrankenkasse, eine Reaktivierung Rezwans aus. „Ich finde das sehr schade. Da wird die Realität negiert. Ich verlange mehr Flexibilität jener Stellen, die das entscheiden können“, spart Lachmayr nicht mit deutlichen Worten.

Gratis Taxischeine für nicht mobile Bürger

Um zumindest den nicht mobilen Ennsdorfer Gemeindebürgern den Arztbesuch erleichtern zu können, hat sich die Gemeinde eine besondere Aktion überlegt. Seit dieser Woche gibt es eigene Taxischeine für Fahrten zum Hausarzt im Umkreis von maximal 15 Kilometern. „Diese werden kostenlos am Gemeindeamt ausgegeben“, informiert der Bürgermeister.

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