KZ-Außenlager St. Valentin mit bis zu 1.480 Gefangenen. Das KZ-Außenlager St. Valentin wurde brutal geführt. Heute wird daran bei einer jährlichen Gedenkfeier erinnert.

Von Karl Fuchs und Peter Führer. Erstellt am 23. Juni 2021 (03:29)

Aufgrund des Nibelungenwerks, dem größten Panzer-Montagewerk des Dritten Reiches, das sich in St. Valentin befand, entschloss sich das NS-Regime, in unmittelbarer Nähe 1942 ein KZ-Außenlager zu errichten.

In seinem Buch „Mostviertel, Geschichte, Gschichtln und Erlebtes“ berichtet NÖN-Mitarbeiter Karl Fuchs über die Geschichte des Lagers und die Gräueltaten in St. Valentin (Auszug): „Das Konzentrationslager Mauthausen hatte 46 Nebenlager. Eines davon wurde 1942/43 in Herzograd (St. Valentin) errichtet, um sich die täglichen Fahrten mit den Häftlingen aus Mauthausen zum Arbeitsplatz in das Panzerwerk zu ersparen. Durch den ständigen Ausbau des Nibelungenwerkes wurden immer mehr Arbeitskräfte gebraucht.

Der 20-jährige Karel Troup kam aus Böhmen und wurde zum deutschen Arbeitseinsatz verpflichtet. Er wurde ein St. Valentiner, der in diesem KZ nicht als Häftling, sondern als legaler Arbeiter ein und ausging. Er erlebte den Bau des KZ Herzograd. Seine Arbeit bestand darin, Werkshallen und KZ-Baracken mit Tarnfarben zu versehen.

Gefürchtete SS stellte das Wachpersonal

Neben dem Verwaltungsgebäude umfasste das Lager, das etwa 300 Meter vom Panzerwerk entfernt aufgebaut worden war, zehn Baracken für 800 bis 1.400 Häftlinge. Der Höchststand betrug 1.480 Gefangene – Russen, Polen, Belgier und Juden, die zu Hunderten aus Mauthausen nach St. Valentin gebracht wurden. Besonders grausam verfuhr der Werkschutz mit KZ-Inhaftierten. Manche wurden erschlagen, auf andere hetzte der Sicherungschef seine Bluthunde.

Dutzende Häftlinge brutal ermordet

Das Lager wurde sehr brutal geführt. Zwar stellten Augenzeugen nach dem Zweiten Weltkrieg fest, dass Dutzende Häftlinge brutal ermordet worden waren, doch in den offiziellen Sterbebüchern der Nazis lasen sich die Todesursachen freilich vollkommen anders: Herzschwäche, Lungenentzündung, Hitzschlag, Erschöpfung und so weiter. Im Lager gab es auch einen Bunker, der „Lazarett“ genannt wurde. In diesem stand ein Holzbehälter, in dem die Toten deponiert und dann nach Mauthausen zur Verbrennung abtransportiert wurden.

Dieses „Lazarett“ wurde auch dafür verwendet, an griechischen Frauen künstliche Befruchtungsversuche vorzunehmen. Am 5. Mai 1945 übernahm die SS das Nibelungenwerk St. Valentin und am 7. Mai 1945 trafen amerikanische Truppen in St. Valentin ein. Der Krieg war zu Ende, aber die Angst vor der Besatzung war groß. Viele Personen flüchteten noch schnell über die Enns und konnten dann nicht mehr zurück. Am 11. Mai 1945 wurden die Ennsbrücke und am Bahnhof St. Valentin eine Militärkommandantur errichtet. Es kam zu neun Morden durch unbekannte Täter sowie Plünderungen von Güterzügen.

Gedenkstein erinnert an NS-Zeit

An die Gräueltaten erinnert ein Gedenkstein, der 1996 auf Initiative der vierten Klasse der Hauptschule Langenhart gestaltet wurde. Auf dem Stein befindet sich eine Taube, die sich aus Ketten befreit. Im Rahmen der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge wurde 2015 die Stätte erweitert, um an die in der Euthanasieanstalt Hartheim ermordeten St. Valentiner zu erinnern. Die Skulptur „Menschenwürde“ wurde vom St. Valentiner Künstler Manfred Brandstätter entworfen und gestaltet. Jährlich führen hier das Mauthausenkomitee und die Stadtgemeinde Sankt Valentin eine Gedenkfeier durch.

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