Weistracher schrieb Buch über globale Gerechtigkeit. Der gebürtige Weistracher Andreas Sator beschäftigt sich mit globalen Ungerechtigkeiten und hat nun darüber sein erstes Buch „Alles gut?!“ geschrieben.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 02. November 2019 (04:34)
Doris Schleifer-Höderl
Der Standard-Journalist und gebürtige Weistracher Andreas Sator mit seinem Erstlingswerk, in dem er für einen bewussten, informierten und vor allem optimistischen Umgang mit unserer Welt als globales Dorf plädiert und damit dazu inspiriert, sich selbst Gedanken zu machen, was man tun kann, um zu helfen.

Andreas Sator war schon immer jemand, der sich mit der Frage der Gerechtigkeit auseinandersetzte. „Weil es mir nicht einleuchtete, dass wir hier in Österreich in einem der reichsten Länder der Welt leben und anderswo noch immer extreme Armut herrscht“, meint der 29-Jährige, der schon als Hilfsarbeiter, PR-Texter, Rettungssanitäter und Briefträger jobbte und sich sowohl beim Roten Kreuz als auch beim Verein „Vielmehr“ in der Flüchtlingshilfe engagierte.

Andreas entschloss sich daher nach der Matura an der HAK in Steyr, an der Uni Wien Ökonomie und Internationale Entwicklung zu studieren. „Da habe ich viel debattiert, nachgedacht und geschrieben. Aber Antworten auf meine Fragen bekam ich nicht wirklich, merkte allerdings, dass mir das Schreiben Spaß macht. Heute bin ich Journalist beim Standard und betreibe den Podcast ‚Erklär mir die Welt‘.“

Doch wie kam er auf die Idee, ein Buch über globale Ungerechtigkeiten zu schreiben? „Weil es gerade in diesem Bereich viele Fehlinformationen gibt! Ich habe ein halbes Jahr Sozialarbeit in Peru geleistet und plötzlich war die Idee zum Buch da.“ Der gebürtige Weistracher, der vor neun Jahren nach Wien zog, machte sich kurzer Hand an die Arbeit, sprach mit Experten, las unzählige Studien und Bücher, klickte sich durchs Internet und telefonierte dutzende Handy-Akkus leer.

Jeder kann etwas zur Gerechtigkeit beitragen

Seine Erkenntnis nach einem Jahr intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema: Europas Reichtum basiert zum größten Teil auf Ideen. „Ob man sie selbst hat oder kopiert, ist in unserer offenen Welt nicht so wichtig. Ob sie aber Fuß fassen, darüber entscheiden die Spielregeln in einem Land, und die entwickeln sich historisch eben langsam“, erklärt Andreas.

Fakt sei auch, dass bis vor 200 Jahren fast alle Menschen auf der Welt arm waren. Das ändere sich überall, einige Regionen sind aber viel weiter als andere. „Meine Recherchen haben ergeben, dass die Entwicklung eines Staates und seiner Wirtschaft wirklich einige hundert Jahre dauert. Das Grundlegendste dafür ist Frieden. Wenn es ständig Konflikte, Bürgerkriege und Gewalt gibt, ist eine Ansiedlung von Firmen nicht möglich. Und damit auch nicht die Schaffung von Arbeitsplätzen und sozialer Absicherung. Wenn Recht und Ordnung noch nicht vorhanden sind, brauchen wir über eine wirtschaftliche Entwicklung nicht einmal ansatzweise nachzudenken.“

Was kann nun aber jeder Einzelne von uns tun, um zu mehr Gerechtigkeit beizutragen? „Indem man in sich geht und fragt, was will ich denn eigentlich tun beziehungsweise was möchte ich zur Chancengleichheit beitragen. Ich habe gemerkt, man kann am besten dort helfen, wo man sich selbst am besten auskennt. Pädagogen können etwa bei ihren Schülern Bewusstsein für das Thema Gerechtigkeit schaffen, wir Journalisten durch entsprechende Berichterstattung bei unseren Lesern.“

Und wie gestaltet Andreas seinen Alltag? „Ich glaube, man muss nicht päpstlicher als der Papst sein. Das ist nicht das Ziel des Ganzen, keiner kann alles richtig machen und ich verurteile daher auch niemanden. Ich kaufe soweit wie möglich regionale und saisonale Lebensmittel, achte bei den Bananen auf das Fair-Trade-Siegel und gebe mir Mühe, viel mit den Öffis zu fahren.

Darüber hinaus spende ich an Give-Directly, die verlässlich Geld an Haushalte in die ärmsten Länder der Welt schicken. Dabei handelt es sich um eine NGO, die von Wissenschaftlern gegründet wurde und die die Familien, die im Schnitt an die 1.000 Dollar erhalten, begleitet. In Uganda oder Kenia kommt dieser Betrag einem Jahreseinkommen gleich. Studien zeigen, dass die Gelder tatsächlich etwa für bessere Nahrung, Bildung oder Investitionen in die Wohnsituation angelegt werden. Somit ist Nachhaltigkeit gegeben. Die Menschen leben gesünder und sind gebildeter.“