Strengberger Diätologin rät: Wieder bewusster essen. Viele sehen Fastenkuren als Abnehmhilfe. Für Diätologin Helga Freyenschlag sollte Fasten aber dazu dienen, sich bewusst mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen.

Von Marlene Ortner. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:14)
Diätologin Helga Freyenschlag will über Fasten-Mythen aufklären.
privat

Sich im Dschungel der vielen verschiedenen Fastenarten, Diäten und Co. zurechtzufinden, erscheint am ersten Blick nicht wirklich einfach. Viele Mythen ranken sich um Basenfasten, Suppen- oder Saftfasten, Intervallfasten oder Detox beziehungsweise Entgiftung. Diätologen wie die Strengbergerin Helga Freyenschlag wollen darüber aufklären.

Zwei Portionen Obst am Tag sind zu empfehlen. Süßigkeiten sollten nur selten am Speiseplan stehen.
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Nach ihrem Studium an der FH St. Pölten begann Freyenschlag bei den Barmherzigen Brüdern in Linz im Krankenhaus zu arbeiten. Nebenbei bietet sie auch als Selbstständige in Strengberg Beratungen im Bereich Ernährung an. „Diätologinnen und Diätologen bekommen in letzter Zeit immer mehr mediale Aufmerksamkeit. Mir ist es besonders wichtig, über Mythen aufzuklären und ein Bewusstsein für unkomplizierte und gute Ernährung zu schaffen“, erklärt Freyenschlag.

In ihrem Alltag arbeitet sie mit verschiedenen Gruppen von Menschen zusammen und berät ihre Patienten zu Themen wie Diabetes, Stoffwechselerkrankungen, Rheuma oder Gewichtsreduktion. „Besonders wichtig ist es mir, nicht den Zeigefinger zu heben und Verbote auszusprechen. Ich erarbeite gemeinsam mit den Patienten eine individuell passende Ernährung“, betont Freyenschlag.

Viele Menschen würden Fastenkuren als Abnehmhilfe ansehen. Allerdings bestehe bei zu langem Fasten nur ein Drittel des verlorenen Körpergewichts aus Fett. Der Großteil des Gewichtsverlustes werde durch Abbau von Muskelmasse und Wasser erzielt. „Durch den Muskelverlust sinkt der Grundenergieumsatz. Daher kommt es häufig zum viel zitierten Jojo-Effekt, also zur Zunahme nach der Diät oder den Fastentagen.“

Die Diätologin sieht im Fasten aber einen anderen Vorteil: „Kurzfristiges Fasten kann helfen, wieder bewusster und aufmerksamer zu essen.“ Dadurch können schlechte Gewohnheiten wie zum Beispiel der Verzehr von Süßigkeiten neben dem Fernsehen abgewöhnt werden. Während des Fastens sollte auch auf anstrengenden Sport verzichtet und eher auf Spazierengehen, Yoga und Meditation gesetzt werden.

Bei längerem Fasten Experten zu Rate ziehen

Will man über einen längeren Zeitraum, also mehr als fünf Tage fasten, sollte dies nicht im Alleingang geschehen. Man sollte auf die Eiweißzufuhr achten und einen Experten zu Rate ziehen, der den Verlauf einer Fasten- oder Abnehmphase dokumentiert. Etwas anders verhält sich dies beim Intervallfasten. Dabei wird versucht, eine mindestens zwölfstündige Fastenpause am Tag einzulegen. „Dies kann zum Beispiel durch das Weglassen des Frühstücks erreicht werden“, verrät Freyenschlag.

Nach zwölf bis vierzehn Stunden setzt im Körper der Autophagie-Prozess ein, bei dem abgestorbene Zellen vom Körper selbst abgebaut werden. „Das kann man sich wie eine Reinigung vorstellen. In diesem Bereich wird derzeit viel geforscht, auch im Hinblick auf wiederkehrendes Fasten und dessen mögliche positive Korrelation mit Krankheiten wie Demenz“, sagt die Diätologin. Intervallfasten kann daher auch in den Alltag integriert werden. Allerdings sollte in der Zeit der Nahrungsaufnahme auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

Gemüse als Basis für jedes Gericht

Generell gibt es in der westlichen Gesellschaft eine Fülle an unterschiedlichen Lebensmitteln. Daher haben viele Menschen verlernt, auf ihr natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl zu hören. „Fasten eignet sich hierbei gut, um schlechte Gewohnheiten abzulegen, seinen Körper besser kennenzulernen und etwas zu entschleunigen“, schildert Freyenschlag.

Auf sich selbst und seinen Körper zu hören ist ein Lernprozess und kann auch mit intuitivem Essen in Verbindung gebracht werden. Fasten sollte also nicht zum Abnehmen, sondern zur Verbesserung der Achtsamkeit verwendet werden. „Sich bewusst mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen, sollte das Ziel sein“, erzählt Helga Freyenschlag. Das kann zum Beispiel durch das Weglassen von Zucker, Alkohol oder Fleisch für einen bestimmten Zeitraum erreicht werden.

Generell sollte der Fokus auch neben dem Fasten auf einer ausgewogenen Ernährung liegen. Genügend ungesüßte und kalorienarme Flüssigkeitszufuhr ist hierbei wichtig. Ebenso sollte Gemüse als Basis für jedes Gericht verwendet und dreimal am Tag eine Handvoll Gemüse oder Salat gegessen werden. Zudem sollte öfter auf Hülsenfrüchte, Haferflocken, Hirse und Vollkornprodukte zurückgegriffen werden.

Auch zwei Portionen saisonales Obst am Tag sind zu empfehlen. Dieses sollte man allerdings essen und nicht in Form eines Getränks zu sich nehmen. Hochwertige Fette finden sich in Raps- und Olivenöl sowie in Nüssen und Leinsamen.

„Als Faustregel kann man sich merken: Die Hälfte des Tellers sollte aus Gemüse und Salat bestehen, ein Viertel sollte mit Getreide, Kartoffeln und Vollkornprodukten bedeckt werden und das andere Viertel mit einer Eiweißquelle wie Hülsenfrüchte, Fisch, Tofu, Milchprodukte oder Fleisch“, erklärt Freyenschlag.

Zusammengefasst sollte man, egal bei welcher Art von Fasten, immer auf seinen Körper hören. Lebensmittel sollten nicht nach dem Schema „gut oder schlecht“ bewertet werden, sondern die Vielfalt sollte geschätzt werden. Und jede Mahlzeit sollte achtsam und mit viel Genuss verspeist werden.