Raum Haag: Ernte-Einbußen von bis zu 50 Prozent. Im Westen des Bezirks hat die Wintergerste enorm unter Trockenheit gelitten. Prognosen für Mais und Soja sind gut.

Von Hermann Knapp und Ingrid Vogl. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:41)
Die Ernte der Wintergerste hat am Wochenende begonnen. Kammerobmann-Stellvertreter Anton Pfaffeneder aus Haag und Landeskammerrat Andreas Pum aus St. Valentin (von links) rechnen im Westen des Bezirks Amstetten mit Ertragseinbußen bis zu 50 Prozent. Foto: privat
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Bis Anfang Mai schaute es für die Landwirtschaft gar nicht gut aus. Die Trockenheit drohte, die Kulturen auf den Feldern verdorren zu lassen.

„Durch die Niederschläge in den letzten Wochen wurde diese Gefahr zum Glück aber abgewendet. Im Augenblick haben wir im Grünland jetzt eher das Problem, dass wir eine Schönwetterperiode bräuchten, um das Heu heimbringen zu können“, sagt Bezirksbauernkammerobmann Josef Aigner aus Biberbach.

„Die Gerste hat aufgrund der Trockenheit gelitten“

In der Region Biberbach, Seitenstetten, St. Peter darf man eine gute Gerstenernte erwarten, auch der Weizen wächst gut, ebenso Mais und Soja. „Das ist aber regional verschieden. In Gebieten mit mehr Schotter konnten die Böden das Wasser nicht so gut aufnehmen und dadurch zeigt sich die Kornentwicklung dort nicht so gut wie bei uns“, sagt Aigner.

Das bestätigt Landeskammerrat Andreas Pum aus St. Valentin, denn im Westen des Bezirks dominieren Schotterböden und dort sind die Aussichten für die am Wochenende gestartete Wintergerstenernte nicht wirklich rosig. „Die Gerste hat aufgrund der Trockenheit gelitten. Es haben die Winterfeuchtigkeit und die Frühjahrsniederschläge gefehlt. Wir rechnen je nach Standort mit Ertragseinbußen bis zu 50 Prozent“, erklärt Pum.

Viel besser sehen die Prognosen für die nächsten Kulturen wie Mais, Rüben und Soja aus. „Hier sehen wir derzeit eine sehr, sehr positive Entwicklung. Hier haben wir üppige Bestände“, betont Pum. Die heftigen Niederschläge der letzten Wochen hätten hier keinen Schaden angerichtet. Auch deshalb, weil der Westen nicht so stark betroffen war. „Wir sind in unserem Bereich von Unwettern verschont geblieben“, sagt Pum.

Engerlingplage ist heuer bislang ausgeblieben

Erfreulich ist, dass durch die zuletzt feuchte Witterung die Engerlingplage heuer bislang ausgeblieben ist. Da will Kammerobmann Aigner aber den Tag nicht vor dem Abend loben. „Denn wenn es im Juli sehr trocken ist, dann kann das noch kommen.“ Auch der Wald im Bezirk hat durch den Regen eine Atempause bekommen. „Der Borkenkäferflug wurde dadurch zumindest verzögert. Es sind in den letzten Wochen keine neuen Schäden aufgetreten“, sagt Aigner.

Auch Biobauer Franz Reikersdorfer aus Neuhofen an der Ybbs ist im Hinblick auf die heurige Ernte zuversichtlich. „Wir haben zwar nicht mehr so viel Getreide, weil wir für unsere 24 Milchkühe mehr Grünfutter brauchen, aber Dinkel zum Brotbacken bauen wir noch an. Im Frühjahr hat ihm zwar vor dem Ährenschieben das Getreidehähnchen etwas zugesetzt, aber in der Blüte hat er sich gut entwickelt.“

Reikersdofer ist als Ortsbauernratsobmann natürlich auch immer im Gespräch mit seinen Kollegen. Und diese berichten, dass die Wintergerste sich durch einen Hagel vor ein paar Wochen im Ausbau der Ähren schwächer ist, und daher die Ernte nicht so gut ausfallen dürfte. Erholt hat sich dafür heuer das Grünland.

Der späte Frost und die Niederschläge haben den Engerlingen zugesetzt. „Wir sind glücklich, dass wir endlich wieder genug Gras für unsere Rinder haben. Jetzt bräuchten wir Schönwetter, um das Heu einzubringen. Aber wir sind ja in einem Schaltjahr und da sagt man, dass es immer ein wenig nässer ist.“

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