Weistracherin verarbeitet Leben mit Diabetes in Buch. Weistracherin Anita Weinberger hat ihre Erfahrungen mit Diabetes Typ 1 in einem Buch veröffentlicht.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 06. April 2019 (04:00)
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Anita Weinberger verfasste einen sehr persönlichen Ratgeber, der Diabetikern Mut machen soll und über die Krankheit hinaus alle motivieren soll, positiv an Schicksalsschläge heranzugehen. Letztendlich ist die Weistracherin das beste Beispiel dafür.
Doris Schleifer-Höderl

Laut der österreichischen Diabetes-Gesellschaft gibt es zurzeit in Österreich 600.000 Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind. 30.000 Personen leiden an einem Typ-1-Diabetes. Eine davon ist die Weistracherin Anita Weinberger (43).

Die gebürtige Vestenthalerin bekam vor neun Jahren die Diagnose und fiel aus allen Wolken. Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr herstellen kann und es daher nötig ist, das fehlende Insulin zeitlebens zu ersetzen.

„Mit dem Schicksal zu hadern bringt nichts“

„Mein erster Gedanke war, das kann nicht sein – doch nicht ich! Aber schon rasch erkannte ich, mit dem Schicksal zu hadern bringt nichts. Und man muss sich nun wirklich nicht immer dem Schicksal ergeben“, so Anita Weinberger. „Ich bin zwar, weil mein Vater Typ 1 Diabetiker ist, mit der Krankheit aufgewachsen, glaubte aber immer, dass sie mich nie betreffen würde.“

Doch im Nachhinein betrachtet, gab es sehr wohl einige Vorzeichen, wie die zweifache Mutter berichtet. „Bei beiden Schwangerschaften, im Jahr 2003 und 2004, hatte ich zirka ab der 26. Woche Schwangerschaftsdiabetes und musste Insulin spritzen. Doch dem maß ich nicht viel Aufmerksamkeit bei.“ Als die Kinder ein paar Jahre alt waren, fühlte sich die Büroangestellte allerdings nach dem Mittagessen immer so gerädert. Dazu kamen dann Heißhungerattacken auf Süßes. „Bei der Gesundheitsvorsorgeuntersuchung 2008 waren meine Blutzuckerwerte zwar im obersten Grenzbereich, passten aber sonst. Nur zwei Jahre später aber war alles anders und jenseits der 600 mg/dl – 90 bis 140 wären normal.“

Mit ihrem Vater als Vorbild nahm Anita Weinberger aber den Kampf auf. „Papa achtet auf seine Ernährung und macht regelmäßig Bewegung. Entscheidend war und ist, gut auf sich zu schauen und konsequent zu bleiben.“ Und dieses Konzept scheint aufzugehen. Anita Weinberger liest gerne, geht laufen, walken, schwimmen, spielt Tennis, gartelt und genießt die Natur. Außerdem fährt sie Rad, betreibt Aerobic, fährt Ski und ist obendrein begeisterte Langläuferin.

An fünf Tagen in der Woche betreibt sie ausreichend Bewegung, an den restlichen beiden Tagen geht sie es gemütlicher an. „Und: Ich bin ein Genussmensch! Ich halte gar nichts von Verboten oder Zwängen, vom „Müssen“, davon, dass man etwas nicht essen, trinken oder tun darf, oder von sportlichen Quälereien. Ich esse auch einmal in der Woche ein Stück Torte mit Schlagobers. Der Satz ‚Die Dosis macht das Gift‘ sagt alles aus und stimmt für mich zu einhundert Prozent. Entscheidend ist die persönliche Einstellung. Der Diabetes hat mich zu einem bewussteren Lebensstil, zu Gelassenheit und regelmäßiger Bewegung geführt. Dafür bin ich ‚dankbar‘.“

Buch „Danke Diabetes“ soll Mut machen

Genau diese „Dankbarkeit“ dem Diabetes gegenüber war es, die Anita Weinberger dazu veranlasste, ihre Erfahrungen an andere Betroffene in Buchform weiterzugeben. „Krankheit kann man auch als Chance ansehen. Zudem möchte ich dazu motivieren, positiv an Schicksalsschläge heranzugehen. Alles Schlechte hat nämlich immer auch etwas Gutes“, ist Weinberger überzeugt. In nur fünf Monaten hat die sympathische Weistracherin all ihre Gedanken, Tipps und Tricks des Diabetiker-Alltags in den Computer getippt.

Vor wenigen Tagen ist das Buch „Danke Diabetes“ nun im Ennsthaler Verlag erschienen. „Ich will mit meinem Buch Mut machen und aufzeigen, dass man nie auslernt. Was ich in den letzten neun Jahren alles über mich und meinen Körper gelernt habe bzw. lernen musste! Ich hätte mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können, mich selbst jemals so gut kennenzulernen. Und manche Dinge über mich hätte ich, ehrlich gesagt, lieber nicht erfahren. Aber vermutlich hat es so sein müssen und gehört zu meinem Leben“, erklärt Weinberger.